Kirchgemeinde im Rostocker Stadtteil Biestow : Kelche erhalten alten Glanz zurück

<strong>Mehr als dreieinhalb Jahrhunderte</strong> <fettakgl>Familiengeschichte </fettakgl>verknüpft Mathias Beese mit den Abendmahlskelchen der Biestower Kirche.
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Mehr als dreieinhalb Jahrhunderte Familiengeschichte verknüpft Mathias Beese mit den Abendmahlskelchen der Biestower Kirche.

Die Kirchgemeinde im Rostocker Stadtteil Biestow ließ vor mehr 350 Jahre ihre Abendmahlskelche fertigen. Im Februar sollen die wertvollen Stücke für knapp 14 000 Euro in Erfurt instand gesetzt werden.

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18. Januar 2013, 11:00 Uhr

Rostock | Seit die Biestower Kirchgemeinde ihre Abendmahlskelche fertigen ließ, sind mehr als 350 Jahre vergangen. Im Februar sollen die wertvollen Stücke für fast 14 000 Euro in Erfurt instand gesetzt werden. "Als der Restaurator den Preis nannte, dachte ich eigentlich, ich kann sie gleich wieder wegstellen", sagt Mathias Beese vom Kirchgemeinderat. Dank der Spendenbereitschaft der Gemeindemitglieder, Firmen der Region und der Hilfe der Landeskirche kam das Geld innerhalb von wenigen Monaten zusammen.

Weinfraßlöcher, Korrosion, Verformungen sowie ältere unsachgemäße Reparaturen haben den drei vergoldeten Kelchen aus Silber zugesetzt. "Man sieht sehr gut, dass da schon mal jemand dran war", sagt Beese. Zum Teil seien Löcher einfach gelötet worden. Andere Verformungen seien wiederum durch das jahrhundertelange Putzen und Wienern entstanden. Dabei seien die Schrauben, die Stiele und Füße der Kelche zusammenhalten, immer weiter angezogen worden, sodass die Granatäpfel im Mittelteil heute nur noch wenig von ihrer ursprünglichen Form aufweisen.

Das soll der Restaurator nun ändern. "Pro Kelch sind mindestens drei Wochen Handarbeit nötig", sagt Beese. Die Goldschicht müsse abgezogen und die Kelche anschließend ausgebeult werden. Zu Ostern sollen die Gemeindemitglieder dann wieder den Abendmahlswein aus ihnen empfangen. Für Beese ist das jedes Mal ein ganz besonderes Erlebnis: "Meine Familie ist seit Jahrhunderten hier ansässig - es ist schon komisch, zu wissen, dass die Vorfahren alle mal an den Kelchen genippt haben."

Angeblich, so Beese, habe es sogar noch einen vierten Kelch gegeben. Den habe der König von Schweden einst zum Abschied eines Inkognito-Besuchs gespendet, steht zumindest in den Chroniken. Wo der Kelch seitdem geblieben ist, ist nicht bekannt. Um die anderen Exemplare ranken sich noch weitaus fantastischere Legenden. Eine von ihnen besagt, ein Kuhhirte aus Kritzmow habe einst durch seinen Peitschenknall Zwerge verärgert. Die hätten ihm daraufhin einen Kelch gegeben, aus dem er trinken sollte. Doch der Hirte ritt stattdessen im wilden Galopp nach Biestow. Unterwegs verschüttete er etwas vom Inhalt auf den Rücken seines Pferdes, dem an diesen Stellen die Haare ausgegangen sein sollen. Den Kelch schenkte der Kuhhirte daraufhin dem Pastor von Biestow.

Mit den eingravierten Angaben ist diese Legende nicht vereinbar. Demnach stammen die Kelche aus einer Rostocker Werkstatt und wurden 1650, 1652 sowie 1657 gefertigt. In den alten Kirchenbüchern aus dieser Zeit ist Beese bislang noch nicht auf den Kauf gestoßen. Die im damaligen Dialekt verfasste Schrift macht das fast unmöglich.

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