Schloss Wiligrad : Holzschneider unter Beobachtung

<fettakgl>Kunst entsteht:</fettakgl> Wilko Hänsch erläutert den Besucherinnen aus Harkensee und Bad Kleinen, wie sie den Druckstock betrachten müssen, damit sie das Motiv des späteren Holzschnitts erkennen. Es ist ein weiblicher Halbakt.  <foto>Werner Mett</foto>
Kunst entsteht: Wilko Hänsch erläutert den Besucherinnen aus Harkensee und Bad Kleinen, wie sie den Druckstock betrachten müssen, damit sie das Motiv des späteren Holzschnitts erkennen. Es ist ein weiblicher Halbakt. Werner Mett

Auf Schloss Wiligrad können Besucher zehn Künstlern bei der Arbeit zu sehen, wie sie Werke für die nächste Ausstellung herstellen. Noch bis Freitag läuft der Workshop.

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16. Juni 2012, 02:35 Uhr

Wiligrad | Ist das nun eine Landschaft oder doch ein einzelner Baum? Die Besucherinnen aus Harkensee und Bad Kleinen sind sich nicht einig. Wilko Hänsch aus Hohen Viecheln lässt die Damen aber nicht lange rumrätseln. "Das wird ein weiblicher Halbakt", erläutert der Maler und Keramiker, der gerade an einem Holzschnitt arbeitet. "Das ist hier das Positiv. Das richtige Bild ist erst nach dem Druck zu sehen." Und den bereitet Wilko Hänsch gerade vor. Er trägt schwarze Farbe auf den Druckstock auf, bevor dann der Abzug gemacht werden kann.

Eine Woche intensive (Hand-)Arbeit steckt bereits in dem Werk, bevor es gedruckt werden kann. Die Idee für den Holzschnitt hatte Wilko Hänsch schon länger im Kopf. Beim Grafik-Workshop in Schloss Wiligrad setzt er seine Vorstellungen nun um. Aus einer Sperrholzplatte im A-0-Format wird der Druckstock. Stück für Stück bearbeitet der Künstler die glatte Oberfläche, stehen bleiben dürfen nur die Teile, die später das Bild ergeben.

Dieser weibliche Halbakt wird in der nächsten Ausstellung des Kunstvereins Wiligrad auch zu sehen sein. Eröffnet wird der "Sommersalon - Sommergäste 2012" am 23. Juni um 17 Uhr. Doch bevor die Exposition beginnt, sind neben Wilko Hänsch auch Britta Matthies aus Hohen Viecheln, Wilfried Homuth aus Bad Kleinen und Ulf Rickmann aus Schwerin zum Workshop nach Wiligrad gekommen. Diese namhaften Künstler bleiben dabei aber nicht unter sich. Katja Qualmann, Viktoria Dietrich, Ellen Möckel, Ilka Rosenmüller, Timo Pan und Hannes Schüler, sechs Studenten und Absolventen der Hochschule Wismar, gehören ebenfalls zu den Workshop-Teilnehmern. Sie alle lassen sich noch bis zum 22. Juni über die Schulter schauen, stehen unter Beobachtung der Betrachter. Die Ausstellungsmacher stehen zudem untereinander im ständigen Dialog. Da gibt es keine Berührungsängste oder Vorbehalte. Auch wenn jeder Künstler am Ende sein Ding macht, kommt es zum Austausch, wird viel experimentiert. Das Projekt heißt zwar Grafik-Workshop, doch es kommen ganz unterschiedliche Druckverfahren zur Anwendung: Holzschnitt, Radierung, Lithographie - und die werden manchmal auch kombiniert. "Hier mal wieder mit Kollegen und Studenten zusammenzukommen ist eine tolle Abwechslung", betont Wilfried Homuth. "Ich habe spontan zugesagt." Timo Pan, Student für Kommunikationsdesign und Medien in Wismar, musste sich hingegen bewerben, um in Wiligrad dabei zu sein. "Ich schreibe gerade an meiner Diplomarbeit. Da mal rauszukommen tut gut. Und ich lerne hier Drucktechniken kennen, mit denen ich mich noch nicht so intensiv beschäftigt habe."

Diese Mischung und das Erleben, wie eine Ausstellung entsteht, ist auch für die Besucher spannend. Noch bis Freitag läuft der Workshop. Für ihn gelten die üblichen Eintrittspreise und Öffnungszeiten beim Kunstverein - dienstags bis sonnabends jeweils von 10 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr. Und schon jetzt sind auch an den Wänden in der Galerie Werke der teilnehmenden Künstler zu sehen. Diese haben sie allerdings nach Wiligrad mitgebracht. Die endgültige Exposition "Sommersalon" ist das aber nicht. Denn da kommen ja noch Werke aus dem Grafik-Workshop hinzu. Andere Bilder müssen dafür wieder abgenommen werden. Die endgültige Ausstellung wird erst kurz vor der Eröffnung am kommenden Sonnabend, 23. Juni, zusammengestellt. Zu sehen ist die 167. Ausstellung beim Kunstverein danach bis zum 5. August.

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