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Abwasserentsorgung : Kleingarten-Vereine in Gefahr

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Vereinsmitglieder schrecken vor hohen Kosten bei der Sanierung von Kleinkläranlagen zurück

svz.de von
erstellt am 21.Jan.2014 | 00:00 Uhr

Immer mehr Kleingärtner geben auf. Ein Grund dafür ist die teure Modernisierung von Kleinkläranlagen. Darum kommen Hobbygärtner seit gut einem Jahr aufgrund einer Allgemeinverfügung des Landkreises Nordwestmecklenburg nicht herum. Giesbert Schneider macht aus seiner Abneigung gegen die Verfügung keinen Hehl. Der Vorsitzende der Kleingartensparte „Schillerstraße“ aus Gadebusch betont: „Ich bin total gegen dieses Ding. Wir machen hier doch keinen Schaden.“ Bislang ließen einige Kleingärtner das Abwasser ihrer Waschbecken und Toiletten im Boden versickern. Dies ist jetzt nicht mehr erlaubt und durch den Einbau wasserundurchlässiger Auffangbehälter können schnell Kosten von 500 Euro und mehr entstehen.

Auch nach einem Jahr ist die Umstellung noch nicht abgeschlossen. „Einige müssen noch umrüsten. Denen wurde im vergangenen Jahr das Wasser abgedreht und wenn sie sich nicht bald umstellen, wird es auch dieses Jahr wieder geschehen“, so Giesbert Schneider. Problematisch ist für viele vor allem die Finanzierung. Giesbert Schneider: „Wir haben 70 bis 80 Prozent Rentner. Wer soll von denen die Umstellung bezahlen?“ Da so gut wie alle Kleingärten einen Wasseranschluss haben, betrifft die Verfügung fast jedes Mitglied. „Zwei Kleingärtner haben bereits gekündigt“, sagt Giesbert Schneider. Nur weil viele Mitglieder in der Nähe der Anlage wohnen und schnell nach Hause gehen können, ist die Situation noch erträglich.

Dramatischer sieht es bei der Gartensparte „Am Wasserwerk“ aus. Hier wohnen die Kleingärtner weiter entfernt und verbringen meist längere Zeit in ihren Gärten. Der Verzicht auf einen Wasseranschluss oder eine Toilette fällt schwer. Der Vorsitzende Arthur Rehbein klagt: „Gleich nach einer Aufklärungsveranstaltung im letzten Jahr bekamen wir die ersten Kündigungen.“ Acht Gärten liegen bereits brach. Vor allem viele ältere Mitglieder hätten Angst vor hohen Kosten und gäben ihre Gärten ab. „Außerdem ist es kein Vergleich zu den Bauern. Jedes Jahr sind die Äcker schwarz vor Gülle, die dann letztlich in die Radegast abläuft. Was macht im Vergleich dazu das bisschen Abwasser der Kleingärtner“, fragt sich Arthur Rehbein.

Darüber hinaus bereitet noch etwas anderes Arthur Rehbein Kopfzerbrechen: „Wer nimmt die eingesetzten Auffangbehälter eigentlich ab? Ich habe nämlich keine Lust, meinen Kopf dafür hinzuhalten. Nachher ist bei der Abnahme alles in Ordnung und danach wird der Behälter angestochen, damit das Abwasser wieder im Boden versickern kann. Vom Umweltamt des Landkreises kriegen wir dazu keine Informationen. “

Gegenüber der SVZ nahm der Landkreis Stellung zu dieser Frage: „Die Zuständigkeit liegt beim Ordnungspflichtigen. Nachweise sind der Unteren Wasserbehörde auf Verlangen vorzulegen.“ Im Falle von Zuwiderhandlungen wird mit Geldbußen von bis zu 50 000 Euro gedroht.

Arthur Rehbein ist jedenfalls besorgt um die Zukunft seines Vereins: „Ich weiß nicht, was diese Verfügung soll. Vielleicht will man uns Kleingärtner von hier weg haben.“


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