Nebenkosten : Jede zweite Abrechnung ist falsch

<p> </p>
1 von 2

 

SVZ-Interview mit Beatrice Rothe, Geschäftsführerin des Deutschen Mieterbunds Wismar und Nordwestmecklenburg e.V.

svz.de von
05. November 2015, 23:30 Uhr

Wir haben Herbst. Die Zeit, in der nicht nur die Blätter von den Bäumen, sondern Bewohnern von Mietwohnungen alle Jahre wieder auch die Betriebskosten-Abrechnungen für ihre vier Wände auf den Tisch flattern. SVZ-Redakteur Holger Glaner traf sich zum Interview mit Beatrice Rothe. Die Neuendorferin ist Geschäftsführerin des Deutschen Mieterbunds Wismar und Nordwestmecklenburg e.V. und liest Betriebskosten-Abrechnungen wie Otto-Normalverbraucher ein gutes Buch.

Was raten Sie Mietern nach dem Erhalt ihrer Betriebskosten-Abrechnung?

Beatrice Rothe: Gründlich lesen und überprüfen. Denn nach unserer Erfahrung ist jede zweite Betriebskostenabrechnung falsch.

Wo liegen die Fehler?

Das fängt schon bei der Zustellung der Abrechnung an. Wird diese nicht nachweislich bis zum 31. Dezember des auf den Abrechnungszeitraum folgenden Jahres zugestellt, ist eine mögliche Nachzahlungsforderung seitens des Vermieters verwirkt. Glück für den Mieter. Pech allerdings für den Vermieter, denn ein Guthaben ist dennoch an den Mieter auszukehren.

Doch welche Tücken verbergen sich in der Abrechnung selbst?

Es ist doch so: Vermieter sollen durch die Miete reich werden und nicht durch die Nebenkosten. Dennoch wird viel getrickst und geschummelt. Besonders auffällig ist zum Beispiel, dass Vermieter mit den Kosten für die Gebäudeversicherung Jahr für Jahr immer ein Stückchen höher gehen. Das kann ich nicht nachvollziehen. Darauf sollten Mieter einmal achten und den Vermieter ruhig um eine Erklärung bitten.

Was ist mit Wasser, Müllabfuhr sowie vielen anderen kleinen Posten?

Bei der Wasserabrechnung ist es sehr beliebt, den Mietern monatliche Pauschalabschläge in Rechnung zu stellen. Verbraucht der Mieter dann mehr, wird ihm dies natürlich in Rechnung gestellt. Verbraucht er allerdings weniger, lassen Vermieter dies gern einmal unter den Tisch fallen. Die Differenz dessen, was er von den Mietern bekommt und was er an den Zweckverband tatsächlich zahlen muss, ist in der Summe nicht unerheblich.

Bei der Müllabfuhr hatten wir vor einigen Jahren den Fall, dass der Abfallwirtschaftsbetrieb aufgrund guter Ergebnisse rückwirkend für ein Jahr die Gebühren gesenkt hatte. Nicht einmal ein Prozent der Wohnungseigentümer hat dies an seine Mieter weitergereicht.

Wann sollten bei einer Betriebskostenabrechnung die Alarmglocken klingeln?

Wenn diese über den ortsüblichen Nebenkosten liegen. Im ländlichen Raum des Nordwestkreises liegen diese zwischen 2,40 und drei Euro pro Quadratmeter Wohnfläche im Monat.

Welchen Rat geben Sie Mietern, die Zweifel an bestimmten Kosten haben?

Wenden Sie sich an Ihren Vermieter und bitten Sie um Einsicht in die einzelnen Rechnungen. Denn das, was der Mieter vom Vermieter als Betriebskostenabrechnung bekommt, ist nichts weiter als eine Auflistung der verschiedenen Positionen. Ein Recht auf Erstellung einer Rechnungskopie hat der Mieter in der Regel übrigens nicht.

Mit welchen Problemen wenden sich Mitglieder des Mieterbunds darüber hinaus an Sie, Stichwort „Maschendrahtzaun“?

Tatsächlich haben wir immer häufiger Streitigkeiten unter Mietern zu schlichten. Da ist der Nachbar, der das Treppenhaus nicht putzt und seinen Dreck unter die Fußmatte der Nebenwohnung schiebt. Dann kommen Beschwerden über Kinder, die in der Wohnung Ball spielen. Und dann noch der Klassiker: zu lauter Sex des jungen Pärchens von nebenan.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen