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Holger Glaner

Jamel : „Ich lasse mich nicht in die rechte Ecke stellen“

Uwe Wandel, Bürgermeister der Gemeinde Gägelow, im SVZ-Interview


von
2018-07-07 05:00:00.0, 2018-07-07 05:00:00.0 Uhr

Knapp 40 Einwohner zählt das kleine zur Gemeinde Gägelow gehörende Dorf Jamel. Als „Nazidorf“ erlangte der Ort traurige bundesweite Berühmtheit. Bürgermeister Uwe Wandel (60, parteilos) spricht mit SVZ-Redakteur Holger Glaner über die umstrittene Verpachtung einer Weidefläche an einen rechten Einwohner, persönliche Anschuldigungen durch die Polizei und über endlose Diskussionen um den Umgang mit den Neonazis im Dorf.

Verschiedene Medien üben in diesen Tagen scharfe Kritik an Ihrer Gemeinde, weil diese eine mitten in Jamel gelegene Weidefläche an ein offensichtlich rechts gesinntes Ehepaar verpachtet hat. Wie stehen Sie dazu?
Uwe Wandel: Natürlich kann man darüber diskutieren, ob die Entscheidung unseres Hauptausschusses zur Verpachtung besagter Weidefläche an dieses Ehepaar glücklich war oder nicht. Deshalb lasse ich mich aber noch lange nicht in die rechte Ecke stellen.

Wer stellt Sie in eine rechte Ecke?
Die Polizei und Vertreter des Landkreises Nordwestmecklenburg haben mir in einer gemeinsamen Beratung unterstellt, dass ich Nazis unterstützen würde. So etwas ist mir in elf Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit als Bürgermeister noch nicht passiert. Ich habe dieses Treffen dann nach einer Viertelstunde vorzeitig verlassen.

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Wussten Sie, dass der Pächter in der rechten Szene zu Hause ist?
Dass er Rechter ist, ist uns allen bekannt. Aber er ist auch zweifacher Familienvater, macht seit 20 Jahren einen ordentlichen Job als Pfleger und hält nebenbei Ziegen, Gänse und Enten. Der braucht die Fläche tatsächlich zur Nutzung als Weide. Mit welcher Begründung soll ich ihm die Verpachtung verweigern? Doch nicht, weil er rechtes Gedankengut vertritt und ganz in der Nähe des NPD-Politikers Sven Krüger wohnt.

Genau das wird aber offensichtlich von Ihnen erwartet.
Sind wir als Gemeinde denn überhaupt befugt, Gesinnungsüberprüfungen durchzuführen? Ich denke, nein. Wo sollte das denn auch hinführen? Heute ein paar Benachteiligungen für die Rechten, morgen die AfD und am Ende bleiben nur noch SPD und CDU? Dabei ist schon in Artikel 3 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland festgelegt, dass niemand wegen seiner politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden darf.

Sie sind stinkesauer.
Na klar. Und wenn dann auch noch mein erster stellvertretender Bürgermeister, der als Polizist in Wismar seinen Dienst tut, wegen einer aus seiner ehrenamtlichen Tätigkeit resultierenden Nähe zu Jamel an einen anderen Standort strafversetzt wird, nimmt das ganze Theater Dimensionen an, die mit Rechtsstaatlichkeit nichts mehr zu tun haben. Viele Medien sind da auch nicht viel besser.

Wie darf ich das verstehen?
Als Journalist ist es doch ganz einfach. Da wird mit dem Finger auf das Nazidorf gezeigt, Schlagzeile drüber, fertig. Und schon sind Sie wieder weg. Die Hintergründe beleuchtet kaum jemand. Aber wer in Jamel in Ruhe leben will, muss sich dort arrangieren. Das ist einfach so. Und das ist der Konflikt, mit dem wir hier leben und täglich klar kommen müssen.

Ich frage Sie: Wenn jemand Nazi war oder ist, darf ich dann ein Leben lang nicht mehr mit ihm sprechen? Wie will ich dann aber Menschen ändern, wenn ich nicht mit ihnen spreche? Sich gegenseitig in die Ecken drängen ist keine Lösung.

Knapp 40 Einwohner zählt das kleine zur Gemeinde Gägelow gehörende Dorf Jamel. Als „Nazidorf“ erlangte der Ort traurige bundesweite Berühmtheit. Bürgermeister Uwe Wandel (60, parteilos) spricht mit SVZ-Re...

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Kommentare

  • 07.07.2018 | 10:51 Uhr
    Ernst Rodenbeck

    Ja, was denn?

    Ja, was denn? Das "Künstlerehepaar" (also die Guten) braucht die Wiese nur ca. eine Woche im Jahr. Ich glaube kaum, dass diese Künstler sich die restlichen 51 Wochen im Jahr um die Fläche kümmern, mähen, pflegen usw.. Was also liegt näher, die Wiese für 51 Wochen an einen Nutzer zu vergeben, der dafür sorgt, dass die Fläche nicht verwildert?!
    Und nun mal ehrlich - das Kotelett von einem "Nasi-Lamm" schmeckt auch nicht anders als ein koscheres...

  • 07.07.2018 | 07:42 Uhr
    Torsten Hell

    Das ist Demokratie und MEinungsfreiheit

    Herr Wandel ich wünsche Ihnen viel Kraft für Ihre EHRENAMTLICHE Tätigkeit!!
    Ihr Demokratie und Meinungsfreiheits - Verständnis teile ich unbedingt !
    Ist es schon wieder soweit : "kauft nicht beim ...." ; " Eigenbesitz ist dem .... nicht erlaubt"usw. ???