Pokrent : Kieswerk wird zur Teichlandschaft

Wir müssen der Natur etwas zurückgeben, meint Richard Lienshöft und demonstriert, dass dies in Form einer neuen Teichlandschaft möglich ist. Insgesamt 18 Hektar umfassen die Wasserflächen zwischen Funkenkuhle und Kiesabbaugebiet.  Fotos: Volker Bohlmann
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Wir müssen der Natur etwas zurückgeben, meint Richard Lienshöft und demonstriert, dass dies in Form einer neuen Teichlandschaft möglich ist. Insgesamt 18 Hektar umfassen die Wasserflächen zwischen Funkenkuhle und Kiesabbaugebiet. Fotos: Volker Bohlmann

Pokrenter Kiesgewinnungsgesellschaft wird 25 / Unternehmenschef Richard Lienshöft steht zu Renaturierungsplänen

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15. Mai 2017, 05:00 Uhr

„Alles wird gut, wenn nicht, dann war es noch nicht alles“ - Helga Gottschalk findet in ihrer Laudatio zum 25. Bestehen der Kies-Gewinnungsgesellschaft Lienshöft Pokrent mbH passende Worte für ihren Chef Richard Lienshöft. Worte, die Ausdruck für seine Beharrlichkeit sind. Der Unternehmer kennt die Höhen und Tiefen im Job. Als jemand, dessen Familie seit 1899 sich im Abbau des Rohstoffes Kies versteht, ist das Abschürfen auch der Anfang für etwas ganz Neues. Am Sonnabend feierte das Pokrenter Unternehmen sein Jubiläum in der Partyscheune Möllin.

Eine Firmengeschichte, für die es sogar 1998 einen Umweltpreis des Landes MV gab. Das ist nicht selbstverständlich. Doch Lienshöft und sein Team sehen neben dem Abbau von Kies die Renaturierung als nicht weniger bedeutsame Aufgabe. Wie das funktionieren kann, zeigt der Chef gerne bei einer Rundfahrt auf dem 150 Hektar großen Abbaugebiet.

Von einer großflächig umbrochenen Landschaft ist auf dem Areal von Lienshöft keine Spur. „Wir halten nur so viel in Anschnitt, wie wir wirklich benötigen“, sagt Lienshöft. Auf 35 Hektar wurde bislang Kies abgebaut, 20 Hektar renaturiert, zehn weitere Hektar befinden sich im Renaturierungsprozess. „Die verbleibenden Flächen ermöglichen für weitere 50 Jahre den Kiesabbau“, schätzt Lienshöft.

28 Mitarbeiter, darunter eine kleine eigene Fahrzeugflotte, sind tagtäglich auf dem Gelände und in der Region Westmecklenburg unterwegs. Kies werde überall gebraucht. Häuslebauer, die Industrie aber vor allem der Straßenbau baut auf dem ganz besonderen Kies aus Pokrent. „Wir lieferten für den Bau der A 20 und nun aktuell zum Ausbau der Radwege an den Bundesstraßen und zur weiteren Erschließung des Hafens in Wismar den Kies“, sagt der Unternehmer. Allein in der Erschließungsphase der A 20 habe man Tonnen von Kies in den Bauabschnitt Wakenitz bis Rostock gefahren. Die Auswahl basiere auf der Qualität des Rohstoffes. Die Lagerstätte Pokrent verfüge über besonderen grobkörnigen Kies zwischen der B 104 und der Ortschaft Pokrent, erzählt Lienshöft. Spezielle Siebmaschinen klassifizieren die Bestandteile, die am Ende feinsten Kies mit 0,2 Millimeter Körnung bis hinauf zu 32 Millimetern liefern. „Gröbere Bestandteile werden gebrochen und gehen als Split vom Hof“, erzählt der 68-Jährige.

Dort, wo einst die Gletscher den Kies hinschoben, bringen die Mitarbeiter des Unternehmens nun Abraum wie Sand und Lehm, zum Auffüllen der Landschaft. Wie das Areal einmal aussehen könnte, skizzierte der Unternehmenschef bereits vor 20 Jahren: „Ein Wald und ein Gewässerverbund schweben mir vor.“ Heute ist es unübersehbar, wie aus den 11 000 kleinen daumenstarken Eichen stattliche Jungbäume wurden, zwei kleine Waldgebiete entstehen. Davor erstreckt sich eine Trockenrasenlandschaft mit Kleingewässern. „Die sind ganz unterschiedlich. Einige werden vom Regenwasser gespeist, andere vom Grundwasser“, verrät Lienshöft.

Auf drei Teichen mit 18 Hektar Fläche erstreckt sich die Gewässerlandschaft. Die Tierwelt hat das Areal längst zurückerobert. Fischotter, Rohrweihen, Sandregenpfeifer, Kreuzottern finden sich neben Uferschwalben, Hasen, Seeadler und nicht wenigen Teichbewohnern im Abbau- und Renaturierungsgebiet. Eine Entwicklung, die für das Unternehmen selbstverständlich erscheint: „Wir haben der Natur etwas genommen, nun geben wir etwas zurück“, sagt Richard Lienshöft. Die vor Jahren diskutierte Variante Badelandschaft Pokrent, hält Lienshöft nach wie vor für nicht abwegig. „Damals fand die Kommunalpolitik keinen gemeinsamen Nenner und sich kein Betreiber, andererseits sind hohe Auflagen zu erfüllen“, sagt er.

Der angedachte Badeteich am südwestlichen Rand hat sich über die Jahre zum Biotop entwickelt. Angler finden sich nicht selten ein. Lienshöft ärgert es allerdings, dass die Petrijünger Bäume fällen, damit sie ihre Ruten auswerfen können. Darüber hinaus bleibt nicht selten der Unrat zurück. „Wir sammeln diesen ein“, so Lienshöft.

Aktuell läuft der Kiesabbau zwischen dem Landweg und der B 104. Mit Abschluss der Arbeiten entsteht dort ein weiteres Gewässer. Ob es eine Badelandschaft wird, das entscheiden am Ende die Menschen vor Ort mit.

Richard Lienshöft setzt hier weiterhin auf gedeihliche Zusammenarbeit mit der Region. Wie bei der Feier zum 25., wo der Erlös aus Geschenken und Karten als Spende an den Kindergarten in Pokrent geht.

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