Hilfe in schweren stunden : Hospizverein gibt Halt

Die Mitglieder des Kurses kommen aus unterschiedlichen Altersgruppen. Sie haben einen gemeinsamen Anspruch: Helfen in schweren Stunden.
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Die Mitglieder des Kurses kommen aus unterschiedlichen Altersgruppen. Sie haben einen gemeinsamen Anspruch: Helfen in schweren Stunden.

Rehnaer Unternehmen unterstützt Vorbereitungen auf das Ehrenamt zum Hospizbegleiter

svz.de von
20. November 2014, 00:54 Uhr

Kerzenlicht auf dem Fußboden, Blumen und ein paar Stoffe; gemütlich und einladend sieht es aus im Gemeindesaal des Anna-Hospitals in Schwerin. Drei Männer und sechs Frauen sitzen im Halbkreis zusammen und blicken Kerstin Markert, Koordinatorin des Hospizvereins Schwerin e.V., erwartungsvoll an. Nach zwei Wochenenden im Oktober ist dieser Donnerstagabend Mitte November der letzte Termin des Grundkurses für die Interessenten an einem Ehrenamt als Hospizbegleiter.

Die awekProtech GmbH Rehna, Hersteller für Kabelkonfektion, Kabelbäume sowie Spezialist für Metallbearbeitung, begleitet den Hospizverein Schwerin e.V. „Die Arbeit des Hospizvereins unterstützen wir gern, da wir den Hospizgedanken für sehr wertvoll halten“, sagt Dirk Dönges, Geschäftsführer der awekProtech, „sowohl die Kranken als auch ihre Angehörigen sollten in dieser Zeit angemessene Unterstützung bekommen, wenn sie das wünschen und brauchen. Darum sind zuerst die Menschen wichtig, die für andere in diesen Momenten da sein wollen und danach kommt die finanzielle Hilfe.“

Auf Hilfe ist der Inhalt des Kurses abgestimmt. Unter anderem geht es um den Prozess des Sterbens, Organisationsstrukturen in der Hospizarbeit, das Konzept der Begleitung und Kommunikation. Insbesondere der Verständigung kommt in diesem letzten Lebensabschnitt eines Menschen eine besondere Bedeutung zu. So erfordern die Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross ganz unterschiedliche Kommunikation. Auch spricht Kerstin Markert von der Symbolsprache Sterbender und berichtet von eigenen Erfahrungen während der Begleitung.

In diesem Grundkurs zur Befähigung werden die Handlungsebenen vermittelt. Danach können erste Erfahrungen in der konkreten Situation der Begleitung gesammelt werden. Im folgenden Aufbaukurs, den Workshops und weiteren Fortbildungseinheiten geht es auch um Reflexion der Erfahrungen aus der Praxis und vertiefende Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung gegenüber dem Tod und dem Sterben.

Insgesamt müssen rund 100 Stunden absolviert werden, um als Begleiter tätig werden zu können. „Und selbst dann betreuen wir als Verein unsere Ehrenamtlichen selbstverständlich weiter“, sagt Kerstin Markert. „Das Wichtigste während einer Begleitung ist das Aushalten. Nicht seine eigenen Werte, Vorstellungen oder Urteile in den Mittelpunkt zu stellen, sondern sich auf den anderen einzustellen, ihn und seine Stimmungen so anzunehmen, wie er ist“, so die Koordinatorin des Vereins weiter. Das erfordere viel Kraft. So können sich die Mitarbeiter des Hospizvereins in Supervisionen selbst reflektieren.

Die Teilnehmer des Kurses interessieren sich aus den verschiedenen Motiven heraus für ein Ehrenamt beim Hospizverein. Oftmals steckt ein eigener Verlust dahinter, der jedoch vor diesem Ehrenamt bearbeitet werden will. Bei Carola Bürgermeister, MTA in einer Kinderarztpraxis, ist der Verlust ihrer Eltern kein traumatisches Erlebnis und damit nicht die Motivation für dieses Ehrenamt. Sie erzählt, dass sie vielmehr schon immer einen Bezug zu älteren und auch sterbenden Menschen verspürte. Sie hat keine Berührungsängste mit dem Thema Tod und befasst sich nun näher damit. Da es ihr in der Kinderarztpraxis zunehmend beruflich begegnet, möchte sie sich weiterentwickeln. „Mit zwei erwachsenen, gesunden Kindern vergisst man manchmal, dass nicht alle Eltern so ein Glück haben“, stellt sie fest. „Ganz unbedacht fragt man eine junge Mutter mit einem Baby auf dem Arm, ob es das erste ist. Wenn die Antwort lautet ,Nein, mein erstes ist gestorben’, ist das ein kleiner Schock.“

Um Menschen, die solche Verluste erleiden oder erlitten haben, zu unterstützen, wieder ihren Weg zu finden, möchte sie sich beim Hospizverein engagieren. Mit diesem Wunsch ist sie nicht allein und befindet sich nun mit Gleichgesinnten auf einen spannenden Weg zur Hospizbegleiterin.




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