Schutz vor Wolfsangriffen : Hunde passen auf „ihre“ Herde auf

Inspizieren gemeinsam den Zaun: Klaus Seebürger mit seinen Schutzhunden.
Inspizieren gemeinsam den Zaun: Klaus Seebürger mit seinen Schutzhunden.

Klaus Seebürger setzt gegen Wolfsangriffe ausgebildete Schutzhunde in seinen Schafherden ein. Ausbildung ist langwierig und teuer

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28. Januar 2016, 12:00 Uhr

Acht Herdenschutzhunde hat Klaus Seebürger zum Schutz seiner Schafe im Laufe der Jahre angeschafft, fünf von ihnen sind noch in Ausbildung, zwei kamen als Welpen aus Kanada. „Ich beschäftige mich schon seit 1999 mit diesen Hunden“, so der Schäfer aus Preten.“

Die Hunde der Rassen Pyrenäen Berghund und Akbash sollen verhindern, dass es zu viele Schafsrisse durch den zurückgekehrten Wolf gibt. Erst vor Kurzem, am 28. Dezember, fielen Wölfe in eine Herde der Schäferei Seebürger in Volzrade bei Lübtheen ein, und töteten insgesamt 15 Tiere. Sechs Schafe wurden verletzt und drei davon starben noch in den nächsten Tagen an ihren Verletzungen. „Wir bekommen als Schäfer ja den Schaden ersetzt, wenn auch ein großer, bürokratischen Aufwand betrieben werden muss. Aber es ist natürlich auch kein schöner Anblick, wenn gerissene Schafe auf der Weide liegen. Die Tiere werden auch nicht alle gleich tot gebissen, sondern manche so verletzt, dass sie noch einige Tage leben, das ist dann schwer zu ertragen.“

Doch der Wolf ist streng geschützt, man müsse sich mit ihm arrangieren, so Seebürger. Der Schutz geschieht zum einen mit Elektrozäunen, die bestimmte Bedingungen erfüllen müssen. Nur wenn alles vorhanden ist, gibt es einen Schadensausgleich. Eine zweite Möglichkeit, Wölfe abzuhalten, in eine Herde einzubrechen, sind die Schutzhunde. Auch hier gibt es finanzielle Hilfen bei der Anschaffung. „Ein Welpe diser Rassen kostet schon 1000 Euro und ein ausgebildeter Herdenschutzhund bereits 3500 Euro“, erläutert Klaus Seebürger. Doch die Ausbildungskosten, die Futter-, Tierarzt- und Versicherungskosten trägt allein der Schäfer.

„Gut ausgebildete Herdenschutzhunde sind ein wichtiger Bestandteil möglicher Präventionsmaßnahmen gegen Wolfsübergriffe. Daher wird die Anschaffung und Ausbildung von Herdenschutzhunden im Wolfsgebiet des Landes Mecklenburg-Vorpommern auch mit bis zu 75 Prozent der Kosten gefördert“, sagt Kristin Zscheile vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie in Güstrow und zuständig für das Wolfsmonitoring.

Doch die Hunde-Ausbildung dauert. „Bis sie vernünftig werden, gehen drei Jahre ins Land“, so Seebürger. Idealerweise werden sie in der Herde geboren und wachsen da auf, werden hier sozialisiert. Sie sollen den Menschen als „Chef“ akzeptieren, aber keine zu enge Bindung zu ihm aufbauen. Die Schafe sind ihre Herde.

Zwei Hunde sollten ein Herde nachts beschützen. Am Tage werden sie meist in einem Pferch oder auf einem Hänger eingesperrt, denn mit den Hütehunden verstehen sie sich nicht besonders gut. Tagsüber versehen dann die Hütehunde ihren Dienst und abends, wenn Schäfer und Hütehunde auf die Hofstelle zurückkommen, sind die Schutzhunde dran.

Oft reicht es, wenn die Hunde laut bellen, dann zieht der Wolf im Idealfall weiter. Doch Klaus Seebürger hat auch schon erlebt, dass Wölfe oder ein Wolf Schafe getötet haben, obwohl ein Schutzhund bei der Herde war. „Das ist dann der Fall, wenn die Schafe in Panik geraten und der Wolf es geschafft hat, die Tiere aus dem Pferch rauszudrücken. Ich denke aber, dass der Schaden dann ohne den Hund noch größer gewesen wäre.“ Klaus Seebürger würde es begrüßen, dass Leute, die Schafe dort beobachten, wo sie nicht hingehören, zum Telefon greifen und bei Polizei oder einer Schäferei Bescheid sagen. Man sei unter den Schäfern gut vernetzt und der eine würde den anderen informieren. Nach dem Vorfall in Volzrade muss übrigens ein Schaf immer noch in der Gegend zwischen Jessenitz und Lübtheen herumirren.

Und Seebürger hat noch einen Wunsch: „Die Arbeit mit den Hunden ist sehr, sehr aufwendig und auch kostenintensiv. Wir leisten also praktisch unentgeltlich Arbeit für den Naturschutz. Ich würde mir wünschen, dass das Anerkennung findet.“

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