Gadebuscher Mädchentreff : Jugendfreizeit vor dem Aus

In der Steinstraße lädt das Freizeithaus ein. Fotos: bohlmann
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In der Steinstraße lädt das Freizeithaus ein. Fotos: Bohlmann

Mädchentreff schließt zum Jahreswechsel / Freizeithaus will Entscheidung im April bekanntgeben

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12. März 2016, 05:05 Uhr

Die Kinder - und Jugendarbeit steht in Gadebusch möglicherweise vor dem Aus. Konkret geht es um Angebote für Mädchen und Jungen im Freizeithaus Gadebusch und dem Gadebuscher Mädchentreff. In beiden Vereinen wechseln zum Jahresende die Verantwortlichen in den Ruhestand. Eine qualifizierte Neubesetzung der Stellen scheint ungewiss.

„Wir werden schließen“, sagt Jutta Ahrendt. Sie leitet seit mehr als 20 Jahren den Mädchentreff unter dem Dach des Vereins der Kinder- und Jugendförderung. Wöchentlich erhalten im Domizil „Kreml“ zwischen 200 und 250 Mädchen und Jungen Freizeitangebote von Tanz, Musik, Theater, Betreuung und Nachhilfe. Zahlreiche Bemühungen seit dem Jahr 2012 mit einer neuen Trägerschaft die Vereinsarbeit aufrecht erhalten zu können, scheiterten. Ein eigener Verein wurde gegründet.

Im Freizeithaus in der Gadebuscher Steinstraße lenkt Sigrid Bernig seit mehr als zwei Jahrzehnten die Einrichtung und sagt: „Ich werde in den Ruhestand wechseln.“

Beide Häuser sind mit einem unterschiedlichen Portfolio in Gadebusch vertreten, wobei der Mädchentreff über Jahre nachweislich den größten Zuspruch verzeichnete. Das Freizeithaus erlebte in den zurückliegenden Monaten über das Spielmobil Dino hinaus stärkeren Zulauf. Möglich wurde dies durch privates Engagement von Klaus Ortmann und Angeboten wie Knobeln, Theater und Formel 1.

In den kommunalen Verwaltungsspitzen ist die Lage bekannt. Der Gadebuscher Amtsleiter Mathias Jankowski sitzt im Vorstand vom Freizeithaus, dem Kinder- und Jugendfreizeit e.V.: „Auf Vorstandsebene haben wir gesprochen. Ende April tagt die Mitgliederversammlung. Themen wie eine Neubesetzung und Auflösung werden besprochen.“ Letztlich gebe es nur mit ausfinanzierten Stellen eine Zukunft. Folglich müsse auch über eine Bündelung der Potenziale beider Einrichtungen nachgedacht werden.

Eine Zusammenlegung wäre für Bürgermeister Ulrich Howest denkbar. Grund: „In Gadebusch gibt es derzeit drei geförderte Stellen für Jugendarbeit. Langfristig wird es über den Landkreis nur Geld für zwei Stellen geben.“ Die Stadt sei sich ihrer Verantwortung bewusst. Die Aufgaben allein als Träger zu schultern, sei aus finanziellen Gründen schwierig, meint Howest. Sein Vorschlag: „Über ein Interessenbekundungsverfahren einen unabhängigen Träger suchen.“ Ende März will Gadebusch in die Offensive gehen. „Findet sich kein Träger, müssen wir die Aufgaben übernehmen. Eine Kooperation mit den Umlandgemeinden wäre von Bedeutung.“

Doch Fachkräfte wie Sozialarbeiter sind am Arbeitsmarkt nicht abrufbar. Dieser Umstand macht es schwierig. Jutta Ahrendt: „Ich glaube nicht, dass sich ein Träger findet. Uns erreichte nicht eine Rückmeldung.“ Darüber hinaus sei die Jugendarbeit für Berufseinsteiger wenig attraktiv. „Die jungen Menschen sehen sich die Arbeitszeiten und Verdienstmöglichkeiten genau an. Fakt ist: Die geförderten Stellen sind nur für ein Jahr ausgeschrieben. Perspektiven sehen anders aus“, sagt Ahrendt. Darüber hinaus seien die bürokratischen Hürden - Abrechnung, Beantragung und Wartezeiten auf Gelder von bis zu sechs Monaten – frustrierend. „Das erweckte zumindest bei mir den Eindruck, dass die Jugendarbeit in den Kommunen als ein reiner Kostenfaktor angesehen wird“, meint Ahrendt.

Der Landkreis wünscht sich eine Perspektive für Gadebusch. Pressesprecherin Petra Rappen: „Wir haben großes Interesse daran, dass diese von großer Akzeptanz getragenen Angebote fortgesetzt werden.“ Eine Einbindung von Kindern und Jugendlichen sei wichtig, damit sie sich mit ihrer Region identifizieren können. 

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