interview : Jürgen Ditz beharrt auf Krankenhaus-Erhalt

Grevesmühlens Bürgermeister Jürgen Ditz (parteilos) befürchtet eine weitere Standort-Schwächung.
Grevesmühlens Bürgermeister Jürgen Ditz (parteilos) befürchtet eine weitere Standort-Schwächung.

Grevesmühlener Bürgermeister warnt vor einer weiteren Schwächung der ehemaligen Kreisstadt Grevesmühlen

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06. August 2015, 23:44 Uhr

Auch wenn für Krankenhäuser das Überleben immer schwieriger wird, beharrt der Grevesmühlener Bürgermeister Jürgen Ditz auf dem Erhalt kleinerer Kliniken. Damit geht er auf Distanz zu einem Gutachten, wonach die Zahl der Krankenhäuser in MV deutlich reduziert und kleinere Häuser in Gemeinde-Gesundheitszentren umfunktioniert werden sollen. Dies wäre aus politischer Sicht nicht tragbar, sagt Ditz im Interview mit Redakteur Michael Schmidt.

Was könnte solch eine Herabstufung für den Standort Grevesmühlen bedeuten?

Jürgen Ditz: Sie wissen ja, dass Grevesmühlen den Kreissitz verloren hat und auch den Sitz des Amtsgerichtes, da wir nur noch eine Nebenstelle sind. Insofern wäre der Verlust des Krankenhauses eine deutliche Schwächung des Standortes und aus politische Sicht so nicht tragbar. Was man dazu sagen muss, ist Folgendes: Auch im neuen Landesentwicklungsprogramm wird Grevesmühlen als Mittelzentrum dargestellt. Das Land MV muss also ein Interesse daran haben, den Krankenhaus-Standort hier zu erhalten. Denn es gehört zu dem Angebot dazu, was ein Mittelzentrum vorhalten muss. Zumal Grevesmühlen dank seiner Einwohnerzahl-Entwicklung nicht zu den kleinen Mittelzentren in MV gehört.

Welche Gefahren könnten eine Herabstufung des Krankenhaus es nach sich ziehen?

Sollte es tatsächlich diese Herabstufung geben, ist die medizinische Versorgung in dieser Region in einem gewissen Maße gefährdet. Wir haben es hier nicht nur mit der älter werdenden Generation zu tun, sondern wir sind auch Tourismusschwerpunkt und haben die Ostseeküste vor der Tür. Insofern nimmt Grevesmühlen aufgrund seiner zentralen Lage auch eine wichtige Funktion bei der Versorgung kranker Menschen ein. Ich weiß, dass gerade Grevesmühlen in der Tourismuszeit, also in den Sommermonaten, deutlich stärker frequentiert wird, als es sonst der Fall ist. Viele Patienten, die hier Urlaub machen und nicht zu ihrem Hausarzt gehen können, suchen das Krankenhaus Grevesmühlen auf, wenn es ihnen gesundheitlich schlecht geht.

Welche Alternative könnte es zu einer möglichen Her-abstufung geben?

In der Studie ist zwar von ambulanten Gemeinde-Gesundheitszentren die Rede. Ich halte diese aber nicht für zielführend. Ich glaube, dass wir in unserer Situation ein Krankenhaus unbedingt benötigen und den Standort eher stärken müssen, als über die Schwächung nachzudenken.

Wie könnte diese Stärkung erfolgen?

Einmal von der politischen Seite her, aber sicherlich auch durch zusätzliche Investitionen und durch die weitere Unterstützung der Krankenkassen und ärztlichen Vereinigungen.

Befürchten Sie im Falle einer Umsetzung der Studie das reihenweise Aus kleiner Kliniken in MV?

Wissen Sie, ich halte die Ergebnisse dieser Studie auf die neuen Länder für nicht übertragbar. Man kann nicht MV mit Ballungszentren in den alten Ländern 1:1 vergleichen. Wir haben hier andere Voraussetzungen und unsere Entwicklung ist ja erst in den vergangenen 25 Jahren so erfolgt, wie sie nach bundesdeutschem Standard zu sein hat. Außerdem weisen wir hier nach wie vor andere Strukturen auf, als es in den alten Bundesländern der Fall ist.

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