Eltern auf Zeit : Idyllisches Familienleben

Andreas und Dorina Erdmann aus Buchholz bei Gadebusch haben als Pflegeeltern zwei Kindern ein neues Zuhause gegeben.
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Andreas und Dorina Erdmann aus Buchholz bei Gadebusch haben als Pflegeeltern zwei Kindern ein neues Zuhause gegeben.

Andreas und Dorina Erdmann geben als Pflegeeltern zwei Kindern ein neues Zuhause

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16. März 2014, 00:18 Uhr

Andreas und Dorina Erdmann sind glücklich. Gemeinsam mit ihren beiden Kindern leben sie im kleinen Dorf Buchholz bei Gadebusch. Doch was auf den ersten Blick aussieht wie ein idyllisches, aber doch gewöhnliches Familienleben, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als interessante Geschichte. Denn Andreas und Dorina Erdmann sind Pflegeeltern. Weder der elfjährige Michael noch die neunjährige Sarah-Marie sind ihre leiblichen Kinder.

„Normalerweise hätten wir Kinder adoptiert“, erzählt Andreas Erdmann. Vor mehr als 15 Jahren kamen jedoch auf ein Kind, das zur Adoption freigegeben wurde, gut 30 Anwärter. Daher entschloss sich das Ehepaar, das keine eigenen Kinder bekommen kann, zu einem anderen Weg. „Michael war elf Monate alt, als er zu uns kam. Es war eine Pflegestelle mit Aussicht auf Adoption“, erinnert sich Dorina Erdmann. Daraus sei dann aber eine Dauerpflege bis zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit geworden, so die 44-Jährige. „Sie haben uns anfangs gesagt, dass das Kind auch schnell wieder weg sein kann“, betont Andreas Erdmann, „aber so eine Chance bekommt man nicht wieder.“ Also ergriffen sie die Möglichkeit und nahmen Michael auf. Kaum zwei Jahre später kam die damals einjährige Sarah-Marie hinzu. „Man führt ad hoc ein Elterndasein und hat nicht die Gelegenheit dort hineinzuwachsen“, so der 49-Jährige. Im Grunde genommen seien sie aber eine normale Familie, sagt Dorina Erdmann, „das einzige ist der bürokratische Mehraufwand.“ Das Jugendamt halte beständig Kontakt zu ihnen und mache regelmäßig Hausbesuche.

Nicht nur die Familie Erdmann ist in dieser Situation. Derzeit leben in Nordwestmecklenburg 86 Pflegekinder in 63 Pflegefamilien. Die Gründe für die Pflege umfassen dabei Vernachlässigung und unzureichende Versorgung der Kinder. „Häufiger sind aber Kuren oder Krankheiten der Eltern“, erklärt Elke Aurich. Insbesondere junge Kinder im Alter von null bis zehn Jahren würden in Pflegefamilien untergebracht, so die Sachgebietsleiterin des sozialpädagogischen Dienstes des Landkreis Nordwestmecklenburg. Ziel sei dabei die Rückführung in die Herkunftsfamilie. „Wir haben aber auch die Situationen, wo dies nicht möglich ist“, so die 55-Jährige. Dann kann es wie bei der Familie Erdmann zu einer Dauerpflege kommen. Dennoch sind auch in solchen Fälle Kontakte zwischen dem Kind und den leiblichen Eltern erwünscht. „Damit muss die Pflegefamilie umgehen können“, betont Aurich.

Andreas und Dorina Erdmann bereuen ihre Entscheidung jedenfalls nicht. „Es ist gut so, wie es ist und die Kinder geben uns viel zurück“, so Andreas Erdmann.

Alle, die interessiert sind Pflegeeltern zu werden, können sich beim Fachdienst Jugend des Landkreises melden. Ansprechpartner sind Kathleen Freitag unter Tel.: 03841-30 40 51 55 und Andrea Gering unter Tel.: 03841-30 40 51 50.

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