zur Navigation springen

Ein Spiel aus Wismar : Kartenspiel schließt Wissenslücken

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Kreative aus Wismar und Syrien bringen deutsch-arabisches Integrationsspiel heraus. 750 Exemplare gehen deutschlandweit an Helfer

Schon schön, wie sich manchmal die Kreise schließen. Da liest der Designer Kassem el Laham in der Zeitung vom Wismarer Projekt „Integration à la Carte“, ist begeistert und will mitmachen. Der Flüchtling aus Syrien nimmt mit Ideengeberin Franka Severin von der Wismarer Marketing-Agentur „Lachs von Achtern“ Kontakt auf, will sich einbringen. „Ich komme aus Damaskus und möchte bei euch ein Praktikum machen“, beschreibt Franka Severin schmunzelnd das, was Kassem el Laham gesagt haben würde, wenn er damals schon deutsch gesprochen hätte. Das konnte er (noch) nicht, das Praktikum machte er trotzdem.

Franka Severin suchte ein Projekt für den Designer, das einerseits zeigen würde, was er kann und wo andererseits die Sprachbarriere nicht so sehr ins Gewicht fallen würde.

Das ist sieben Monate her. Mittlerweile spricht Kassem el Laham fast fließend deutsch und versteht alles. Und hat ein Produkt entwickelt, das deutschlandweit Aufmerksamkeit erregt. „Paaraby“ heißt das deutsch-arabische Memoryspiel, 64 Karten setzen deutsche Kultur, Begriffe und Traditionen den arabischen Entsprechungen gegenüber. Zeigen die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten, lassen gemeinsam lachen und staunen. Oder klären eben auf.

Die erste Serie des Spiels reiste über die sozialen Medien um die Welt. „Auf einmal kamen fünf bis zehn Anfragen zum Spiel am Tag bis hin aus dem Allgäu. Es kamen Nachfragen, ob es das auch in anderen Sprachen gibt oder beispielsweise für bestimmte Berufsgruppen wie den Gastrobereich“, erzählt Franka Severin. Die Ehrenamtler wurden überrannt.

Inzwischen hat das Spiel eine professionelle Webseite (www.paaraby.de), derzeit werden die ersten 750 Spiele deutschlandweit ausgeliefert. 25 bleiben in Wismar, das Wismarer Egger-Werk hat sie gesponsert für Petra Held und ihr Frauensprachcafé vom IJGD – einmal die Woche treffen die Frauen aus aller Herren Länder sich zum gemeinsamen Sprechen, Sprache lernen, nähen und für Handarbeiten.

Beim Probespiel ist die erste Stunde schnell um. Franka Severin, Petra Held, Kassem el Laham, Kristin Fibian von der Rostocker Druckerei Adiant und Jürgen Buck vom Egger-Werk als Unterstützer kommen ins Gespräch bei den Kartenpaaren. Was verbirgt sich hinter dem arabischen „Zuckerfest“ und wieso passt es zum deutschen Weihnachten?

„Das Zuckerfest kommt nach dem Fastenmonat Ramadan. Das ist ein großes Fest, die Kinder bekommen viele Süßigkeiten“, erklärt Kassem el Laham. „Also wie unser Ostern?“, fragt Kristin Fibian nach. „Das ist das einzige Fest mit Geschenken für die Kinder, deswegen der Vergleich zu Weihnachten“, weiß Petra Held.

Die Lieblingsspeise der Deutschen ist die Kartoffel, in vielen arabischen Regionen ist das Hummus – ein würziger Kichererbsenbrei. Der muslimische Mathematiker, Optiker und Astronom Ibn al-Haytham als Erfinder der Lupe und damit der Brille steht so neben dem deutschen Erfinder der Buchdruckkunst, Johannes Gutenberg. Amüsant das Kartenpaar zu den unbeliebten Berufen. In Deutschland die Politesse, im arabischen Raum der Gesundheitsinspektor. „Weil der den Laden sofort zu macht, wenn er was findet!“, begründet Kassem el Laham und lacht. Der Lieblingssport der Deutschen? Fußball. „Und in Syrien?“, fragt Jürgen Buck. „Natürlich auch Fußball!“, erzählt Kassem el Laham.

„Das Spiel ist ein Vehikel um den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich auszutauschen“, so Franka Severin. Der Plan geht auf. „Mit so einer Karte in der Hand kann man ein Gespräch beginnen“, schmunzelt Petra Held und freut sich auf die kommenden Freitage in ihrer Frauensprachgruppe.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen