Rentnerin aus rehna : Kinderspiel lehrte fürs Leben

Die Rehnaerin Anke Zeiß hat alte Schätze ihrer Kindheit hervorgekramt.
Die Rehnaerin Anke Zeiß hat alte Schätze ihrer Kindheit hervorgekramt.

Für die SVZ-Leseraktion „Alte Spielzeuge“ präsentiert die Rehnaerin Anke Zeiß Spielzeug von vor 75 Jahren

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20. Februar 2018, 04:45 Uhr

Zärtlich streichen die hellen Hände von Anke Zeiß über bunt bemalte Spielkarten. Darauf zu sehen: Dackel, Hasen, Enten – und eine schwarze Katze. „Das ist das Spiel ,Schwarzer Peter‘, das ich von meinen Eltern geschenkt bekam. Da war ich fünf Jahre alt“, erzählt die Rehnaerin. Heute ist sie 80 Jahre alt. Die Spielkarten liebt sie noch immer.

Für die Leseraktion der ältesten Spielzeuge hat Anke Zeiß mehrere Schätze aus ihrer Kindheit hervorgesucht. Sie präsentiert sie auf ihrem Tisch, jeden mit seiner eigenen Geschichte. Die Spielkarten vom Schwarzen Peter erinnern sie an eine ganz besondere Lehre: „Bei dem Spiel zieht man immer ein Tierpaar, wenn ich aber den schwarzen Peter gezogen habe, dann war ich immer erbost“, erinnert sich die Rentnerin. Doch aus dem Ärger wurde eine unvergessene Lektion für das eigene Leben. „Meine Mutter hat mir dann einmal gesagt, dass ich nicht traurig sein muss. Denn das Spiel ist wie das Leben, man kann nicht immer gewinnen.“

Auch mit ihren Kinderbüchern verbindet die ehemalige Fotografin Lehren fürs Leben. „Als unsere Schule 1945 den Flüchtlingen als Unterkunft diente, habe ich einen Privatlehrer gehabt. Der hat mir mit dem Buch ,100 Fabeln für Kinder‘ das Lesen beigebracht“, sagt Anke Zeiß. Eine ganze Woche lang musste sie nur die allererste Seite des Buches wiederholen, sollte sie sogar auswendig lernen. „Da habe ich gestreikt und der Lehrer ist gegangen.“ Im Nachhinein jedoch ist sie für die Strenge ihres Lehrers sehr dankbar. „Wenn ich jetzt zum Beispiel in der Kirche bei der Vorbereitung zum Gottesdienst vorlese, dann können mich die Leute immer gut verstehen. Das habe ich diesem Lehrer zu verdanken“, berichtet die rüstige Rehnaerin.

Nach den Lektionen packte das Lesefieber Anke Zeiß aber doch. „In meiner Schulzeit habe ich schon drei, vier Kinderbücher die Woche gelesen. Die Hausaufgaben kamen immer erst danach“, erinnert sie sich. Dabei lernte sie auch die alte hochdeutsche Schrift Sütterlin kennen. „Meine Tante war der Überzeugung, dass ich die brauche, um alte Urkunden lesen zu können.“ Die Kinderbücher – zum Beispiel „Die Vogelhochzeit“, das sie zur Belohung für einen tapferen Zahnarztbesuch bekam – halfen der Rehnaerin dabei.

Daneben zeigt Anke Zeiß ein altes Schachspiel, dass schon ihrem Vater gehört hatte. Er hatte seiner Tochter das königliche Spiel auch beigebracht. „Schach habe ich dann immer gerne gespielt“, verrät die 80-Jährige. Generell könne sie sich nicht darüber beschweren; ihre Eltern fanden immer Zeit für Spiele wie Mikado oder „Mensch ärgere dich nicht“. Für ein Lieblingsspielzeug aus ihrer Kindheit könne sie sich aber nicht entscheiden, sagt die ehemalige Fotografin. Alle hätten einen sentimentalen Wert.

Auch heute noch „spielt“ die Rehnaerin gerne. Allerdings eher gedanklich. „Ich bin von Kreuzworträtseln begeistert. Das ist ja eine richtige Sucht“, berichtet Anke Zeiß. Die werden dann auch bis in den Mittag hinein gelöst.

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