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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

17. Oktober 2017 | 11:45 Uhr

Irrfahrt mit 75 Huskys an Bord beendet

vom

svz.de von
erstellt am 12.Sep.2013 | 06:34 Uhr

Roggendorf/Holthusen | 75 Schlittenhunde wurden von der Polizei in einem gestohlenen Lkw entdeckt. Sie hatten sich nach Angaben der Roggendorfer Tierheimleitung in einem Laster befunden, der von Schweden aus nach Deutschland unterwegs war. "Die Tiere waren fix und fertig. Sie hatten Durchfall und gespuckt. Es waren auch Tiere dabei, die bereits Welpen geworfen haben", sagt Tierheimleiterin Annette Herbing.

Die Huskys wurden auf mehrere Tierheime in Westmecklenburg aufgeteilt. Sieben von ihnen werden jetzt in Roggendorf betreut. Sie seien stark untergewichtig und müssten zunächst wieder aufgepäppelt werden. Um sie kümmerte sich gestern unter anderem Ilona Sass. "Die Huskys bekamen Wild und Nudeln zu fressen, damit sie langsam wieder zu Kräften kommen", so die Tierheimmitarbeiterin.

Länger als drei Wochen lebten an die 70 Schlittenhunde in einem Lkw plus Anhänger - eingepfercht in Transportboxen. Als der Eigentümer bei seinem Umzug von Schweden zurück nach Deutschland eine Autowerkstatt an der Schweriner Umgehungsstraße ansteuern musste, endete diese Irrfahrt. Polizisten war das Fahrzeug aufgefallen, es stand auf der Fahndungsliste. Beim Blick auf die Ladung wurde aus der Fahrzeugkontrolle rasch mehr. Die Polizeibeamten alarmierten das Veterinäramt. Die Halter, ein Engländer und seine deutsche Ehefrau, konnten für 63 Hunde Impfpässe vorlegen. "Dass es sich um noch mehr Huskys handelt, haben wir erst beim Abladen an der Holthusener Tierpension bemerkt," so Dr. Swantje Kuchenbuch, die beim Veterinäramt für den Tierschutz zuständig ist. Dorthin waren die Tiere mit dem Einverständnis der Eigentümer gebracht worden. Denn die waren nicht in der Lage, einen für den Transport der Tiere geeigneten Lkw zu beschaffen. Als dann auch das Futter für die Schlittenhunde knapp wurde, bat der Engländer um Hilfe. "Ansonsten hätten wir eingreifen müssen", betont Dr. Kuchenbuch.

Es war höchste Zeit, die Hunde artgerecht unterzubringen und ausreichend mit Wasser und Futter zu versorgen. "Wir haben allein drei, vier Stunden gebraucht, um alle Tiere aus den Boxen zu holen." In kleinen Gruppen wurden die Tiere in Zwingern mit viel Auslauf untergebracht. Die mussten über Nacht an der Tierpension aufgestellt werden. "Zwei Hündinnen hatte gerade geworfen", ergänzt Doris Schiemann, die die Tierpension betreibt. "Und am nächsten Morgen hatte wir eine dritte Hündin mit drei Welpen." Unterm Strich sind es jetzt 78 Tiere. Tendenz steigend: Denn in der Gruppe sind noch tragende Hündinnen. Für so viele Tiere war nicht genug Platz in Holthusen. Deshalb haben weitere Tierheime in Westmecklenburg kleine Gruppen aus dieses Husky-Rudel aufgenommen,

Die engagierte Tierschützerin kann angesichts dieser "Massentierhaltung" nur den Kopf schütteln. "Das ist nicht artgerecht, das kann kein Mensch allein bewältigen", schätzt Doris Schiemann ein. Dr. Swantje Kuchenbuch stimmt dem zu: "In Deutschland hätte der Eigentümer die artgerechte Haltung nachweisen müssen." Zehn Tiere pro betreuende Person seien hierzulande die Höchstgrenze - auch bei den geselligen Schlittenhunden.

Das scheinen die Eigentümer der Huskys inzwischen begriffen zu haben. Sie kooperieren mit dem Veterinäramt. Mündlich haben sie zugesagt, den Großteil der Tiere abzugeben. "Die Vermittlung kann beginnen, sobald die Eigentümer das schriftlich bestätigt haben", betont Dr. Olav Henschel, Leiter des Veterinäramtes. Die soll über die Tierpension Holthusen, Telefon 03865-844330, laufen. Doris Schiemann wird die Schlittenhunde nicht einfach so weggeben: "Die müssen an Tierliebhaber gehen, die es ernst meinen und so einem Energiebündel auch das erforderliche Umfeld bieten."

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