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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

15. Dezember 2017 | 22:46 Uhr

Filmprojekt : „Kamera ab“ in Jamel

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Mädchentreff aus Gadebusch dreht bei Birgit und Horst Lohmeyer einen Dokumentarfilm über Neonazis

svz.de von
erstellt am 21.Jul.2015 | 23:19 Uhr

Mein Nachbar der Neonazi. Birgit und Horst Lohmeyer können davon ein Lied singen. Im kleinen Jamel, ein Stück abseits der B 105, leben sie und einige ihrer Nachbarn sind bekennende Neonazis. Die Kinder des Mädchentreffs aus Gadebusch wollten nun wissen, wie lebt es sich hier?

Mit Kamera, Mikrofon und Stativ ausgestattet, sind sie gestern nach Jamel gefahren und haben Familie Lohmeyer interviewt. Anfang des Jahres ist Regisseur Karl Lotz an den Mädchentreff herangetreten. Seine Idee: Einen Dokumentarfilm über Neonazis in Nordwestmecklenburg drehen. Im Mai hat Jutta Arendt, Leiterin des Mädchentreffs, einen Aushang gemacht und Interessenten gesucht. Zehn Kinder hatten Lust, sich diesem schwierigen Thema zu widmen.

Für Karl Lotz ist Jamel ein Pilotprojekt, wie er sagt. Lotz, der als Regisseur unter anderem bei „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ gearbeitet hat, gibt immer wieder Anweisungen. Schnittbilder machen, das Mikro richtig halten. „Ich träume jede Nacht vom Drehen“, erzählt er. Lotz kam nach der Wende der Liebe wegen nach Mecklenburg-Vorpommern. Den Mädchentreff kennt er schon lange und so reifte die Idee, gemeinsam ein Filmprojekt auf die Beine zu stellen.

Er möchte die Kinder an Kamera und Mikro heranführen. Später, wenn der Dokumentarfilm im Kasten ist, dann will er mit den Hobby-Filmern vom Mädchentreff vielleicht einen Spielfilm drehen. Thema dieses Films: Neonazis. Was läge da also näher, sich schon jetzt damit auseinanderzusetzen.

Irgendwann sind auf dem Forsthof alle Mikrofone aufgebaut, die Kabel in die Kamera gestöpselt und es kann losgehen. Frage: Wie war der erste Eindruck von Jamel. Antwort von Horst Lohmeyer: schockierend.

Weggezogen sind die beiden aber nicht. „Mittlerweile ist das unsere Heimat geworden“, sagt Birgit Lohmeyer. „Wir fühlen uns hier super wohl.“ Einzig die Nazi-Nachbarn mindern die Zufriedenheit.

Zu ihrem Forsthof führt eine schmale Einfahrt. Das Grundstück kann von außen kaum eingesehen werden. Das Prädikat idyllisch umschreibt das Heim der Beiden treffend. Das, sagt Birgit Lohmeyer, gleicht viel aus. Ein normales Leben in Jamel ist für sie nämlich nicht möglich. Ein Spaziergang durchs Dorf machen sie längst nicht mehr. „Uns fehlen aber auch keine Nachbarn“, sagt die Schriftstellerin. 15 Jahre hat sie mit ihrem Mann in Hamburg gelebt, auf St. Pauli. Das härte ab.

Ende August rockt der Förster wieder in Jamel. Das Festival für Demokratie und Toleranz hat das Ehepaar auf die Beine gestellt, um den Nazis in ihrem Dorf die Stirn zu bieten. „Außerdem ist Musikhören, interessanter als eine politische Diskussion“, sagt Birgit Lohmeyer. Die Filmemacher vom Mädchentreff werden dann wieder mit ihren Kameras und Mikrofonen dabei sein.

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