Biosphären-Reservat Schaalsee : Keine Angst vor Seidenschwänzen

Im Winter gilt der Seidenschwanz als „Invasionsvogel“.
1 von 2
Im Winter gilt der Seidenschwanz als „Invasionsvogel“.

Die Vogelart aus kälteren Gefilden kommt nur selten nach Deutschland – im Mittelalter verbreitete sie irrtümlich Angst vor der Pest.

svz.de von
09. März 2018, 21:00 Uhr

„Sirrrrr!“ – Als ich letzte Woche wieder im Norden des Unesco-Biosphärenreservates Schaalsee zum Monitoring, also der wissenschaftlichen Beobachtung und Datensammlung über Natur und Tierwelt, unterwegs war, hörte ich mal wieder dieses unverkennbare Rufen aus den Baumspitzen. Es hört sich in etwa so an wie ein klingelndes Schlüsselbund und ich hatte da schon so eine Vermutung.

Da ich mein Auto außerdem noch in der Nähe einer Vogelbeere abgestellt hatte und die hartnäckigen Hinterlassenschaften auf der Motorhaube eine entsprechende Farbe aufwiesen, war ich mir schließlich sicher: Die Seidenschwänze waren mal wieder zu Gast.

Von diesen Zugvögeln, sogenannten Teilziehern, macht sich nur ein Teil der Population gen Süden auf – und das auch nicht jeden Winter. Man sieht sie hier nur, wenn die Brutdichte in ihrer Heimat im Sommer zu hoch war und somit die Nahrungsvorkommen knapp werden. Dann machen sie sich aus den Nadel- und Birkenwäldern Sibiriens und Nordskandinaviens auf in wärmere Gefilde und landen mitunter hier bei uns am Schaalsee.

Dieses unregelmäßige Auftauchen der Art hat die Menschen im Mittelalter ziemlich nervös werden lassen. Das sporadische Erscheinen der Vögel wurde von der Bevölkerung für ein böses Vorzeichen gehalten und brachte den Tieren abfällige Namen ein, die mitunter bis heute noch gebräuchlich sind. Im Niederländischen heißen sie „Pestvögel“, da man sie für das Ausbrechen der Seuche mitverantwortlich machte. In der deutschsprachigen Schweiz nennt man sie „Sterbevöggeli“.

Ich glaube, es hat die Menschen damals einfach irritiert, dass wenn die Seidenschwänze kommen, sie oft invasionsartig oder zumindest in großen Gruppen in unseren Gärten zu finden sind. Auch in Stadtrandgebieten, Parklandschaften und auf Friedhöfen trifft man sie, weil dort ein breites, menschengemachtes Nahrungsangebot herrscht. Ebereschen, Hagebutten und Mistelfrüchte gehören zu ihren Leibspeisen.

Die aus der Ferne noch unscheinbaren Wintergäste sind aus der Nähe betrachtet eigentlich unverwechselbar. Gut erkennen kann man die fast starengroßen Vögel an einem schwarzen Kinnfleck, gelb-weißem Flügelfell und ihrem kurzen, an der Spitze gelben Schwanz.

Am besten gefällt mir an ihnen aber ihre teilweise aufstellbare Federhaube, die sie mit Stolz auf dem Kopf tragen.

Mal sehen, ob wir sie auch nächstes Jahr wieder bei uns im UNESCO-Biosphärenreservat als Wintergäste begrüßen dürfen – vor Pest und Cholera brauchen wir, denke ich, bis dahin zumindest keine allzu große Angst haben.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen