zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

18. November 2017 | 17:14 Uhr

Gadebusch : Junger Iraner hofft auf Ausbildung

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Das Gadebuscher Unternehmen HSE Haustechnik GmbH testet und unterstützt den 25-jährigen Asylbewerber

svz.de von
erstellt am 29.Mär.2017 | 21:49 Uhr

Die Haffburg in Wismar, Asylbewerber-Unterkünfte in Beckerwitz, Klütz, Boltenhagen oder Groß Stieten. Nach seiner Flucht aus dem Iran und der Ankunft in Deutschland ist Behnam Tarazuizar im Nordwestkreis schon viel herumgekommen. Derzeit lebt der 25-Jährige zusammen mit zwei syrischen Asylbewerbern in einer Wohnung in Gadebusch. Auf seine Anerkennung als Asylbewerber wartet der junge Mann zwar noch, aber vielen anderen Flüchtlingen ist er dennoch bereits einen großen Schritt voraus: Er hat Arbeit. Eine Stelle bei der HSE Haustechnik GmbH in Gadebusch.

Und das freut nicht nur Behnam Tarazuizar. „Es ist uns gelungen, diesen jungen Mann in Arbeit zu vermitteln. Das ist genau das, was wir erreichen wollen. Denn das ist der einzige Weg, der bleibt, wenn wir diesen Menschen nicht auf Dauer Sozialleistungen zahlen wollen“, sagt Edgar Macke. Dass Asylbewerber allerdings innerhalb eines Jahres soweit seien, sie als Fachkräfte einzusetzen, sei nach Aussage des Geschäftsstellenleiters der Agentur für Arbeit in Wismar eine Illusion. Dazu brauche man vor allem eines: Geduld, Verständnis und Sprache.

Doch gerade an letzterem mangelt es häufig. Die Sprachprüfung der Stufe B1, zu der jugendliche Asylbewerber beispielsweise an den Berufsschulen des Landes geführt werden, ist ein Anfang, mehr aber offensichtlich nicht. „Das reicht bestenfalls für die Verständigung im Alltag. Für eine Berufsausbildung ist das nicht genug“, kritisierte Holger Stein als Leiter des Berufsschulzentrums Nord in der vergangenen Woche im SVZ-Interview. „Es stimmt, die Sprache ist das Hauptproblem. Ohne deutsche Sprachkenntnisse bekommst du keinen Kontakt mit den anderen Bürgern. Das war anfangs bei mir auch so, doch jetzt ist alles gut“, sagt Behnam Tarazuizar. Der 25-Jährige hat Glück. Nach eigenen Angaben habe er einerseits in seiner persischen Heimat eine Ausbildung zum Haustechniker absolviert und andererseits mit der HSE Haustechnik GmbH in Gadebusch ein Unternehmen gefunden, das händeringend Auszubildende sucht. Bereits im Sommer vergangenen Jahres hatten sich die Gadebuscher Haustechniker und der Iraner im Rahmen eines knapp dreiwöchigen Praktikums kennengelernt. Ein halbes Jahr später spricht Behnam Tarazuizar bei der Agentur für Arbeit vor und erklärt, dass HSE ihn gern einstellen möchte. Trotz noch nicht beschiedener Asylanerkennung darf er in Deutschland arbeiten. Zwar nur mit Genehmigung der Ausländerbehörde, aber er darf.

Und davon sollen bestenfalls sowohl Asylbewerber als auch Unternehmen profitieren. HSE-Geschäftsführer Günther Kritsch: „Er hat jetzt bei uns einen Arbeitsvertrag über den Zeitraum von sechs Monaten bekommen. Ich betrachte das als Zeit für vertieftes Kennenlernen und Vorbereitung auf eine möglicherweise anschließende Berufsausbildung.“ Gute Erfahrungen mit ausländischen Mitarbeitern habe das Unternehmen bereits einige gemacht. Die Voraussetzungen bei Behnam Tarazuizar seien ebenfalls gut. Ziel für ihn sei nun eine Lehre zum Anlagenmechaniker.

Kommentar: Probleme nicht wegjubeln
Integration von jungen Asylbewerbern kann also gelingen. Doch klar ist: Das hier beschriebene Beispiel ist bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein. Probleme von Sprachbarrieren über Disziplinschwierigkeiten bis zu strafbaren Handlungen, wie sie der Leiter des Berufsschulzentrums Nord erst vor einer Woche im SVZ-Interview öffentlich machte, häufen sich und können auch nicht weggejubelt werden. Und ein „Hurra, hurra, die Flüchtlinge sind da!“ zur Beseitigung des Fachkräftemangel im eigenen Land verstummt zunehmend wohl auch gerade deshalb.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen