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Interview mit Gadebuscher Bauern : „Kein Planer spricht von 22 Windrädern“

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Jörg Haase und seine Sicht als Kreisbauernchef, Unternehmer und Privatperson auf die geplante Errichtung weiterer Windkraftanlagen rund um Gadebusch

svz.de von
erstellt am 11.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Zwei Wochen ist es nun her, dass das Windkraftforum von Gadebusch mit Energieminister Christian Pegel für Diskussionen sorgte. Der Betriebsleiter der Agrar AG Gadebusch, Jörg Haase, war einer der wenigen, der gute Worte für die Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung fand. Der Gadebuscher, der auch Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Nordwestmecklenburg ist, traf sich zum Interview mit SVZ-Redakteur Holger Glaner.

Warum haben Sie sich darüber gewundert, dass Sie in unserem Beitrag „Lob und Wut nach Windkraftforum“ als Windkraftbefürworter bezeichnet wurden?

Jörg Haase: Wann habe ich eine solche Äußerung getätigt? Ich wurde lediglich nach meinem Eindruck über die Veranstaltung befragt. Über das Für und Wider der Windkraft habe ich nicht gesprochen.

Als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes vertrete ich 234 Mitglieder in der Öffentlichkeit. Darunter sind Landwirte, die Windkraftanlagen errichten möchten und auch Landwirte, die dieses ablehnen. Daher verhält sich der Kreisbauernverband in dieser Sache neutral. Er befürwortet die Errichtung von Windkraftanlagen nicht und lehnt diese auch nicht ab. Als Vorsitzender dieses Verbandes habe ich diesen Beschluss zu vertreten und trete in der Öffentlichkeit grundsätzlich so auf.

Das ist Ihre Sichtweise auf die Dinge als Kreisbauernpräsident. Wie ändert sich das in Ihrer Funktion als Vorstand der Agrar Aktiengesellschaft Gadebusch?

Das Unternehmen bewirtschaftet 1450 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche in den Kommunen Gadebusch, Dragun und Pokrent. Das Windplanungsgebiet Gadebusch Süd gehört zum größten Teil auch zu dieser bewirtschafteten Fläche, die ohne weiteres durch den Windkraftanlagenbau nachhaltig geschädigt würde. Trotzdem müssen wir uns, und das schon seit 1995, immer wieder mit diesem Gebiet als Windeignungsgebiet auseinandersetzen.

Wie stellt sich das im Detail dar?

Wir haben insgesamt 18 Angebote von Windkraftanlagenplanern vorliegen. Keines der Vorhaben liegt auf dem ehemaligen Schlachtfeld von 1712 und keiner der Planer spricht von 22 Windkraftanlagen. Die Agrar AG versucht sich aber schützend vor ihre Verpächter zu stellen, da diese genauso von Planern belagert und leider auch von Bürgern beschimpft werden. Deswegen bitte ich als Sprecher der Agrar AG Gadebusch um einen fairen Umgang miteinander.

Schlagschatten, Geräuschbelästigung, ständiges nächtliches Blinken der Windkraftanlagen – können Sie den Unmut von Bürgern verstehen, die sich gegen die Errichtung solch riesiger Windräder vor ihrer Haustür wehren?

Natürlich kann ich das. Ich wohne selbst in der Gemeinde Pokrent, zwei Kilometer südwestlich von meinem Haus befindet sich der Windpark im Territorium der Gemeinde Schildetal. Wenn ich am Abend nach Hause komme und dann vielleicht noch auf der Terrasse gemütlich eine rauchen will, höre auch ich die Anlagen vom genannten Windpark und bin heilfroh, dass ich nicht im Sichtfeld des nächtlichen Blinkens bin. Und ich möchte auch für kein Geld mit einem Anwohner in der Neuendorfer Straße tauschen. Nicht nachvollziehen kann ich hingegen, wenn jemand sagt, „Windkraft ja, aber bitte nicht bei mir“.

Neben dem Kreisbauernpräsidenten und dem Unternehmer gibt es also auch noch die Privatperson Jörg Haase. Wie steht diese zu den geplanten Windkraftanlagen?

Der Bürger Jörg Haase liebt die Demokratie und glaubt an die von ihr eingesetzten Organe. Ich bin ein Befürworter der Atomkraft und hätte mir gewünscht, dass hier wesentlich mehr Geld in die Forschung der Entsorgung der Altlasten und in die Sicherung der Systeme gesteckt wird. Die Demokratie hat sich aber für den Weg der Erneuerbaren Energien entschieden. Nun lassen Sie uns das Beste daraus machen.

Am Beispiel Gadebusch?

Was soll ich den Gadebuschern raten? Ich sehe ein marodes Schloss und eine marode Turnhalle, die ständig durch die Medien gehen. Vorausgesetzt, es käme zur Errichtung von neuen Windkraftanlagen, ließe sich mit dem Geld aus der Anwendung des Bürgerbeteiligungsgesetzes hier bestimmt einiges ausrichten.

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