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Glockenturm auf Rädern : Kneese will Turm-Verbot umfahren

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Nach dem Veto aus dem Landratsamt ist eine Glocke auf Rädern für die Baumkirche geplant

svz.de von
erstellt am 29.Jan.2014 | 00:04 Uhr

Als kompetent, wirtschaftsfördernd, unternehmer- und bürgerfreundlich stuft sich der Landkreis Nordwestmecklenburg ein. Er ebnet Investoren den Weg für Millionen-Projekte, scheint kleinere Vorhaben auf dem Lande aber eher zu verbauen als zu genehmigen. Kneese ist dafür ein Beispiel. Dort war 2008 Mecklenburgs erste Baumkirche eröffnet worden. Doch sie blieb bis heute unvollendet. Denn ein Glockenturm aus naturbelassenen Hölzern wurde seitens der Kreisverwaltung nicht genehmigt. Begründung: „Es handelt sich nach dem Bauplanungsrecht um eine Anlage im Außenbereich, der von jeglicher Bebauung freizuhalten ist.“ Ohne Genehmigung sei es ein Schwarzbau, der in anderen Fällen auch geahndet werde. „Im Übrigen befindet sich der Standort im LSG Biosphärenreservat Schaalsee. Das dafür zuständige Amt hatte eine Befreiung nicht in Aussicht gestellt“, so Kreis-Sprecherin Petra Rappen.

Der Kneeser Arche-Hof – ein ökologischer Landwirtschaftsbetrieb mit Arbeits- und Wohnplätzen für Menschen mit Behinderung – wollte den Glockenturm errichten. „Schließlich haben wir in der Baumkirche schon fast alles: Kreuz, Altar, Kanzel, Taufbecken, Sitze. Nur eine Glocke fehlt uns noch“, begründet Hofleiter Karl-Heinz Finnern das Engagement.

Jetzt gibt es einen neuen Anlauf des Arche-Hofs. Ein Glockenturm auf Rädern soll gebaut werden und zu besonderen Anlässen zur Westseite der Baumkirche gefahren werden. Ein Minimodell und eine Konstruktionszeichnung existieren bereits. Benötigt werden nun ein Anhänger mit allgemeiner Betriebserlaubnis, jede Menge Holz und eine Kirchenglocke. „Diese werden wir von der Kirchgemeinde Mölln erhalten“, sagt Hofleiter Karl-Heinz Finnern. Er hofft zudem auf eine Materialspende eines Holzhändlers.

Seinen Segen für diese mobile Lösung muss nach Fertigstellung auch ein kirchlicher Glockenbauer geben. Schließlich müssten Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden. „Unser Ziel ist, dass zum Landmarkt am 7. Juni dieses Jahres alles fertig ist und wir dann hoffentlich alle Hürden übersprungen haben“, so Finnern. Er rechnet mit Kosten von mindestens 2500 Euro. Eine erste finanzielle Unterstützung in Höhe von 270 Euro gibt es von den Sparkassen-Geschäftsstellen aus Gadebusch und Lützow. Deren Kunden spendeten das Geld bei einer Kalenderaktion.

Das Nein des Landratsamtes zu dem festen Glockenturm ärgert Kneeses Bürgermeister Hans-Jürgen Hoffmann noch heute. Denn seine Kommune hatte einen Glockenturm damals ausdrücklich befürwortet. „Als das Vorhaben damals abgelehnt wurde, konnten wir in der Gemeindevertretung nur noch mit dem Kopf schütteln. Die Behörde hatte eine Zersiedlung des Ortes wegen der Glocke befürchtet. Dass die Baumkirche aber längst da ist und wir dort auch hingehen, hatte man wohl nicht begriffen“, so Bürgermeister Hoffmann.

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