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Redensarten analysiert : Kaeselowerin deckt Wandel der Sprache auf

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Lieselotte Obst wirft einen Blick auf´s Wort

„Deutsche Sprache, schwere Sprache“ heißt es im Volksmund. Vor allem für diejenigen, die unsere Sprache lernen, ist es sehr schwer, bei den Fällen, Präpositionen und Artikeln richtig durchzusehen. Aber nicht nur für Fremdsprachler bringt das Deutsche Mysterien, die sie nicht ergründen können. So gibt es auch viele, verwirrende Unterschiede bei Sprichwörtern oder Redensarten zwischen den alten und neuen Bundesländern sowie zwischen dem Norden und Süden Deutschlands. Und Mitteldeutschland hat noch einmal ganz andere Sprechweisen.

Mit dem Sprach-Phänomen hat sich unsere Leserin Liselotte Obst aus Kaeselow beschäftigt: „Da ich nicht mehr so gut hören kann, lese ich sehr viel und da fällt mir so einiges auf“, berichtet die 82-Jährige. Markant in dieser Jahreszeit war für sie die Verwendung von „an Weihnachten“. „Es heißt zu Weihnachten, schon immer. Bei uns in Mitteldeutschland wurde dies so gesagt“, sagt Liselotte Obst. Die gebürtige Dessauerin (Sachsen-Anhalt) hat ein Gespür und Verständnis für Sprachen, so lernte sie bereits in der Schule Latein, Russisch, Englisch und Deutsch. Nach dem Abi ging sie nach Berlin, um dort Sinologie zu studieren. Und in Berlin blieb Lieselotte Obst schließlich 45 Jahre. „Deswegen sage ich auch immer von mir, dass ich eine Berlinerin bin“, sagt sie schmunzelnd. Dort arbeitete sie für einen Verlag, fertigte Übersetzungen an und war journalistisch tätig.

Aus diesem Grund ist sich die 82-Jährige sicher, zu wissen, woher die falsche Verwendung der Präposition bei „an Weihnachten“ komme: „Ich denke, dass mal aus dem Englischen nicht korrekt übersetzt wurde und sich dies dann über die Jahre verbreitet hat und irgendwann angenommen wurde.“ Im Süden Deutschlands werde diese Variante ebenfalls oft verwendet, so Obst. Ihr Neffe lebt bei Kassel in Hessen und berichtete ihr davon. „Vielleicht ist es im südlichen Teil der Republik ja so verbreitet, das kann auch sein, aber es ist definitiv falsch“, ist sich die Kaeselowerin sicher.

Darüber hinaus gebe es oftmals falsche Sprechweisen, die in den Medien verwendet würden diese Tatsache ärgert die 82-Jährige: „Als Frage sollte man nicht ,macht das Sinn‘ formulieren, sondern direkt ,ist das sinnvoll‘. Oder auch ,am Stück‘, das gibt es nur, wenn man Fleisch beim Fleischer kauft, sonst nicht“, erklärt Liselotte Obst. Die Aufgabe, dass diese falschen Formulierungen sich nicht weiter durchsetzen, sieht sie bei den Medien. „Die Journalisten müssen auf ihre Sprache achten, darauf, was und wie sie formulieren. Schließlich sollen die Medien dazu beitragen, dass sich eine gute Sprache durchsetzt und die Menschen zu einem guten Ausdruck erziehen“, erklärt die 82-Jährige.

Ihr sei dennoch bewusst, dass sich die Sprache immer weiter entwickle, viele der ihr vertrauten Worte, von den Jugendlichen nicht mehr verwendet werden und diese aus diesem Grund „aussterben“. „Das ist ein ganz normaler Entwicklungsprozess. Diese Jugendsprache verstehe ich manchmal auch nicht“, sagt sie lachend.

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erstellt am 02.Jan.2014 | 22:00 Uhr

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