Vertriebenenlager Nesow : „Immer stehen frische Blumen da“

Haben den Gedenkort initiiert: Pfarrer Ferdinand Zerhusen, Ex-Lagerbewohnerin Elisabeth Hille, Rehnas Bürgermeister Hans Jochen Oldenburg und Pastor Andreas Ortlieb (v.l.).  Fotos: peter täufel (2)
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Haben den Gedenkort initiiert: Pfarrer Ferdinand Zerhusen, Ex-Lagerbewohnerin Elisabeth Hille, Rehnas Bürgermeister Hans Jochen Oldenburg und Pastor Andreas Ortlieb (v.l.). Fotos: peter täufel (2)

Stein und Informationstafel am Weg zum ehemaligen Vertriebenenlager Nesow ist ein Gedenkort – finanziert von Stadt und Kirchen

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14. Mai 2017, 05:00 Uhr

Etwa 2000 Vertriebene aus dem Sudetenland strandeten 1946 hier – mehr als ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Sie haben die Region um Rehna und Gadebusch geprägt. „Sie sind verantwortlich dafür, dass es in Rehna wieder eine katholische Gemeinde gibt“, sagt Pfarrer Ferdinand Zerhusen.

Nicht zuletzt ein Grund für ihn, gemeinsam mit dem evangelischen Pastor Andreas Ortlieb und Unterstützung der Stadt Rehna einen Ort zu schaffen, an dem sich die Menschen informieren und erinnern können. Seit einiger Zeit stehen nun am Beginn des Waldwegs, der zu dem ehemaligen Lager führt, ein Gedenkstein und eine Info-Tafel. „Wir finden, das ist der richtige Ort. Hier, unmittelbar an der B 104 sorgt er für Aufmerksamkeit – mehr als am eigentlichen Lagerort im Wald“, sind sich die Initiatoren einig. „Und dass ständig frische Blumen hier stehen zeigt, dass es als Gedenkort angenommen wird“, fügt Pfarrer Ortlieb hinzu. Zudem könne man auf der Info-Tafel schon vorab den Aufbau des Lagers, die Lage der Baracken, den Ort für die Gottesdienste und Andachten und die Anordnung der Wege erkennen.

Für den Entwurf dieser Karte ist die Ehefrau des Pasors, Anke Ortlieb, mit der ehemaligen Lagerbewohnerin Elisabeth Hille durch den Wald gestreift. „Das hat unheimlichen Spaß gemacht, die alten, zugewucherten Wege zu beschreiten, die Orte aufzusuchen, so viele Jahre später“, sagt Elisabeth Hille. Gerade einmal eineinhalb Jahre alt war sie, als sie mit dem letzten Transport, gemeinsam mit ihren Eltern und drei Geschwistern hier ankam. „Wir waren das erste halbe Jahr in einem Erdbunker untergebracht, erst danach konnten wir in eine der dünnen und zugigen Holzbaracken ziehen“, erinnert sie sich. Geblieben ist die Familie in dem Lager bis 1968.

Wie groß das Interesse an der Geschichte und dem Ort des ehemaligen Vertriebenenlagers Nesow ist, hat der ökumenische Gottesdienst anlässlich des 70. Jahrestages im vergangenen Jahr gezeigt: Mehr als 100 ehemalige Bewohner und deren Nachkommen waren aus allen Ecken Deutschlands gekommen, um zu gedenken. „Ob es künftig regelmäßige Veranstaltungen geben wird, ist nicht sicher. Aber es ist gut, dass die Menschen jetzt einen Ort haben, der die Erinnerung wach hält“, so Pastor Ortlieb.

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