Überraschungsfund : Hunderte „Österreicher“ im Wald

Fantastische Farbgebung: der Österreichische  Prachtbecher  Fotos: torsten Richter
Fantastische Farbgebung: der Österreichische Prachtbecher Fotos: torsten Richter

Pilzverein „Heinrich Sternberg“ Rehna entdeckt feuerrote Frühjahrsboten im Wald bei Selmsdorf

svz.de von
06. März 2014, 00:00 Uhr

Das vorgezogene Frühjahr macht es möglich: Kranich, Weißstorch, Pestwurz, Schneeglöckchen, Leberblümchen, Krokus und noch viele andere Pflanzen und Tiere künden den Frühling an. Und im stiefmütterlich behandelten Reich der Pilze? Da gibt es sie auch, die Signale des Frühlings. Mitglieder des Pilzvereins „Heinrich Sternberg“ Rehna erkundeten die ersten Waldgebiete – mit Erfolg.

„Feuerwehrrote Boten in Becherform durchbrechen das noch kühle, feuchte Blattwerk des Vorjahres und überraschen die aufmerksamen Spaziergänger entlang von Waldwegen und feuchten Senken“, sagt Pilzvereinschef Torsten Richter. Gemeint sind die Österreichischen Prachtbecher (lat. Sarcoscypha austriaca), die derzeit in einem Waldgebiet bei Selmsdorf zu Hunderten zu beobachten sind. „Dieser schöne, im Norden relativ seltene Pilz erscheint bereits nach der Schneeschmelze, vor allem in auwaldartigen Wäldern und entlang von Bach- und Wegrändern auf liegenden Ästen von Weide, Ahorn und Erle“, sagt Richter. Seine knallroten, bis zu acht Zentimeter großen Fruchtkörper verzaubern den Vorfrühlingswald und erinnern an seine weit wegwohnende Verwandtschaft. Fast alle Verwandten des Österreichischen Kelch- oder Prachtbechers bevorzugen nämlich ein Leben in den Tropen und da geht es ja bekanntlich recht bunt zu. „Zu erkennen ist der ,Österreicher‘ an seiner scharlachroten Fruchtschicht (Hymenium). Die Becher sind oft gestielt und die weißliche Außenseite ist dicht feinfilzig“, so der Fachmann. In unseren Breiten gilt der Österreichische Becher als selten und er benötigt für seine Lebensprozesse feuchte Standorte, gerne in lehmigen Schluchten und an Hängen. Dort werden die jungen, gestielten Fruchtkörper oft bereits im November und Dezember angelegt. Sie wachsen in jeder milden Winterperiode ein Stück weiter, bis zu dem Tag, an dem sie die beblätterte Altlast des Vorjahres beiseite schieben und die Naturfreunde begeistern. So bleibt nur noch ein Gedanke: Es wird Frühling!

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