Orchester-Party : In Dechow bebt der Dorfsaal

Was im vergangenen Jahr aus einer spontanen Idee heraus entstand und in einem fulminanten Konzert endete, fand am Sonnabend seine Fortsetzung: Hilde’s Dorforchester bekam Besuch aus Berlin von den Musikern des Blackbird Cafe Orchestra.  Fotos: Patricia Lösche
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Was im vergangenen Jahr aus einer spontanen Idee heraus entstand und in einem fulminanten Konzert endete, fand am Sonnabend seine Fortsetzung: Hilde’s Dorforchester bekam Besuch aus Berlin von den Musikern des Blackbird Cafe Orchestra. Fotos: Patricia Lösche

Mehr als zwei Dutzend Musiker aus Berlin und Mecklenburg gaben ein mitreißendes Konzert

svz.de von
02. November 2014, 23:07 Uhr

Das muss man erst einmal schaffen: Mecklenburger egal welchen Alters von den Sitzen zu reißen. In Dechow rockte am Wochenende drei Stunden lang der Dorfsaal. Wer sich zu Beginn des Konzerts über die freie Fläche vor der Bühne gewundert hatte, dem wurde der Sinn im Laufe des Abends bald klar. „Nutzt die Chance jetzt, wir sind erst im nächsten Jahr wieder da“, kündigte Uwe Langer, Kopf des Berliner Blackbird Cafe Orchestras an. Danach kam eine Mischung aus Klezmer, Sinti und Folk-Rock, verknotet und verwoben zu einem ganz eigenen, mitreißenden Kaffeehaus-Stil, bekannt geworden durch die Musik von Langers Stamm-Band „17 Hippies“.

„Eigentlich machen wir Hausmusik zum Tanzen im Stil der Hippies“, beschreibt der blonde Berliner seine Mitmach-Philosophie. Mit ihr tourt Langer auf Konzertreisen um die Welt und streut seinen „Berlin style of music“. Weltweit surfen inzwischen 20 Orchester auf dieser Welle, sogar in Vietnam hat sich ein Ableger gebildet.

Eines dieser Konzerte war es, was zur Gründung von Hildes Dorforchester geführt hatte. Nachdem die Musiker das Songbook Langers in die Finger bekommen hatten, nahmen sie Kontakt auf, um sich von Langer in einem Workshop musikalisch coachen zu lassen. „Daraus sind inzwischen Freundschaften entstanden“, erzählt Heike Lorenz, Cellistin von Hildes Dorforchester, das inzwischen eine feste Fangemeinde hat.

Im vergangenen Jahr kam es dann zum ersten gemeinsamen Auftritt in Dechow. Langer erinnert sich: „Als ich diesen Saal hier gesehen, die tolle Akustik erlebt habe, war alles klar. Die persönliche Chemie stimmte, das Ambiente – hier mussten wir auftreten.“

Das Dorforchester um das goldene musikalische Eier legende Maskottchen-Huhn Hilde, immer mit von der Partie, hat einen festen Platz im Leben der acht Band-Mitglieder aus dem Dechower Umland. Saxophonistin Nicole Bowe aus Groß Rünz: „Keiner von uns würde freiwillig die Dienstag-Proben verpassen.“ Der Untertitel, den sie sich gegeben haben, spricht Bände: Gesellschaft zur praktischen Verwendung organisierter Schallereignisse.

Nur einige Mitglieder dieser sehr ehrenwerten Gesellschaft, die mit ihrem Sound den Alltagsernst aufs Korn nehmen, haben auch beruflich mit Musik zu tun. Humor, Spaß, Lebensfreude aus dem Bauch raus sind das Hauptmotiv für ihre Musik, die dringend zum Mitmachen auffordert. „Wir lesen Federn auf, die auf dem Balkan, bei Klezmer oder sonst wo gelassen wurden, und was uns Lust macht, stecken wir uns an den Kamm“, sagen sie von sich selbst. Musik, wie sie früher war, als noch nicht Musik-Apps und Medien das Leben melodisch unterlegten. Man trifft sich, schwatzt, Bierchen, Rotwein, Klampfe. Jeder spielt auf seinem Instrument – oder auf dem des Nachbarn. Keines, das da nicht reinpasst. Akkordeon, Saxophon, Geige, Percussions, E-Gitarre, Cello: alles dabei.

Im Laufe der Jahre haben sie sich emanzipiert und Eigenes ins Programm aufgenommen. Wie das Medley „Over the Rainbow/Wonderful World“ des 1997 gestorbenen Hawaiianers Israel Kamakawiwo’ole, interpretiert von Willi Winter, der bei „Hilde“ auch für Akustik-Gitarre und Keyboards zuständig ist. Perfekt imitiert er dazu die Stimme des legendären Louis „Satchmo“ Armstrong.

Als am Ende die Bühne mit den 27 Musikern beider Bands und einer noch größeren Anzahl von Musikinstrumenten vollständig ausgefüllt war, war es auch die Tanzfläche. Nur Besucher mit gesundheitlichen Problemen saßen noch Füße wippend auf den Stühlen, alle anderen hatten dem Zucken in den Beinen nachgegeben und tanzten: allein, zu zweit, in Reihe – egal. Marianne Grote, zu Besuch aus Berlin, fasst es in ein Wort: „Phantastisch.“




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