Protest geht weiter : Klares Nein zum Windpark

Mehr als 100 Bürger kamen spontan nach Wakenstädt. Sie fordern ein Umdenken bei der Energiewende.   Fotos: volker Bohlmann
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Mehr als 100 Bürger kamen spontan nach Wakenstädt. Sie fordern ein Umdenken bei der Energiewende. Fotos: volker Bohlmann

Interessengemeinschaft formiert sich. Hauptausschuss berät heute 19 Uhr über Windkraftprojekt

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24. November 2014, 00:05 Uhr

Rund um Gadebusch regt sich Widerstand: 100 Bürger kämpfen gegen neun geplante Windkrafträder bei Gadebusch. In Zukunft könnten es weitaus mehr werden. Das trifft nicht allein auf die Menschen zu, die rund um die Stadt – zwischen Pokrent/Neuendorf und Möllin – sich seit Sonnabend in einer Bürgerinitiative gegen einen weiteren und möglichen Windpark vor den Toren der Stadt Gadebusch formieren. Auf der Achse Groß Welzin-Gadebusch-Rehna und Wedendorfersee mühen sich nach SVZ-Recherchen weiterhin Investoren bei der Flächensicherung für neue Windparks. Gegen einen derart engmaschigen Flächenverbrauch macht die Interessengemeinschaft „Gemeinsam gegen den Wind“ mobil.

Dabei zählen für Nadine Hintze und Silke Hansen die Bürgerstimmen: „Es ist wichtig, tragt euch in die Unterschriftenlisten ein.“ Die beiden Frauen übernahmen mit der Gründung der Bürgerinitiative am 14. November den Vorsitz. Ihrem Aufruf zum Protest folgten bei der ersten Veranstaltung am Sonnabend mehr als 100 Bürger der Region in eine Werkstatthalle nach Wakenstädt.

Heute erwarten sie von ihren Stadtvertretern eine klare Aussage zum Projekt Windpark, der auf den Flächen der Gadebuscher Agrar Aktiengesellschaft mit Privatkapital und Finanzen der Stadt Gadebusch sowie regionaler Energieversorger entstehen könnte (wir berichteten). Folglich wird die heutige Hauptausschusssitzung im Rathaus von Gadebusch (19 Uhr) mit Spannung erwartet. Ebenso die am 8. Dezember folgende Stadtvertretersitzung. Für den Wakenstädter Holger Hempel und der Interessengemeinschaft gibt es nur einen Weg: „Ab zum Rathaus. Dort wird entschieden ob Gadebusch den Windpark will oder nicht.“

Klare Worte mit denen Hempel und der Vorstand Entschlossenheit zeigen und keinerlei Zweifel aufkommen lassen wollen. „Wir müssen der Politik zeigen, dass wir dagegen sind und erwarten von der Stadtvertretung Gadebusch ein klares Nein“, sagt Hintze.

Eine Botschaft, die Günter Blankenberg als zumindest sichtbar einzig anwesender Stadtvertreter mit in die bevorstehende Sitzung nehmen kann.

Des Weiteren verfügt die Interessengemeinschaft über ein Informationsnetz im Internet, Plattformen bei Facebook und E-Mail-Verteiler. „Wir haben all das innerhalb von fünf Tagen aufgebaut“, sagt Hintze. In den kommenden Tagen flattern 3500 Flyer in die Briefkästen Gadebuscher Haushalte. Bereits versendet sind Schreiben an den Kreistag, das Energieministerium, dem Regionalen Planungsverband des von der Unesco anerkannten Biosphärenreservates Schaalsee.

Nadine Hintze und Silke Hansen geht es dabei nicht allein ums dagegen sein, vielmehr um klare Vorstellungen wie die Energiewende und ein Leben in intakter Natur noch möglich sind. Kernthema ist nach Wakenstädter Sicht eine Änderung der Ausbaupläne für Windkraft in MV. Nadine Hintze: „Die überplante Fläche ist bislang keine Windeignungsfläche, aber am 17. Dezember entscheidet der Landtag über neue Gesetzte, die solche Planungen ermöglichen.“

In einem Sechs-Punkte-Papier benennt die Interessengemeinschaft die Versagungsgründe. Sie reichen von der kulturhistorisch wertvollen Fläche der Schwedenschlacht 1712 bei Wakenstädt, dem Quellgebiet Radegast als europäisches FFH-Schutzgebiet, mit Millionen von Euros touristisch entwickelten Naturraum Gadebusch/Schaalseegebiet bis hin zur schnelleren Abwanderung von jungen Menschen und einer überdimensionierten Versorgung mit Erneuerbaren Energien. Hintze: „Mecklenburg-Vorpommern hat rechnerisch die Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien erreicht. Mit den 13 Windanlagen bei Pokrent, zahlreichen Biogasanlagen wird mehr Strom produziert als vor Ort benötigt wird. Hier gibt es ausreichend Energieflächen, wir sind überplanmäßig voll.“


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