Kein Kahlschlag : Kaeselower kämpfen um den Park

Altbaumbestände sind das Aushängeschild eines Parks. Somit fragen sich Sylvia Gezorreck, Gerd Müller, Friedhelm und Ines Raatz (v.l.), warum solche stattlichen Bäume der Fällung preisgegeben werden sollen.  Fotos: Volker Bohlmann
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Altbaumbestände sind das Aushängeschild eines Parks. Somit fragen sich Sylvia Gezorreck, Gerd Müller, Friedhelm und Ines Raatz (v.l.), warum solche stattlichen Bäume der Fällung preisgegeben werden sollen. Fotos: Volker Bohlmann

Altbaumbestand soll erhalten bleiben. Gemeinde spricht sich für Pflegemaßnahmen aus

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02. Dezember 2014, 00:08 Uhr

Stattliche Eichen, Buchen als auch eine Eibe zieren den kleinen Wald südlich von Kaeselow, den die Einwohner als ihren Park ansehen. Um das Kleinod ist ein Streit entbrannt. Grund: Nach Fällaktionen in 2013 wurden weitere Bäume gekennzeichnet, die Angst vor einem Kahlschlag geht um. „Sicherheitsarbeiten sind kein Problem, aber sinnlose Fällungen schon“, sagt Gerd Müller. Mit seiner Meinung steht er nicht allein da. Friedhelm Raatz sieht in der erneuten Kennzeichnung eine weitere Aktion zur Brennholzgewinnung. „Ich habe beim Amt angefragt und bis heute keine Antwort erhalten“, moniert der Kaeselower und zeigt auf die Bäume mit Farbkennzeichnungen wie rote Punkte, Buchstaben und Fragezeichen in weißer Farbe. Niemand habe die Bürger informiert, auch in diesem Jahr nicht. Somit schreibt Raatz an den BUND und an Schweriner Ministerien, um den gefürchteten Raubbau ein Ende zu bereiten.

Auch Sylvia Gezorreck steht der momentanen Bewirtschaftungsform kritisch gegenüber: „Nach der Fällung in 2013 fehlen bis heute die Ausgleichsmaßnahmen.“ 40 Bäumen und mehr sollen mittlerweile aus dem Park entfernt worden sein. „Unverständlich“, meint Richard Basedow dazu, der von seinen Tagen als Kind im Park und den damals schon stattlichen Bäumen erzählt.

Als vor wenigen Wochen augenscheinlich Fachleute erneut die Baumbestände unter die Lupe nahmen, verlangte Sylvia Gezzorreck Antwort vom Amt Lützow-Lübstorf. In Kaeselow gehen die Bürger sogar davon aus, dass nicht einmal der Bürgermeister von den Eingriffen gewusst haben soll. Der Protest in Kaeselow bleibt nicht ungehört: „Das Amt hat mitgeteilt, dass der jetzige Zustand erhalten bleibt“, sagt die Kaeselowerin.

Auf Anfrage der SVZ lädt Bürgermeister Tino Waldraff zu einem Gespräch ins Amt ein und macht deutlich: „Die Gemeindevertretung hat diese Pflegearbeiten legitimiert.“ Angesichts dessen, dass der Wald, den er als auch die Kaeselower wie Park ansehen, in einem ordnungsgemäßen Zustand zu halten ist, seien die Arbeiten unumgänglich gewesen. „Wir müssen die Sicherheit gewährleisten“, sagt Waldraff. In den zurückliegenden 50 Jahren sei kein Eingriff erfolgt. Nach jedem Sturm sei aber ein Baum gefallen. „Niemand darf zu Schaden kommen. Somit wurde in Kooperation mit der Forst der Baumbestand gesichtet“, sagt Marita Firchau, zuständige Ordnungsamtsmitarbeiterin.

Die deutlich sichtbaren Zeichen an den Bäumen bezeichnet Firchau als mögliche Vorschläge, die nach Kriterien wie morsches und geschädigtes Stammholz als auch enger Standort gewählt wurden. „Bäume, die zu eng standen, wurden gefällt, zumal eine Verjüngung gewünscht wird“, sagt Firchau. Bei Bäumen, die eine morsche Krone aufwiesen, erfolgte ebenso die Fällung, so Waldraff weiter.

Genau das kam in Kaeselow nicht gut an. Friedhelm Raatz spricht von Eulenbäumen und Totholz, wie sie Spechte brauchen. „Dort oben in der Krone sehen wir einen Kolkraben-Horst. Auch dieser Vogel ist geschützt“, sagt Raatz.

Marita Firchau verdeutlicht, dass der Randbereich mit den stattlichen Eichen nie mit einbezogen wurde. Vielmehr drehte sich bei der Pflege alles um die Bäume, die direkt am inneren Weg standen. „Die Alternative zur Verkehrssicherungspflicht ist eine Sperrung des Parks“, so Tino Waldraff.

Wie gefordert bleibt nun der restliche Baumbestand unangetastet. Durch den erfolgten Freischnitt und stärkeren Lichteinfall hat eine natürliche Verjüngung des Parks begonnen. Ohne Pflege lässt sich diese allerdings nicht koordinieren. Darüber würden die Kaeselower gern mit ihrer Gemeinde sprechen.

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