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Gadebusch: Neufassung der Amtsverordnung : Hunde müssen jetzt an die Leine

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Paragraf fünf der Neufassung der Amtsverordnung legt die Hunde im Amtsbereich Gadebusch an die kurze Leine: Dort ist geregelt, wie sich Frauchen und Herrchen zu verhalten haben, wenn sie ihre Vierbeiner mitführen.

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erstellt am 04.Aug.2013 | 10:25 Uhr

Gadebusch | Paragraf fünf der Neufassung der Amtsverordnung legt die Hunde im Amtsbereich Gadebusch an die kurze Leine: In acht Absätzen ist dort geregelt, wie sich Frauchen und Herrchen zu verhalten haben, wenn sie ihre Vierbeiner mitführen. Innerhalb von geschlossenen Ortschaften sind Hunde demnach grundsätzlich an der Leine zu führen, bissige und bösartige Tiere müssen Maulkörbe tragen. "Diese Regelungen sind neu, das war vorher nicht so", sagt Andreas Lausen, Leitender Verwaltungsbeamter. In dem Teil des Amtsgebietes, der innerhalb des Biosphärenreservates liege, gelte die Leinenpflicht ohnehin auch außerhalb geschlossener Ortschaften, in allen anderen Gemeinden dürfen Hunde außerhalb von Ortschaften frei laufen "wenn sie zuverlässig gehorchen", so Lausen.

Und genau da, sagt der Leitende Verwaltungsbeamte, liege häufig das Problem: "Auch wenn Hundebesitzer davon ausgehen, dass ihre Tiere hören - in der Praxis ist das häufig anders." Und so seien es auch Vorfälle gewesen, in denen, unter anderem in Stöllnitz, Hunde immer wieder Rehwild gehetzt und gerissen hätten, die Auslöser für die verschärften Haltungsbedingungen gewesen seien.

"In Stöllnitz und Alt Steinbeck hat es Vorfälle gegeben, auch über einen längeren Zeitraum", bestätigt Werner Guschewski, Bürgermeister der Gemeinde Krembz, die unmittelbar an das Biosphärenreservat grenzt. "Das ist ein Ärgernis. Die Halter sind bekannt, es hat da auch Aussprachen gegeben", so der Bürgermeister. Viel schlimmer sei seiner Auffassung nach, "wie unwahrscheinlich viele Hundehalter sich nicht an den Leinenzwang halten. Die gibt es in allen Ortsteilen", ärgert sich Guschewski. Die neuen Bestimmungen für Hundehalter unterstreichen die Leinenpflicht, allerdings: "Wie will man nachweisen, dass ein Hund ohne Leine unterwegs war? Da steht dann Aussage gegen Aussage."

Ralf Koeppe, Vorsitzender des Hundesportvereins Gadebusch, ärgert sich über den permanenten Leinenzwang - auch wenn er auf das Training seines Vereins, das vorwiegend auf dem komplett umzäunten Trainingsgelände stattfindet, keine Auswirkungen hat. "Es ist laut Tierschutzgesetz unsere Pflicht als Hundehalter, unseren Tieren Freilauf zu ermöglichen. Durch diese Regelungen beschneidet man uns darin, unseren Hundehalterpflichten nachkommen zu können", sagt Koeppe. Auch für ihn , betont der Rehnaer, seien freilaufende Hunde auf Spielplätzen oder in Parkanlagen indiskutabel - ebenso jedoch, wie eine "Sippenhaft" für alle Hundebesitzer. "Meistens sind solche Regelungen Ergebnis irgendwelcher Geschehnisse, die für die Allgemeinheit schwer nachzuvollziehen sind: Warum wird nicht gegen den Einzelnen vorgegangen, der versagt, sondern werden pauschal alle bestraft?"

Koeppe sieht weitere Probleme in den neuen Bestimmungen: Es sei durch Studien der Tierklinik Hannover erwiesen, dass permanenter Leinenzwang zu Aggressionsverhalten führe. Zudem gebe es genügend gesetzliche Regelungen, die weitere Bestimmungen nicht notwendig machten: "Das Ordnungsamt hat auch ohne weitere Bestimmungen eine Handhabe gegen auffällige Hunde und die Straßenverkehrsregelung schreibt vor, wie man seinen Hund im Straßenverkehr zu führen hat. Diese Regelungen sind ein Aktionismus, der nicht Not tut."

Zugleich sieht er, mit den neuen Regelungen im Amt Gadebusch oder auch der Hundeverordnung in der Stadt Rehna, die im vergangenen Jahr in Kraft trat, die Ämter und Gemeinden in der Pflicht: "Wenn die Rechte der Hundehalter in dieser Art eingeschränkt werden, muss auch für Ausgleich gesorgt werden, beispielsweise in Form einer ausreichend großen, umzäunten Freilauffläche mit Kotbeutelspendern und Mülleimern. "In mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen, wo gegen die Hundeverordnungen geklagt wurde, haben die Gerichte geurteilt, dass ein Ausgleich zu schaffen sei", weiß Koeppe zu berichten.

Unterstützung bekommt er von Annette Herbing. "Das sollte wirklich überlegt werden, ob man eine solche Freifläche nicht anbietet", sagt die Leiterin des Gadebuscher Tierheims. Denn viele Menschen hätten keine Alternativen, als mit ihren Tieren innerhalb der Ortschaften zu gehen. "Dann muss man ihnen eben eine Alternative schaffen", sagt Herbing. Die im Tierheim lebenden Hunde werden ohnehin ausschließlich an der Leine ausgeführt. "Die Hunde können in unseren eingezäunten Ausläufen ohne Leine toben. Ansonsten gehen wir mit zehn bis zwanzig Meter langen Laufleinen mit ihnen, so dass auch dann ein gewisser Radius gewährleistet ist."

Beiße ein freilaufender Hund einen Menschen, sagt der Leitende Verwaltungsbeamte Andreas Lausen, trage der Halter die Schuld. "Solche Fälle werden vom Amt verfolgt, haben aber auch strafrechtliche Konsequenzen, wenn der Gebissene Anzeige erstattet", macht Lausen deutlich. Allerdings weiß auch er, dass die flächendeckende Kontrolle von Hundehaltern im Amtsbereich nahezu unmöglich ist. "Wir haben Außendienstler, die die Menschen auch ansprechen. Allerdings werden wir in den meisten Fällen erst eingeschaltet, wenn es bereits zu spät ist."

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