zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

23. November 2017 | 05:04 Uhr

Gadebusch : Kalte Füße unterm Kirchturm

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Ungeheizte Räume machen Mitarbeitern der Tafel in Gadebusch und Rehna zu schaffen. Neue Lösungen sind nicht in Sicht.

svz.de von
erstellt am 09.Jan.2015 | 12:00 Uhr

Es ist kalt, in dem Raum beim Gadebuscher Kreml. Ein großer Tisch steht in der Mitte des Raumes, auf diesem stehen viele bunte Einkaufstaschen. Am Rand, vor der Toreinfahrt lagern Kisten mit Obst und Gemüse. Der große Raum in Gadebusch, in dem Mitarbeiter der Tafel seit Herbst des vergangenen Jahres ihre Taschen für die Bedürftigen packt, ist eigentlich eine Lkw-Garage – ungeheizt.

Ulf Bartel hat sie der Tafel zur Verfügung gestellt. Doch der Gadebuscher Unternehmer ärgert sich über die Arbeitsbedingungen vor Ort: Die Garage sei kalt, sie sei nicht der richtige Ort, um mehrere Stunden lang mit klammen Fingern Lebensmittel zu sortieren und die Taschen zu packen. Rund 2000 Euro im Jahr zahlt Bartel für die Räumlichkeiten. Versicherung, Steuer, die Kosten für Strom und Wasser übernimmt er – und das auch gerne. „Ich finde es nach wie vor gut und unterstütze die Tafel auch weiterhin“, erklärt Ulf Bartel.

Dennoch sieht er die Unterbringung der Tafel in seiner Garage als problematisch an. „Bei längerfristiger Nutzung müsste ein bisschen investiert werden.“ Eine Heizmöglichkeit, zum Beispiel. Die Kosten dafür kann Bartel nicht allein tragen. „Es wäre schön, wenn solche Sachen auf breiteren Schultern getragen würden. Und ich würde mich freuen, wenn Rehna sich beteiligen würde.“ Oder dass in Rehna wieder eigene Räume zum Packen und Lagern gefunden würden. „Ich würde mir wünschen, dass es eine zentrale Stelle gebe, die eine langfristige Lösung sein kann.“

Silvia Schröter, die bei der Tafel Gadebusch arbeitet, bestätigt die schlechten Arbeitsbedingungen: „Meine Finger spüre ich nicht mehr, wenn wir hier packen. Aber es nützt ja nichts, es muss ja hier gemacht werden.“ Die geheizten Räumlichkeiten der Tafel seien zu klein.

Rund 70 Taschen gehen nach Rehna. Jeden Donnerstag von 13.30 bis 16.15 Uhr findet im Turmraum der Kirche die Ausgabe der Lebensmittel für Bedürftige statt. „Es soll erst einmal so sein, dass in Gadebusch zentral gepackt wird. Für den Träger ist ein zentraler Ort aus logistischer Sicht praktisch“, sagt Pastor Andreas Ortlieb. „Ich bin erstmal zufrieden mit dem Turmraum – es ist eine ganz gute Lösung und ich bin froh, dass der Kirchenrat sie mitträgt.“

Dennoch sei auch die Ausgabe dort nur eine vorübergehende Lösung, solange bis eine bessere gefunden worden sei, so Ortlieb. Und auch im Turmraum ist es kalt. Der Heizstrahler ist derzeit kaputt, ist aber in Reparatur und soll dann wieder aufgestellt werden. „So ist es schon schön hier, nur im Winter ist es etwas kalt“, sagt Nicole Rogge, die für die Ausgabe in Rehna zuständig ist.

Ihre Kollegin Heidi Junge fügt an: „Wir sind froh, dass wir diesen Raum hier nutzen können. Und der Platz reicht aus für die vielen Taschen und Kisten.“ Doch die Situation, nur noch die Ausgabe in Rehna zu machen, sei schwierig für sie, sagt Junge. „Da hängt ein ganzer Rattenschwanz Mehrarbeit dran. Wir wuchten jetzt die Taschen durch die Gegend, mindestens vier Mal müssen wir sie anfassen, bevor sie zur Abholung bereit stehen.“ Aber das würden sie schon hinkriegen, sagt sie zuversichtlich. Wenn sie jedoch nach ihren Wünschen gefragt werden, sind sich Junge und Rogge einig: „Es wäre toll, wieder einen eigenen Raum in Rehna zu bekommen.“

Und es wäre von Vorteil, wieder Kisten zu packen. „Früher haben wir die Kisten gehabt und die Leute konnten auch mal Lebensmittel tauschen. Jetzt müssen sie alles mitnehmen, was in den Beuteln ist“, so Junge. Einige Bedürftige hätten sich bereits abgemeldet. 108 Männer und Frauen haben sich im vergangenen Sommer über die Tafel verpflegt, jetzt sind es nur noch etwa 70. „Die Leute hatten Angst, dass sie die Reste aus Gadebusch bekommen würden. Das ist aber nicht so“, macht Heidi Junge deutlich.

Neue Pläne für die Tafel in Rehna gebe es jedoch derzeit keine, gibt Pastor Ortlieb zu. „Wir gucken was kommt. Es ist mir wichtig, dass es gesichert ist, dass die Tafel in Rehna den Bedürftigen helfen kann.“

 

 

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen