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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

18. Oktober 2017 | 00:24 Uhr

Gross Molzahn : Jobcenter schockt Herzpatienten

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Die Behörde meldete Harro Wendorf von der Krankenversicherung ab, ohne ihn vorher zu informieren

svz.de von
erstellt am 29.Okt.2015 | 06:30 Uhr

Die Hüfte, die Knie, die Bandscheibe, die Lunge, das Herz – die Krankengeschichte von Harro Wendorf ist lang. Die harte Arbeit als Tiefbauer hat Spuren hinterlassen. Doch der 55-Jährige aus Groß Molzahn steht plötzlich ohne Krankenversicherung da.

Wendorf kann schon lange keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen und bezieht Hartz IV. Ein ärztliches Attest bescheinigt ihm, dass er täglich nur drei Stunden arbeiten kann. Dieses Problem wäre noch zu lösen. Doch Wendorf fährt kein Auto mehr. Wegen seiner vielen gesundheitlichen Probleme hat er den Führerschein freiwillig abgegeben. „Aus Groß Molzahn komme ich nicht so leicht weg“, sagt Wendorf. „Aber Autofahren traue ich mir nicht mehr zu.“

So ist er auf das Jobcenter angewiesen. Dort wird für ihn auch die Krankenversicherung gezahlt sowie einen Teil der Miete für die Wohnung, die er mit seiner Lebensgefährtin teilt. Sie sind nach Definition des Jobcenters eine Bedarfsgemeinschaft.

Anfang Oktober nun der Schreck. Wendorf bekommt Post von seiner Krankenkasse. Er sei zum 30. September abgemeldet worden. „Ich brauche Medikamente für mein Herz“, sagt Wendorf. Nach einem Herzinfarkt muss er vorsichtig sein. Immer wieder hat er Probleme und muss deswegen ins Krankenhaus. Wie soll das funktionieren ohne Versicherung?

„Sie haben mir vorher nicht Bescheid gesagt, dass sie meine Krankenversicherung kündigen“, erzählt er. Wendorf ruft beim Jobcenter an und will wissen, was passiert ist. Eine Mitarbeiterin kümmere sich in den nächsten zwei Tagen um den Fall, heißt es am Servicetelefon. Doch es passiert erst einmal nichts.

Die SVZ-Nachfrage bringt Klarheit: Die Abmeldung von der Krankenversicherung war ein Fehler. Aus den Akten lasse sich nicht nachvollziehen, warum die Abmeldung passiert ist. „Das tut uns leid“, sagt die zuständige Bereichsleiterin. Das Jobcenter korrigiert den Fehler umgehend: Wendorf wird bei der Krankenversicherung wieder angemeldet.

 

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