Kulturtage Dechow : Klaviervariationen voller Humor

Armin Fischer – Klavier-Kabarettist mit vollem Körpereinsatz. Fotos: Bernd Möschl
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Armin Fischer – Klavier-Kabarettist mit vollem Körpereinsatz. Fotos: Bernd Möschl

Klassischer Konzertpianist rockte Dechows Dorfbühne zum Auftakt der Dechower Kulturtage als „verkan(n)tetes Genie“

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20. März 2016, 20:59 Uhr

Einen passenderen Auftakt zur mittlerweile zwölften Spielzeit hätten sich die „Kulturtage Dechow“ und deren ausschließlich ehrenamtlichen Macher kaum wünschen können. Denn auch an diesem Abend platzte der Saal des Dorfgemeinschaftshauses buchstäblich aus allen Nähten. Wissend um die hier auf dem „platten Lande“ ungeahnten Qualitäten war das erwartungsvolle Publikum selbst aus entlegenen Winkeln herbeigeströmt – diesmal zur musikalisch humorigen Einmann-Show „Das verkan(n)tete Genie“.

Diesen etwas holprigen Titel hatte sich der Rheinländer Armin Fischer augenzwinkernd zugelegt, nach dem er als klassischer Konzertpianist sein ureigenes, kreatives Humor-Talent anhand bislang so kaum gesehener Potentiale namhafter Tonkünstler aus aller Welt auszuleben begann. „Diesen Mann müssen wir unbedingt mal nach Dechow holen“, seien sich Irmgard v. Puttkamer und ihr Ehemann sowie „schärfster Kritiker“ ausnahmsweise sofort einig gewesen, als sie Armin Fischer zum allerersten Mal erlebt hatten, bekannte die rührige Kulturtage-Initiatorin. Das sei übrigens in einem ganz kleinen, plüschig rot gehaltenen Theater ganz weit im Südwesten gewesen und zwar schon irgendwann gegen Ende der 1990er Jahre.

Dass es mit seinem Dechower Gastspiel nun endlich klappte, schien nicht nur die Gastgeberin, sondern ebenso den Künstler zu beglücken, welcher sich in der einzigartigen Dechower Atmosphäre sichtlich wohl fühlte. Zumal das offenbar ziemlich kundige und aufgeschlossene Publikum quasi schon bei seiner ersten Nummer lachend „unter den Stühlen lag“.

So überzeugte der Klaviervirtuose selbst ausgewiesene Liebhaber und Kenner klassischer Musik mit seinen minimalistischen Versionen berühmter Stücke, dass durchaus auch in der Beschränkung auf’s Wesentliche Meisterschaft läge. Andererseits demonstrierte Armin Fischer ebenso glaubhaft, wie anscheinend simpel berühmte Medienstars zu ihren Chart-Erfolgen gelangten, u.a. am Beispiel der „Ballade pour Adeline“: Zwei Finger einer Hand in bestimmtem Winkel einrasten und dann immer wieder senkrecht auf die Tasten fallen lassen.

Allerdings habe das mit dem richtigen „Tastentreffen“ auch so seine Tücken, zumal sich die Pianokeyboards je nach Hersteller schon unterscheiden würden, meinte der Pianist und examinierte den Dechower Bechstein-Flügel in Bezug auf sein heimisches Steinway & Sons-Instrument: „Da wusste ich immer genau wo das mittlere C lag …“ Praktischerweise fand sich besagte Taste beim Bechstein direkt unter dem „c“ des Namenszugs.

Welche Auswirkungen allerdings nur eine einzige Taste „Verschiebung“ auf Klavierstücke haben kann, spielte Armin Fischer natürlich auch gleich vor, indem „Alle meine Entchen“ plötzlich verblüffend wie das Leitmotiv von Smetanas „Moldau“ klang.

Doch nicht nur Kinderlieder und Klassik wusste der geniale Pianist auf ganz eigene Art zu interpretieren und damit dem Publikum auf nie gekannte Weise nahe zu bringen. Auch Jazz, Swing, Pop und sogar Oper brachte Armin Fischer mit zunehmend entfesselter Spielfreude ganz allein auf die Dechower Dorfbühne, die nicht nur von hingerissenem Lachen und Applaus der Publikumsbegeisterung sondern vor allem durch das immer wieder von neuem überraschende Multitasking des Künstlers erbebte.

Egal, ob er Evergreens wie Gershwins „Rhapsodie in Blue“ oder den „Liebestraum“ von Franz Liszt genüsslich ausspielte oder nur kurze aber prägnante Passagen in seine Sketche und Potpourris verflocht – Armin Fischer verstand es mit Augenzwinkern, treffenden Pointen und beredter Körpersprache, Stimm- und Tastenakrobatik sowie unbändiger Spiellust sich und seinem dankbaren Publikum an diesem unvergesslichen Abend derart Spaß zu machen, so dass niemand traurig war, dass er den gewohnten Zeitrahmen überzog. Im Gegenteil: Alle hatten noch Appetit auf mehr.

Zunächst aber bieten die „Kulturtage Dechow“ ausnahmsweise ab 18 Uhr am Sonntag, dem 10. April, real-satirisches Theater „Über Mütter“, aber nicht nur über sie. Wer rasch handelt, hat diesmal sogar noch Chancen auf Restkarten.

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