300 Hektoliter Gerstensaft pro Jahr : In der Leezener Brauerei ist angezapft

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An der Abfüllanlage kann Braumeister Tim Hennings 100 Flaschen in einer Stunde abfüllen - per Hand. Heidrun Pätzold

Auf diesen Tag hat er lange hingearbeitet: Gestern Abend eröffnete Tim Hennings seine kleine Handwerksbrauerei in Leezen. 300 Hektoliter Gerstensaft pro Jahr will der Meister brauen.

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15. März 2013, 09:03 Uhr

Leezen | Auf diesen Tag hat er lange hingearbeitet: Gestern Abend eröffnete Tim Hennings seine kleine Handwerksbrauerei in Leezen. Sie befindet sich in der Schloßstraße 1. Von heute an hat sie geöffnet. Im Jahr will der Braumeister bis zu 300 Hektoliter Gerstensaft produzieren. Zum Standard gehören Pils und Rotbiere. Außerdem wolle er saisonale Biere wie Bock, Weizen, Weizenbock oder Märzen sowie englische Spezial biere wie Pale Ale und India Pale Ale herstellen. Das Sortiment komplettieren im Holzfass gelagerte Biere. Die Flaschenbiere gibt es in 0,5- Liter- und 0,75 Liter-Abfüllungen, die Fässer in 15, 30 und 50 Liter.

Tim Hennings verwendet beim Brauen keine künstlichen Stoffe. Das ist ihm wichtig. "In den Braukessel kommen nur ausgewählte und natürliche Zutaten. Um alle wichtigen Inhaltsstoffe und die natürliche Trübung zu erhalten, werden die Biere nicht filtriert oder vor der Abfüllung wie sonst üblich erhitzt. Durch die langen Gär- und Reifungsphasen haben die Biere Zeit, sich vollständig zu entwickeln. So werden sie nicht nur besonders bekömmlich, sondern erhalten auch ihren natürlichen und frischen Geschmack", erklärt der Experte. Er setze nämlich keine Hopfenextrakte und Farbstoffe ein.

Seine wichtigsten Zutaten sind: Wasser, Malz, Hopfen, Hefe. Bis auf die Hefe kommt alles zunächst ins Sudwerk, daraus entsteht die Bierwürze. Sie wird gekocht, auf zehn Grad heruntergekühlt, erst dann wird ihr Hefe zugesetzt. Diese vergärt den Zucker aus der Bierwürze zu Alkohol und Kohlendioxid. Das Jungbier bleibt eine Woche im Gärbottich, anschließend wird es in Lagertanks umgefüllt. Dort ruht es vier Wochen bei Null Grad. Erst dann ist das Bier reif und wird in Flaschen oder Fässern abgefüllt. Seine Produkte will der Braumeister direkt ab Brauerei in Leezen, aber auch übers Internet vertreiben. Zudem arbeitet er mit Gaststätten und Spezialitätenläden der Region, wie dem Bierpostamt in Schwerin, zusammen.

Wer das erste Mal in die kleine Handwerksbrauerei auf den Hof in die Leezener Schloßstraße kommt, dem zeigt Tim Hennings gern seinen kleinen Betrieb und erklärt die Herstellung. Denn, das habe er schon im Vorfeld gemerkt, das Interesse bei Kunden sei groß, etwas über die Bierproduktion zu erfahren. Auch Urlauber und Touristen oder andere Interessengruppen führe er gern durch seine Produktionsstätte, kündigt er an - nach vorheriger Anmeldung. Geöffnet hat die Brauerei dienstags bis donnerstags von 10 bis 16 Uhr, freitags von 10 bis 18 Uhr und sonnabends von 10 bis 13 Uhr.

Mitunter erzählt der 37-Jährige dann auch, dass er eher zufällig Brauer wurde. Eigentlich hatte sich der Langen Brützer nach der Schule schon entschieden, eine Lehre als Kaufmann für Groß- und Einzelhandel zu beginnen. Es kam anders: "Ich habe erfahren, dass noch Brauer für eine Ausbildung in Schwerin gesucht wurden." Er habe nach Bauchgefühl entschieden - zugunsten der Bierbrauerlehre. Und wenn er heute so zurückblickt, meint er, sich damals richtig entschieden zu haben.

Den Beruf gelernt hat Tim Hennings in der Schlossbrauerei Schwerin. Seinen Meister machte er in München. Als solcher habe er weiter in der Brauindustrie gearbeitet, zuletzt wieder in der Schweriner Schlossbrauerei. Die machte allerdings im Jahre 2011 dicht. Danach stand für Tim Hennings fest, dass er sich selbstständig macht. Es sei der besondere Reiz gewesen, ein für ihn optimales Produkt herzustellen - ausschließlich aus natürlichen Zutaten. Erste Erfahrungen als privater Bierbrauer hatte er. Hennings: "Ich habe schon früher gemeinsam mit Freunden erste Brauversuche in der eigenen Garage unternommen." So sammelte er Erfahrungen mit selbst ausgewählten Rohstoffen und Brautechniken. Und so sei ihm auch schnell klar geworden, dass er mit Malz, Hopfen und Hefe mehr als nur industrielle Einheitsbiere herstellen kann.

Die Räume für seine eigene Brauerei fand er im Nachbarort Leezen. Ganz früher, so erzählt Hennings, befand sich in diesem Gebäude die Flugzeughalle des Gutsbesitzers Berckemeyer. Zuletzt wurde sie aber als Autowerkstatt genutzt. Als diese hier auszog, stand die Halle längere Zeit leer. Im Vorjahr hat der Braumeister begonnen, die angemietete Halle so umzurüsten, das sie dem Lebensmittel-Standard entspricht. Unterstützt wurde er dabei von Firmen aus der Region, geholfen haben ihm aber auch Familie und Freunde. "Der Raum ist gefliest, es musste eine Lüftungsanlage eingebaut werden, Wände und Decken sind zum Teil erneuert worden, einige Wände sogar neu hochgezogen. Auch eine neue Elektroinstallation war nötig.

Damit allein aber war es nicht getan. Tim Hennigs musste sich auch die Brautechnik anschaffen. Zur Anlage gehören Würzepfanne, Läuterbottich, Gärbottiche und Lagertanks - alles aus Edelstahl, sowie eine Abfüllanlage.

Die Investition habe in etwa den Wert eines kleinen Einfamilienhauses, sagt der Langen Brützer. Dass er für sein Vorhaben Fördermittel vom Land erhalten habe, freue ihn. Zeigt es doch, dass auch andere an sein Projekt glauben.

Dass der Bierverbrauch in Deutschland gesunken ist, sei zwar Fakt, beunruhigt ihn aber nicht, so Hennings. Der pro Kopf-Verbrauch lag 1990 bei immerhin 142 Liter, im Vorjahr betrug er 105 Liter. Probleme hätten vor allem die großen Hersteller, meint Tim Hennings. Denn die Zahl der kleinen Bierbrauereien, zu denen er sich auch zähle, seien in den letzten Jahren stetig angestiegen. Sowohl in den USA als auch im europäischen Ausland entwickele sich eine Bierszene von Kleinbrauern, die ihren Fokus nicht auf Masse und Gewinnoptimierung, sondern auf hochwertige Biere legen. Dieser Trend, so der Langen Brützer Braumeister weiter, setzt sich seit einigen Jahren auch in Deutschland durch und soll an Mecklenburg und an Leezen nicht vorbeigehen.

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