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Umweltverschmutzung in Pokrent : Im Wald wächst die wilde Deponie

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Bürger schütten Küchenabfälle und Bauschutt den Pokrentern vor ihre Haustür

von
erstellt am 22.Feb.2016 | 23:10 Uhr

Rosenkohlblätter auf Kartoffelschale, Ganze Kartoffeln mit Tulpengrün, Kunststoff-Weihnachtsbaumnetz mit Nadelzweig – an kreativen Ideen mangelt es in der Pokrenter Waldlandschaft nicht. Gemeindearbeiter Guido Krafft und Bürgermeister Stefan Janssen schätzen grundsätzlich die Hilfe und die Unterstützung in ihrer Gemeinde. Aber: „Was hier vor Ort hinter dem Grubenberg einfach in den Wald gekippt wird, das ist nicht mehr schön“, sagt Krafft. Genau genommen geht es um den Waldweg zwischen Pokrent und Alt Pokrent. Dort werden seit Wochen säckeweise Gartenabfälle, Bauschutt und nicht zuletzt Tierkadaver gekippt und abgelegt. „Tote Hühner lagen direkt auf dem Laubberg“, sagt Krafft. Er sticht mit der Forke in einen Berg Folien. „Der lag heute auf der anderen Seite des Weges.“ Gleich daneben befindet sich eine undefinierbare gelbe Masse – vermutlich Baukleber. Selbst Küchenabfälle wie Kartoffeln, Rosenkohl, Maiskolben und fein zerkleinerte Tannenbäume werden in die Landschaft gekippt.

Seit Herbst vergangenen Jahres scheint somit möglicherweise nicht wenigen Pokrentern und Bürgern umliegender Orte der Weg in den Wald näher zu sein, anstatt die Stoffe auf dem Hof zu kompostieren oder den Bauschutt gegen eine geringe Gebühr in Rosenhagen entsorgen zu lassen. „Es ist leider so, dass wir sogar Kühlschränke und Elektroschrott bereits entsorgen durften“, sagt Bürgermeister Stefan Janssen. Unterstützung erhält die Gemeinde nicht selten von den Jägern, die mit anpacken. „Wir haben bereist den privaten Waldeigentümer angeschrieben, ebenso ist der Kreis in der Pflicht“, so Janssen. Immerhin ertappte der Wehrleiter im vergangenen Jahr einen Bürger, der seinen Unrat abkippte, die erwischte Person habe den Unrat zügig wieder aufgeladen.

Dabei ist eine Müllentsorgung im Wald längst kein Kavaliersdelikt. „Es handelt sich um eine Ordnungswidrigkeit, wo der Landkreis zuständig ist“, sagt Marita Firchau. Die Mitarbeiterin des Ordnungsamtes Lützow-Lübstorf wünscht sich eine stärkere Unterstützung durch den Landkreis. Pokrent sei nur ein Beispiel. Nicht selten gibt es Hinweise auch aus anderen Gemeinden, wo Einwohner mit voll beladenen Schubkarren in Richtung Wald unterwegs seien. Dabei ist das Abladen von Grünschnitt verboten. „Die Eigenkompostierung bzw. die Anforderung einer Biotonne beim Abfallwirtschaftsbetrieb sind möglich. Der Weg in den Wald ist nicht der richtige“, sagt Firchau.

Wie die Gemeinde mit den mehr als drei Tonnen Abfall umgehen soll, können Krafft und Janssen nicht abschließend sagen. Fakt ist: Eine Entsorgung auf Gemeindeinitiative gibt es nicht zwingend zum Nulltarif. Geld, was die eher klammen Kommunen lieber anderweitig einsetzen würden. Bürgermeister Stefan Janssen setzt auch auf einen Appell an die Bürger und auf die mögliche Einsicht zum sorgsameren Umgang mit ihrer Natur.

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