Fremdenhass : In Wismar geht die Angst um

<p>Die als Notunterkunft genutzte Sporthalle in Wismar</p>

Die als Notunterkunft genutzte Sporthalle in Wismar

Nach Baseballschlägerattacke auf Flüchtlinge sitzt der Schock tief

svz.de von
02. November 2015, 21:00 Uhr

Kühles Schmuddelwetter herrscht in der Hansestadt Wismar. Ein paar Schulkinder trödeln gestern Mittag durch einen kleinen Park in einem Plattenbauviertel, vorbei an einer umzäunten, mit Graffiti besprühten Turnhalle. In dieser Notunterkunft leben Flüchtlinge, vor allem Familien und viele Kinder, wie Florian Fust, der Leiter der Einrichtung, sagt. Informationen zu dem Überfall auf zwei Syrer am Wochenende dürfe er aber nicht geben, betont er. Auch reden wolle keiner der Betroffenen – weder über den Angriff noch über seine persönliche Situation.

Am Sonnabend Abend waren die 31 und 33 Jahre alten syrischen Flüchtlinge in dem Park vor ihrer Unterkunft von fünf bis zehn Tätern mit Baseballschlägern attackiert und niedergeschlagen worden. Sie erlitten Prellungen und Abschürfungen, einer der beiden auch einen Rippenbruch. Beide wurden nach der Behandlung im Krankenhaus wieder entlassen. Die Polizei ermittelt auf Hochtouren.

Der Vorfall habe alle schockiert, haupt- und ehrenamtliche Betreuer und vor allem die Flüchtlinge selbst, sagt Helferin Britta Fust von der Initiative „Wismar für alle“. „Sie haben Angst.“ Auch bei den Betreibern der Notunterkunft, den Maltesern, und den Ehrenamtlichen scheint die Angst tief zu sitzen. Immer wieder werden die Bewohner der Notunterkunft nach Angaben von Britta Fust darauf hingewiesen, nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr rauszugehen. Ein paar afghanische Männer, die gerade im Park spazierengehen, werden aufgefordert, mit niemandem zu reden und sich nicht fotografieren zu lassen.

Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) verurteilt den Angriff. „Wir (...) hoffen, dass die Täter schnell gefasst werden – das sind Kriminelle“, sagt er. „Es gibt keine Rechtfertigung für eine solche Tat“, betont auch Tilo Gundlack, Präsident der Bürgerschaft. „Die Hansestadt Wismar ist eine offene und tolerante Stadt. Tätliche Angriffe auf Minderheiten haben hier keinen Platz.“

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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