Nordwestmecklenburg : Jetzt rollt der neue Nahverkehr

Gestern gegen 11.30 Uhr: Gleich vier Busse treffen sich am ZOB Gadebusch, die Regionalbahn nach Parchim ist auch schon da. Fotos: holger glaner
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Gestern gegen 11.30 Uhr: Gleich vier Busse treffen sich am ZOB Gadebusch, die Regionalbahn nach Parchim ist auch schon da. Fotos: holger glaner

ÖPNV-Chef Jörg Lettau zeigt sich mit dem Start ins neue Jahr zufrieden, auch wenn es hier und da noch einige Probleme gibt

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05. Januar 2016, 07:30 Uhr

Ungläubig steigt eine ältere Dame am Bahnhof Gadebusch aus dem Bus der Linie 130, mit dem sie gerade aus Veelböken kommt. „Ob das mal alles so klappt, wie die sich das vorstellen“, fragt sich die Veelbökenerin. „Früher bin ich immer direkt von Veelböken mit dem Bus nach Schwerin gefahren, jetzt muss ich hier umsteigen.“

Die gute Nachricht: Es klappt. Die Fahrer der vier am Verknüpfungspunkt beinahe gleichzeitig eintreffenden Linienbusse kümmerten sich ohne großen Aufsehens um die Dame und nur zehn Minuten später war sie schon mit dem nächsten Bus unterwegs in die Landeshauptstadt. Sie hätte aber genau so gut in Richtung Ratzeburg oder aber Selmsdorf weiterreisen können.

Heute beginnt Tag Fünf des neuen Öffentlichen Personennahverkehrs in Nordwestmecklenburg. Und da war die kostenlose Rufnummer der Nahbus Nordwestmecklenburg GmbH genauso hoffnungslos überlastet wie die normale Rufnummer des kommunalen Busunternehmens. „Das ist aber normal bei so einem großen Fahrplanwechsel“, sagt Jörg Lettau. Am gestrigen frühen Nachmittag leitete der Nahbus-Geschäftsführer eine Statussitzung, um zusammenzutragen, wo es läuft und wo es noch Probleme gibt. „Doch mein Bauchgefühl sagt mir, dass es im Großen und Ganzen gut funktioniert“, sagt der Stralsunder auf dem Weg in die Sitzung.

Große Erwartungen setzen Anbieter des ÖPNV als auch Fahrgäste in das neue Konzept. Neue Linien, neue Fahrpläne, neue Fahrpreise. Da ist die Frage, ob denn alles wie gewünscht klappt, also durchaus berechtigt. „Wir haben bislang circa 20 Einzelfälle, bei denen wir festgestellt haben, dass wir noch nachregulieren müssen“, resümiert Jörg Lettau gestern Mittag. Der Nahverkehrschef verstehe, dass dies für die Betroffenen allerdings eine hochemotionale Angelegenheit sei. Dennoch gehe er fest davon aus, dies innerhalb der nächsten zwei bis drei Tage zu regeln.

So hat sich auch ein 17-jähriger Schüler über Facebook bei der SVZ gemeldet. Patric Benick wohnt in der Nähe von Rehna, besucht aber eine Schule in Grevesmühlen. Kurz vor Jahresende stellte er fest, dass der Bus, der ihn bislang am Nachmittag nach Hause brachte, nicht mehr fährt. Versuche vom vergangenen Freitag, noch eine Auskunft zu dem Sachverhalt zu bekommen, waren bislang erfolglos. „Mit dem neuen ÖPNV geht eine recht gerade Linienführung einher, da wird die eine oder andere Haltestelle nicht mehr in der gewohnten Intensität angefahren“, erklärt Jörg Lettau.

Solche Fälle werden in diesen Tagen aufgenommen, um eine Lösung zu finden. Der Nahverkehrs-Chef des Nordwestkreises bittet in den ersten Tagen des neuen Jahres alle Fahrgäste noch um etwas Geduld. „Wir werden noch in dieser Woche viele der jetzt auftretenden Probleme geraderücken.“

Kommentar: Geduld auf beiden Seiten von Holger Glaner

Nun ist er unterwegs, der neue ÖPNV. Und ganz ehrlich: Nur blauäugige hoffnungslose Optimisten hätten mit einem reibungslosen Start gerechnet. Der neue Nahverkehr braucht Zeit. Da kann nach fünf Tagen unmöglich alles wie geschmiert laufen. Jetzt müssen auftretende Probleme in Ruhe angesprochen und Lösungen gefunden werden. Dazu bedarf es eines Miteinanders von Fahrgästen und Nahbus sowie Geduld auf beiden Seiten.

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