Nach zehn Jahren : In Rehna tickt die Rathausuhr

Hans Jochen Oldenburg und Rösi Reusch blicken nun wieder öfters in Richtung Rathaus. Dort hat ein elektronischer Zeitmesser seinen Dienst aufgenommen.  Fotos: Volker Bohlmann
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Hans Jochen Oldenburg und Rösi Reusch blicken nun wieder öfters in Richtung Rathaus. Dort hat ein elektronischer Zeitmesser seinen Dienst aufgenommen. Fotos: Volker Bohlmann

Nach zehn Jahren Stillstand gibt es wieder die richtige Uhrzeit am Ziegenmarkt. Stadt und Unternehmen investierten in Digitaluhr

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18. Dezember 2015, 16:06 Uhr

Sie geht wieder, die Uhr am Giebel des historischen Rathauses der Stadt Rehna. „Das haben sicherlich noch nicht alle Rehnaer bemerkt“, sagt Bürgermeister Hans Jochen Oldenburg.

In einer Gemeinschaftsaktion zwischen Stadt, dem Unternehmen Kieft & Kieft und dem Hauseigentümer gelang es im Herbst einen Jahrzehnte andauernden Stillstand zu beseitigen.

Rösi Reusch aus Rehna hat dem neuen Zeitmesser allerdings noch nicht ganz ihr Vertrauen geschenkt. Beinah ein Jahrzehnt stand sie mit der Uhr oberhalb des Ziegenmarktes quasi auf Kriegsfuß. „Das ist zwar schon gut zehn Jahre her, aber als ich mich das letzte Mal auf die Uhr verlassen habe, war ich im Glauben noch ausreichend Zeit zu haben. Also dachte ich, du kannst ja noch gemütlich durch die Stadt gehen. Als ich am Puschkinplatz ankam, da hatte die Beerdigung längst angefangen“, erinnert sich Rösi Reusch.

Nun müsse sie sich erst wieder an die Uhr gewöhnen, denn der neue Zeitmesser ist nicht nur optisch anders. „Da fehlt ja was. Früher hatte sie jede Viertelstunde geschlagen“, sagt Reusch. Der sanfte Schlag, den kennt auch Stadtoberhaupt Hans Jochen Oldenburg aus Kindheitstagen: „Nach Jahren des Stillstands ist das heute nicht mehr möglich, da sich im Rathaus nun Wohnungen befinden.“

Dabei war der Glockenschlag von Bedeutung. Rösi Reusch lacht und erinnert sich an so manch einen Streich aus ihrer Jugendzeit: „Auf der Wiese zwischen der Radegast und den Kruggärten wuchs bestes Kaninchenfutter. Da sind wir hin und haben das Grünfutter geerntet. Dank der Uhr wussten wir immer, was die Zeit geschlagen hatte. Um 12 Uhr kam der Eigentümer vorbei. Beim letzten Schlag waren wir längst verschwunden.“

Selbst im Alltag war die Uhr beinahe unersetzlich. Sie gab mit einer nicht überhörbaren „Zeitansage“ alle 15 Minuten Orientierung. Rösi Reusch: „Bis an die Radegast war das Läuten hörbar. Folglich hatten wir Kinder keine Ausrede für ein Zuspätkommen. Kamen wir unpünktlich, dann gab es Schacht.“ Mit Schlag halb 12 kamen die Kartoffeln auf den Herd und das Mittagessen pünktlich auf den Tisch.

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