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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

23. September 2017 | 18:23 Uhr

Kleine Zuschauer lieben die PS-Riesen

vom

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erstellt am 24.Jun.2013 | 10:00 Uhr

„Molli“ knattert, spuckt schwarzen Rauch in die Luft und quält sich Zentimeter für Zentimeter über den klumpigen Boden vorwärts. 80 Meter lang ist die Strecke, doch der RS 09-Traktor wird bei 21,98 Meter stehen bleiben. Zu schwer sind die Gewichte des Bremswagens, zu leicht ist der Geräteträger, den Jörg Hinz aus Groß Rünz zum Auftakt der Trecker-Treck-Veranstaltung in der Klasse bis 1,6 Tonnen in Rosenow übers ramponierte Stoppelfeld steuert. „Molli“, so nennen die Fahrer liebevoll ihren RS 09, der einer der meist gebautesten Traktoren der DDR und des Ostblocks insgesamt war. Jetzt dienen „Mollis“ auch für den Agrar-Sport, der sich in Rosenow immer größerer Beliebtheit erfreut.

Rund 100 Traktoren, über 150 Anmeldungen – „so viele Teilnehmer hatten wir noch nie. Das ist absoluter Rekord“, freut sich Heidrun Mehs. „Traktor Pulling Team Rosenow“ steht auf ihrem schwarzen Shirt geschrieben. Heidrun Mehs gehört zu diesem Team, das zum fünften Mal den Wettbewerb mit Dorffestcharakter in Rosenow austrägt. „Von Jahr zu Jahr sind es mehr Anmeldungen geworden“, weiß die Frau von der Organisationscrew, die an diesem Sonntag 25 Mitglieder und Helfer auf die Beine gestellt hat, um ein Mammutprogramm zu stemmen.

Gerade als sich die Starter zur Fahrerbesprechung am Kontrolltisch eingefunden haben, fängt es an zu regnen. Im vergangenen Jahr musste die Veranstaltung aufgrund des heftigen Regens am Nachmittag abgebrochen werden. Zwar zeigt sich das Wetter auch diesmal erfinderisch, doch aus den grauen Wolken fallen nur wenige Tropfen. „Und das ist gar nicht schlecht, denn so ist die Strecke nicht so staubig und die Räder der Traktoren greifen besser“, weiß Matthias Schultze, bevor er weiter in den Starterlisten blättert.

Nur zum Vergnügen ist Max mit seinen Eltern aus Gadebusch nach Rosenow gekommen. Fast zwei Jahre alt ist der Junge, der hinter der Pisten-Absperrung mit großen Augen zuschaut, wie die Traktoren den Kampf mit den Bremswagen aufnehmen. „Max liebt Trecker“, sagt Vater Ralf, der seinem Sohnemann extra Ohrenschützer aufgesetzt hat, um sie vor dem dröhnenden Lärm der Traktor-Motoren zu schützen. Einer dieser Krachmacher ist das 18 Tonnen schwere PS-Monstrum des Teams „Schmal“ aus dem Herzogtum Lauenburg. Nico Godehus arbeitet für den Betrieb, macht eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker und ist zum ersten Mal beim Trecker-Treck in Rosenow mit dabei. Noch muss der 19-Jährige mit seinen Teamkollegen etwas warten, bis er an der Reihe ist, bis sich die Reifen des über 200 PS-starken Fahrzeugs drehen werden. Allein ein Reifen ist 80 Zentimeter breit und 365 Kilo schwer. Was macht denn den Reiz eines Trecker-Trecks aus? „Wir sind ehrgeizig und wollen gewinnen“, sagt Nico Godehus.

Mittlerweile stehen schon die ersten Sieger fest, denn einige Wettbewerbe in der Standardklasse sind schon zu Ende gegangen. Immer mehr Zuschauer strömen auf das Gelände, das mit seinen zahlreichen Buden, Imbissständen und einem Karussell einem Jahrmarkt gleicht. Rund 2500 Zuschauer werden es im Laufe des Tages sein, die sich das Feld- und Wiesenspektakel ansehen. Das reiche wohl aus, so Heidrun Mehs, um die Kosten zu decken.

Während noch einige Trecker-Liebhaber an den Fahrzeugen Marke Eigenbau basteln, nehmen die Kasimir K 700-Ungetüme ihre Startpositionen ein. Gleich 15 dieser gelben Riesen sind vornehmlich schon am Sonnabend nach Rosenow gezogen werden, um jetzt zu zeigen, was die Allradgefährte wegziehen können. Die Fahrer geben Gas, machen Meter und die Maschinen lassen sich nur widerwillig vom Bremswagen stoppen, deren Gewichte mittlerweile vom Heck immer weiter nach vorne verlagert werden. So wird es auch für die Traktoren in der Königsklasse immer schwerer, voran zu kommen. Die letzten Zentimeter schüttelt sich die Zugmaschine von links nach rechts und rechts nach links. Einige von ihnen schaffen die 80-Meter-Marke. „Full Pull“ heißt das dann im Fachjargon. Gibt es mehrere „Full Pulls“, dann geht es ins Stechen – und die Sieger bekommen zur Belohnung Pokale.

Ein Gefährt mit nur zwei PS steht etwas abseits der Strecke. Unbeeindruckt von Lärm und Dieselgeruch warten zwei Pferde nebst Kutscher auf Fahrgäste. Sie sind eingespannt, um mit Besuchern der Veranstaltung eine gemütliche Runde zu drehen. Und bei aller Liebe zu den PS-Riesen – für so etwas kann sich der Nachwuchs auch begeistern.

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