zur Navigation springen

Windkraft in Gadebusch : Kampf um Schlachtfeld geht weiter

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Windkraft Gadebusch: Massengräber von 1712 bislang kein Ausschlusskriterium für Windkraftplaner und Landespolitik

von
erstellt am 09.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Bei der Planung neuer Windeignungsgebiete und deren Untersuchung wird es in Gadebusch keine besondere Bewertung des Bodendenkmals in Wakenstädt „Schwedenschlacht 1712“ geben. Das geht aus dem Antwortschreiben des Regionalen Planungsverbandes Westmecklenburg an den Landkreis Nordwestmecklenburg hervor.

Das Positionspapier stellte Mathias Diederich als 1. Stellvertreter der Landrätin dem Kreistag am Donnerstagabend vor. Nach Ansicht des Planungsverbandes würden alle relevanten Kriterien in den bislang vorliegen den Bewertungsrichtlinen erfasst. Folglich bedürfe es keiner weiterer Beschränkungen durch Kriterien wie „Bodendenkmal“ und „Stätte des historischen Erinnerns“, heißt es darin. Zumindest im letzteren Punkt wird eine „Einzelabwägung als möglich“ erachtet. Zu Gadebusch heißt es im Schreiben: „Das Bodendenkmal Wakenstädt wird nicht vom vorgeschlagenen Windkrafteignungsgebiet überdeckt. Der Umgebungsschutz ist möglicherweise im Rahmen des nachfolgenden Genehmigungsverfahrens zu berücksichtigen.“ Grundsätzlich würden Bodendenkmale einer geplanten Ausweisung von Windkrafteignungsgebieten nicht entgegen stehen.

Silke Hansen von der Interessengemeinschaft „Gemeinsam gegen den Wind“ macht deutlich: „Die Perspektive ist einseitig. Der Mensch im ländlichen Raum wird hier übergangen. Die Planer sind anscheinend gewillt, Windkraftanlagen auf Friedhöfen errichten zu wollen.“ Zwischen Gadebusch und Wakenstädt befinden sich die Massengräber aus der Schwedenschlacht von 1712. Zirka 3000 Soldaten fanden hier ihre letzte Ruhestätte.

In Gadebusch gab es massive Proteste gegen die Planungen weiterer Windkrafteignungsgebiete im Umkreis der Münzstadt (wir berichteten). Im Ergebnis forderte die Linksfraktion des Kreistages Anfang Mai die Aufnahme des Kriteriums Bodendenkmal. Fraktionschef Björn Griese sieht hier „ein Spannungsfeld zwischen historischer Bedeutung des Schlachtfeldes und des diesbezüglichen Gedenkens und der Nutzung für Windkraftanlagen“.

Ebenso vom Tisch ist die Forderung , die Mindestabstände zwischen den Eignungsgebieten von 2,5 auf 5 Kilometer zu verdoppeln. Damit wollte die CDU einer möglichen Sichtverriegelung entgegen wirken.

Im Schreiben des Regionalen Planungsverbandes heißt es dazu: „Die Änderung des Abstandes von 2,5 auf fünf Kilometer wird es nicht geben.“ Aus Sicht des Gremiums führt ein Fünf-Kilometer-Puffer zum Scheitern fast sämtlicher Windkraftprojekte. Lediglich zwischen 1250 und 3000 Hektar würden verbleiben. Eine Verhinderungsplanung dürfe es nicht geben, heißt es weiter.

Silke Hansen sieht in der Argumentation des Planungsverbandes nur ein Ziel: Platz schaffen für neue Windkrafträder. „Es gibt bis heute keine belastbare Aussage über die Anzahl noch erforderlicher Windkrafträder. Stattdessen wird die Planung offen gehalten, damit die Investoren ihr Geld verdienen.“

Die vom Nordwestkreis formulierten Forderungen nach einer Untersagung von Planungen von Windkraftanlagen außerhalb von Eignungsgebieten in Mecklenburg-Vorpommern, lehnt das Energieministerium ab. Die Übernahme von gesetzlichen Regelungen aus Schleswig-Holstein wird ebenfalls abgelehnt. In MV verweist das Ministerium auf gesicherte Planungen mit „verbindlichen Zielen der Raumordnung zur Steuerung von Windenergieanlagen“. Maximale Belastungswerte seien im Bundes-Immissionsschutzgesetz verankert. Darüber hinaus gebe es die Möglichkeit einer Untersagungsverfügung beim Ausbau von Windenergieanlagen außerhalb der Planungsräumen.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen