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Mit der "Fridtjof Nansen" auf hoher See unterwegs : Klassenzimmer unter Segeln

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Winken begleitet das Auslaufen des stattlichen Dreimasters. Doch schon bald ist die "Fridtjof Nansen" den Blicken entschwunden. Die gesamte Saison über prägte der Windjammer die Kulisse des Wismarer Alten Hafens mit.

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erstellt am 15.Okt.2012 | 12:03 Uhr

Wismar | Winken und letzte Fotos begleiten das Auslaufen des stattlichen Dreimasters. Doch schon bald ist die "Fridtjof Nansen" den Blicken entschwunden. Die gesamte Saison über prägte der 52 m lange Windjammer mit seinen bis zu 32 m hohen Masten immer wieder die Kulisse des Wismarer Alten Hafens mit. Und dies nicht nur zur Freude der Windjammerliebhaber aus nah und fern. Zahlreiche Crew- und Gästewechsel erfolgten in der Hansestadt. "Wir haben uns hier stets wohl gefühlt und kommen ebenso gerne wieder", so Kapitän Oliver Freckmann kurz vor dem Ablegen.

Aus seiner Sicht war es eine sehr schöne und gut gebuchte Saison zu dem auch das angenehme Flair von Wismar als Hauptanlaufhafen sorgte. "Ich müsste jetzt nachschauen, aber bis zu 25 Ausläufe dürften es hier in diesem Jahr wohl gewesen sein", so Freckmann.

Nach wie vor nutzen junge Leute, darunter häufig Mitsegler von Waldorf-Schulen, den klassischen Dreimaster "als segelndes Klassenzimmer". "Allerdings nicht nur", relativierte der Kapitän. Auch andere Schüler und Jugendliche, interessierte Mitsegler aller Altersgruppen und ganze Gruppen von Firmen lassen sich gern im Gefühl klassischer Seefahrerromantik den Wind um die Nase wehen.

Vielleicht sind manche Mitseglerenthusiasten noch immer inspiriert durch die sechsteilige TV- Serie "Windstärke 8". Das ist zwar schon einige Jahre her. Doch noch immer unvergessen scheint die Rolle, die der Toppsegelschoner als Auswandererschiff "Bremen" in der Serie spielte. Fast 70 Tage lang bildete das Schiff die lebendige Kulisse für 19 freiwillige Mitreisende und einer ebenso starken Crew nebst Filmteam. Nachempfunden wurde die strapaziöse Überfahrt von Bremerhaven nach New York unter den entbehrungsreichen Bedingungen der Zeit um 1855.

Solche Härten werden den überwiegend mitsegelnden Schülern und Jugendlichen an Bord zwar nicht auferlegt. Doch am Konzept dieser besonderen Reisen als "Schule des Charakters" hat sich seit Jahr und Tag nichts geändert. "Wer zu uns an Bord kommt, muss im wahrsten Sinne des Wortes alle Höhen erklimmen, erlebt ebenso nicht nur Romantik, sondern auch alle Tiefen der Seefahrt", weiß Skipper Oliver aus Erfahrung. Immerhin fuhr der 51-jährige Fahrensmann zuvor acht Jahre als Steuermann auf dem Windjammer. Vor etwa fünf Jahren übernahm er vom seefahrenden Urgestein Hanns Temme die Kapitänsmütze. Doch der inzwischen über 70-Jährige Hamburger navigiert auch jetzt noch gelegentlich das Schiff, welches er 1981 als Frachter erwarb.

Der Bordaufenthalt verläuft nach festen Regeln im Tagesablauf und ist absolut nicht mit einer ausschweifenden Lustfahrt unter Segeln zu vergleichen. Neben Seemannschaft über Knotentechnik, Segelsetzen bis Navigationslehre, gehören auch Kombüsendienst und Rein-Schiff-Arbeiten zum Arbeitspensum. Zudem ist nicht nur mit schönem Wetter zu rechnen. In solchen Momenten kann schon mal mehr als nur Frust bei den Seefahrereleven aufkommen. Gerade dann ist Teamgeist besonders gefordert. Wer dann unter solch extremen Bedingungen den Borddienst meistert, wird sich auch im weiteren Leben besser behaupten können. Lernager in Abwandlung von Manager heißt der häufig gebrauchte, erlebnispädagogische Begriff. Anstelle des schulischen Kopflernens tritt jetzt das so genannte Erfahrungslernen.

Das Programm läuft auch im kommenden Jahr weiter, denn ausreichend Anmeldungen gibt es bereits. "Natürlich gibt es auch für die nächste Segelsaison bereits wieder Anmeldungen. Wir sehen uns also zur kommenden Saison in Wismar wieder", betonte beim Abschied noch einmal der Nansen-Kapitän.

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