Lohnunterschiede : Kleiner Unterschied recht groß

In Mecklenburg-Vorpommern verdienen Frauen im Schnitt 18,5 Prozent weniger als Männer.
In Mecklenburg-Vorpommern verdienen Frauen im Schnitt 18,5 Prozent weniger als Männer.

Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Beruf nicht erreicht. Die Gehaltsstrukturen sind oft historisch gewachsen

svz.de von
22. April 2015, 00:00 Uhr

Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern: Ist das immer noch ein Thema? Ja. Zumindest im Berufsleben. Nach aktuellen Berechnungen des Statistischen Bundesamts verdienen Frauen immer noch deutlich weniger als Männer. Im Jahr 2014 waren es in Mecklenburg-Vorpommern 18,5 Prozent.

Männer als Arbeitnehmer verdienen in hier im Land im Schnitt brutto 30  314 Euro im Jahr. Frauen hingegen nur 24  700 Euro. Das sind immerhin 5614 Euro Unterschied. In leitender Stellung mit Aufsichts- und Dispositionsbefugnis ist der Lohnunterschied noch gravierender: Männer verdienen hier Brutto im Jahr im Schnitt 64  593 Euro, Frauen hingegen nur 50  840 Euro.

„Ja es gibt die Lohnungerechtigkeit“, sagt auch Simone Jürß, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Nordwestmecklenburg. „Ein Bar-auf-die-Hand-Vergleich kann aber nicht gezogen werden.“ Vielmehr seien die Lohnunterschiede auf verschiedene Umstände zurückzuführen: Zum einen entscheiden sich Mädchen oft für klassische Frauenberufe, die traditionell schlechter bezahlt sind. So verdient zum Beispiel eine Friseurin im Schnitt 1351 Euro brutto pro Monat. Während ein Kraftfahrzeug-Mechaniker auf 2450 Euro kommt. „Hinzu kommt, dass Frauen seltener Führungspositionen bekleiden“, erklärt Jürß. „Mit dem Beruf, den ich erlerne, lege ich auch die beruflichen Perspektiven fest.“ Und im Dienstleistungssektor gebe es nicht so viele Aufstiegsmöglichkeiten wie in anderen Branchen.

Zudem arbeiten Frauen öfter in Teilzeit, machen mehr Mini-Jobs und sind weniger lang in ihren Berufen beschäftigt. In Mecklenburg-Vorpommern haben im vergangenen Jahr 87,4 Prozent Frauen im produzierenden Gewerbe in Teilzeit gearbeitet. Im Dienstleistungsbereich sind es 86,1 Prozent gewesen. Dass sich Frauen öfter für das Teilzeitmodell entscheiden, habe viel mit dem sozialen Gefüge zu tun, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte. „Dafür verantwortlich sind unter anderem längere Auszeiten nach der Geburt oder die Pflege kranker Angehöriger, die immer noch hauptsächlich Frauen übernehmen. Außerdem bleiben Frauen eher in der Nähe des Wohnortes als Männer, die oft auch eineinhalb Stunden Pendeln in Kauf nehmen.“ Damit beschränke sich ihr Jobangebot im Vergleich zu landesweiten oder bundesweiten Angeboten.

„Es ist historisch gewachsen, dass die typischen Frauenberufe oft schlechter bezahlt werden“, sagt Antje Lange, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Nordwestmecklenburg-Wismar. „Wenn Männer und Frauen aber auf einer Baustelle oder in einer Werkstatt zusammenarbeiten, gibt es keinen Entgeldunterschied.“ Auch in Berufen, bei denen ein Tarifvertrag gelte, würden keine Unterschiede gemacht.

Und es bleibt die Hoffnung auf eine schrittweise Angleichung der Löhne: „Die klassische Aufteilung zwischen Männer- und Frauenberufen vermischt sich immer mehr“, sagt Antje Lange. „Wir möchten Mädchen Mut machen, sich von den beruflichen Klischees zu lösen und einmal in andere Berufe hineinzuschnuppern. Es gibt für Mädchen sehr gute Perspektiven in Handwerksberufen.“ Zudem ist mittlerweile jede fünfte Frau in Deutschland eine Familien-Ernährerin, das heißt, sie verdient den Löwenanteil, mindestens 60 Prozent der Gesamteinnahmen für die Familienkasse.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen