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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

21. November 2017 | 18:49 Uhr

Klocksdorf : Karpfen blau statt weißer Hai

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Der ehemalige Hochseefischer Hendrik Kern hat zwischen Weihnachten und Silvester alle Hände voll zu tun

svz.de von
erstellt am 28.Dez.2015 | 17:10 Uhr

Er umrundete mehrfach Kap Hoorn, war auf allen sieben Meeren unterwegs und ist inzwischen vom Hochsee- zum Binnenfischer geworden: Hendrik Kern. Der 27-Jährige ist einer der jüngsten Fischer in MV und hat derzeit viel zu tun. Denn momentan wollen alle fast nur eines: Karpfen. Schließlich steht Silvester vor der Tür.

Drei bis maximal fünf Jahre sind die Naturkarpfen alt, die Hendrik Kern in den Seen der Region erntete und die zu Silvester als Festschmaus serviert werden. „Die Karpfen sind unter natürlichen Bedingungen in den Seen hier aufgewachsen und nicht gemästet worden“, betont Kern.

Seine Netze warf der Fischer in den vergangenen Jahren schon in ganz anderen Regionen dieser Welt aus. So fuhr der gebürtige Schweriner zehn Jahre lang zur See, fischte in allen sieben Weltmeeren und überstand so manchen Sturm. „Es kamen zum Teil Berge von Wellen auf uns zu. Stahlwände sind durch die Kraft der Wellen so leicht wie ein Blatt Papier deformiert worden“, verdeutlicht Hendrik Kern.

Bei einem dieser Stürme erwischte es den einstigen Hochseefischer. Kern wurde bei schwerem Seegang in der Nordsee verletzt. Das Team eines Rettungshubschraubers holte ihn von Bord, flog ihn in eine norwegische Klinik. Drei Rippen waren gebrochen. „Der Arzt meinte, ich hätte Glück gehabt, dass meine Lunge nicht durchbohrt worden sei“, erinnert sich Kern.

Der Mann aus Mecklenburg steckte dies weg, ging nach seiner Genesung wieder an Bord und überstand auch Gefahrensituationen ganz anderer Art: So wurden beim Einholen der Netze u. a. ein Torpedo sowie Senfgas-Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg mit an Bord gezogen. „Auch kleinere Flugzeuge oder ausgeschlachtete Autowracks fanden wir in den Netzen wieder. Ganz zu schweigen von Haien“, sagt Kern.

Nach zehn Jahren Hochseefischerei zog er einen Schlussstrich: „Es war ein Konflikt für mich zu sehen, wie mit Ressourcen umgegangen wird. Außerdem hatte ich inzwischen eine Familie.“

Statt an Bord eines 190 Meter langen Schiffes zu gehen, klettert er nun in kleine Kähne und bewirtschaftet Seen in Mecklenburg. Auch dies sei ein Knochenjob. „Leute mit Freizeit sind für mich fast so etwas wie Exoten“, fügt Hendrik Kern nachdenklich hinzu.  

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