Ortsumgehung: Lützow lehnt ab : Irritation um Straßenprojekt

Lützow ist ein Nadelöhr an der B 104, denn rollen täglich rund 15 000 Fahrzeuge durch das Dorf. Eine Ortsumgehung soll trotzdem nicht gebaut werden. Das sagt zumindest die Gemeinde.
Lützow ist ein Nadelöhr an der B 104, denn täglich rund 15 000 Fahrzeuge durch das Dorf. Eine Ortsumgehung soll trotzdem nicht gebaut werden. Das sagt zumindest die Gemeinde.

Projekt für Lützow steht doch im Bundesverkehrswegeplan. Gemeinde hatte sich dagegen entschieden

svz.de von
22. März 2016, 05:00 Uhr

Überraschung für Lützow: Im Entwurf für den neuen Bundesverkehrswegeplan taucht die Ortsumgehung auf und wird sogar als vordringliches Projekt geführt, also als eines, dem das Bundesverkehrsministerium hohe Bedeutung beimisst und damit sehr wahrscheinlich, Geld für den Bau zur Verfügung stellen wird. Dabei hatte das Verkehrsministerium in Schwerin im Oktober 2013 zugesichert, die Umgehung von der Vorschlagsliste zu streichen und versichert, es werde nicht gegen den Willen der Gemeinde gebaut (SVZ berichtete). Bürgermeister Tino Waldraff wundert sich nun über dieses Hin und Her.

Aus Schwerin folgt eine Erklärung: „Die Ortsumgehung Lützow war bereits angemeldet als die Gemeindeentscheidung gegen die Ortsumgehung faktisch beim Ministerium einging“, sagt der Ministeriumssprecher Steffen Wehner. Deshalb sei in Schwerin die Entscheidung gefallen, das Straßenbauprojekt im Anmeldesystem des Bundes zu belassen. Und, sagt der Sprecher, eigentlich sollte der Bürgermeister über diesen Schritt informiert werden. „Das hat bis heute niemand getan“, sagt Tino Waldraff.

Schon vor zwei Jahren war die Kommunikation zwischen Lützow und Schwerin nicht reibungslos gelaufen. Zwar hatte das Ministerium damals eine Stellungnahme der Gemeinde bekommen, in der umfangreich erklärt wird, warum die Ortsumgehung nicht gewollt ist, über das Votum der Gemeindevertreter wiederum war Schwerin nicht informiert worden. Nun setzt sich diese Pannenkommunikation fort und sorgt erneut für Irritation.

Dabei zielte der Schweriner Schachzug mit der Vorschlagsliste auf etwas anderes ab: Im Entwurf des Verkehrswegeplans tauchen neben der Ortsumgehung für Lützow noch drei andere Projekte an der B 104 auf: die Ortsumgehung Schwerin-Friedrichsthal, Schwerin-Nord und Rampe. „Damit wir möglichst viele dieser Maßnahmen in den Verkehrswegeplan bekommen, haben wir Lützow dringelassen“, sagt Steffen Wehner. Denn als „Maßnahmenkette“ entlang der B 104 sei die Chance dafür größer.

Aufgegangen ist diese Strategie jedoch nicht, denn die Umgehung Friedrichsthal und Rampe sind komplett gestrichen worden. Die Nordumgehung Schwerin wurde unter weiteren Bedarf aufgenommen und hat damit auch keine Chance. Also einzig das Projekt, das von Anfang an nicht gebaut werden sollte, hat nun die größten Chancen.

Am Status quo aber, keine Ortsumgehung für Lützow, ändere das nichts, beteuert das Ministerium. Der Sprecher liefert auch gleich „zwei einfache Möglichkeiten“, wie dieser Spagat gelingen soll: Einerseits könnte die Ortsumgehung von einem vordringlichen Projekt in den weiteren Bedarf rutschen und dann besteht keine Planungsgrundlage mehr. Ergo: Es wird nicht gebaut. Oder Möglichkeit zwei: Schafft Lützow es doch vom Entwurf des Bundesverkehrswegeplans in die beschlossene Variante, kann Schwerin zwar anfangen zu planen, wird es aber nicht tun. Auch dann wird nicht gebaut.

Bürgermeister Tino Waldraff ist egal, wie das Ministerium in Schwerin vorgehen will. Er bleibt dabei, Lützow wollte keine Ortsumgehung und will das auch immer noch nicht. Und der Sprecher in der Landeshauptstadt versichert: Es wird nicht gegen den Willen der Gemeinde gebaut.

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