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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

18. Oktober 2017 | 16:36 Uhr

Eigeninitiative : Kampf den Tretminen am See

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Kästen für Kotbeutel bauen Klocksdorfer selbst

svz.de von
erstellt am 06.Feb.2015 | 06:59 Uhr

Am Röggeliner See in Klocksdorf könnte es so schön sein: Der kleine Badestrand lockt an warmen Sommertagen viele Urlauber und Tagestouristen in den Ortsteil der Gemeinde Carlow. Ein Steg mit Sprungturm führt am kleinen Sandstrand direkt ins kühle Nass. Eine Umkleidekabine und Toilettenhäuschen lassen die Urlauberherzen höher schlagen. Ein Wanderweg führt über den Strandabschnitt am Ufer des Sees entlang.

Es könnte so schön sein, würden sich dort nicht die Tretminen der bellenden Vierbeiner immer weiter häufen, sagt die Klocksdorferin Brigitte Kühnen. „Die Hundehaufen haben zugenommen, gerade wenn Urlauber und Touristen ihre Hunde mitbringen“, erklärt sie. Doch Möglichkeiten zur Entsorgung mit extra Hundekottüten gibt es in der 145-Seelen-Gemeinde nicht. Bis jetzt.

Brigitte Kühnen und der Verein „Aktiv für Klocksdorf“ haben sich zusammengetan und selbst drei Gassibeutel-Spender für das Dorf organisiert.

Zuerst seien Brigitte Kühnen und ihr Lebensgefährte Ulrich Kampmann im Internet auf der Suche nach passenden Spendeboxen gewesen. „Aber die waren alle aus Edelstahl oder Blech – das passt doch nicht in unser schönes Dorf“, sagt die Rentnerin, die vor zwei Jahren ihren Lebensmittelpunkt von Hamburg nach Nordwestmecklenburg verlegt hat.

Und weil Not erfinderisch macht, haben die Klocksdorfer aus alten Stegbohlen Boxen für die kleinen Hundetütchen in ländlicher Optik herstellen lassen. „Unser Gemeinde-Tischler Andreas Möbus hat aus den alten Bohlen Prachtstücke gezaubert“, lobt Brigitte Kühnen die dörfliche Zusammenarbeit.

Drei verschließ- und nachfüllbare Kotbeutel-Kästen sind so entstanden. „Die platzieren wir jeweils am Strandeingang und -ausgang und ein Spender wird am Parkplatz aufgestellt“, erklärt die Rentnerin. „Doch weil die Flächen dort ja der Gemeinde gehören, habe ich bei der letzten Gemeindevertretersitzung in Carlow nachgefragt, ob wir die Spender auch dort tatsächlich anbringen dürfen – kostenlos und auf eigene Verantwortung.“ Nachdem sie dem Bürgermeister Norbert Baumann ausführlich erklärte, dass sich die 63-Jährige höchstpersönlich um Nachschub der Beutelchen kümmern würde, bekam sie die Genehmigung. „Das ist Bürgerengagement, wie wir es uns wünschen“, lobte Baumann die Bemühungen von Brigitte Kühnen und dem Dorfverein.

Damit die Spenderkisten auch als diese erkannt werden, haben die ehemalige Buchhalterin und ihr Lebensgefährte aus dem Internet noch kleine grüne Schildchen gekauft und sie an die Holzkisten drapiert. Bezahlt haben sie das aus ihrer eigenen Tasche. Auch mit eigenen finanziellen Mitteln möchten sie für die Inhalte der Kisten sorgen. „Die Gassibeutel bekommen wir eigentlich ja vom Amt in Rehna. Die Stadt bietet einen sehr lobenswerten Service für Hundehalter an. Und falls die Tütchen dann mal nicht reichen, habe ich schon einen Vorrat im Internet bestellt“, scherzt die engagierte Hundebesitzerin. Denn in einer sauberen Gemeinde würden sich alle wohler fühlen, wenngleich die kleinen Stinkbomben am Wanderweg und Strand nicht auf den Mist von Hera, dem zwölfjährigen Riesenschnauzer von Brigitte Kühnen, gewachsen sind – im wahrsten Sinne des Wortes. „Ich appelliere an alle Hundebesitzer, dass sie die Hinterlassenschaften ihrer Hunde entfernen sollten, sowie ich es auch mache.“

Mit den drei selbst gebauten Spendeboxen sollte sich nun keine Ausrede mehr finden lassen. Entsorgt werden können die Tüten samt Inhalt übrigens in der Abfalltonne.

Ob sich die Situation der Tretminen in Klocksdorf entschärfen ließe, wird spätestens das alljährliche Strandfest am 4. Juli zeigen. „Viele Überraschungen“ verspricht Brigitte Kühnen – solange die nicht unangenehm an den Schuhen kleben.

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