zur Navigation springen

Studentenprojekt bleibt im Kiefergeäst hängen : Jetzt hilft nur noch der Baumkletterer

vom

Seit März haben die beiden Studenten gerechnet, geplant und getüftelt. Dann war er fertig, der Ballon, an dem eine Kamera hing, von der sie sich Luftaufnahmen aus einer Höhe von bis zu 30 000 Meter erhofften.

svz.de von
erstellt am 31.Jul.2013 | 11:37 Uhr

Schwerin/Gadebusch | Seit März haben die beiden Studenten gerechnet, geplant und getüftelt. Dann war er fertig, der Ballon, an dem eine Styroporkugel mit Kamera hing, von der sie sich Luftaufnahmen aus einer Höhe von bis zu 30 000 Meter erhofften. Doch ihr Projekt für die Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg drohte zu scheitern. Erst fiel das Ortungssystem aus, und als sie ihre Konstruktion dann doch wieder fanden, hing sie in einer über 20 Meter hohen Kiefer in Schwerin-Krebsförden fest. Jetzt konnte nur noch einer helfen: der Baumkletterer.

Jannis Radtke, Christian Gruber und Marco Kern stapfen durchs Unterholz und kämpfen mit dornigen Brombeersträuchern, tückischen Brennnesseln und stechwütigen Mücken. Von allem gibt es mehr als genug in diesem kleinen Waldstück, das nur von einer ausladenen Wiese von der Dorfstraße in Krebsförden getrennt ist. "Hier, dieser ist es", sagt Jannis Radtke und zeigt auf eine windschiefe Kiefer mit knorrigem Geäst. Der Gadebuscher Marco Kern schaut in die Höhe. Ganz oben, im Baumwipfel, ist ein rotes Etwas zu sehen. Das gehört zudem, was die beiden Studenten unbedingt brauchen. Das ist es, was sie unmöglich allein herunter holen können, Baumkletterer Kern aber vor keine großen Probleme stellen wird. Er legt die Steigeisen an, befestigt mit Seil, Karabiner und Klemme seine Kurzsicherung und beginnt mit dem Aufstieg.

Christian Gruber drückt den Aufnahmeknopf der Videokamera. Diese Aktion muss er festhalten, denn sie kann Gold wert sein für die beiden angehenden Medientechniker. Dass ihr Projekt für die Hochschule für angewandte Wissenschaften solch eine Eigendynamik entwickelt hat, damit haben die beiden 25- und 26-Jährigen nicht gerechnet.

Am Anfang stand die Vorlesung "Videotechnische Produktion II" und die damit einhergehende Aufgabe, eine außergewöhnliche Videoproduktion auf die Beine zu stellen. Die beiden Studenten feilten an der Idee, diese in luftiger Höhe produzieren zu lassen. Ihr Equipment: ein gebrauchter Wetterballon, viel Helium, eine Kamera, ein GPS-Tracker, eine Styroporkugel und vier kleine Batterien. Zudem war eine Genehmigung der Flugaufsichtsbehörde nötig. "Die ließ aber ein paar Wochen auf sich warten, da aufgrund des Hochwassers der Flugraum nicht mit solchen Aktionen belastet werden sollte", sagt Jannis Radtke. Am Sonnabend ließen die Beiden den Ballon mit rund zwei Meter Durchmesser in Schwarzenbek steigen. Den Berechnungen nach, müsste das sich immer weiter ausdehnende Helium den Ballon nach rund drei Stunden platzen lassen. Dann sollte der Fallschirm Kamera und Aufnahmen sicher zur Erde gleiten lassen und das Ortungssystem das Duo zum ungefähren Landeplatz führen. Doch ein Signal blieb aus.

"Erst am Sonntag war eine Peilung da", erzählt der gebürtige Bremer Radtke. Die Spur führte nach Schwerin-Krebsförden, die Suche im Kiefernwald ins Leere. Neuer Versuch am Montag. Zwei Stunden und viele Mückenstiche später, entdeckten sie den roten Fallschirm im Baumwipfel. "Ich habe mal einen Bericht über einen Baumkletterer gesehen. Wir dachten uns, das solch einer uns helfen könnte". Ein Anruf genügte - und der Gadebuscher Marco Kern, der seit 2003 Baumschnitte in luftiger Höhe durchführt, Zapfen pflückt oder manchmal auch Katzen aus dem Geäst holt, hilft. Mittlerweile hat der 41-Jährige den Baumstamm erklommen, hat Fallschirm und Kamera befreit und seilt sich aus 21 Meter Höhe wieder ab. 13 Minuten hat er dafür insgesamt gebraucht, bis die zwei glücklichen Studenten ihr Projekt wieder in den Händen halten. Noch am gleichen Abend sichten sie ihr Bildmaterial. "Zwar ist manchmal der Fallschirm zu sehen, aber ansonsten ist alles prima", sind sie sich einig. Jetzt können sie ihre Präsentation fertig machen - und die wird umfangreicher, als ursprünglich geplant.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen