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Fusion geplatzt : Holdorf legt Hochzeitspläne auf Eis

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Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Bürger sprechen sich mit 68,6 Prozent für weitere Eigenständigkeit aus. Verhandlungen mit Rehna und Gadebusch finden nicht statt

svz.de von
erstellt am 20.Jan.2014 | 05:43 Uhr

Die Entscheidung steht: Die Gemeinde Holdorf bleibt selbstständig. In einem bislang einmaligen Verfahren einer Bürgerbefragung sprachen sich 168 Wahlberechtigte ab 16 Jahren für die Eigenständigkeit aus. Folglich legten die Bürger mögliche Planungen einer Fusion mit den Städten Rehna oder Gadebusch auf Eis. Der Bürgerwille ist laut Kommunalvertreter bindend.

Für die Geschichtsschreibung in der Gemeinde Holdorf ein historischer Tag und für Bürgermeister Peter Praeger ein besonderes Geschenk. Er verfolgte an seinem 60. Geburtstag die Auszählung im Gemeindehaus von Holdorf. „Ich habe immer damit gerechnet, dass rund 60 Prozent der Bürger zu ihrer Gemeinde stehen. Ich möchte mich für die Mitarbeit bei allen Bürgern bedanken“, sagt Praeger.

Mit Unterstützung der Feuerwehr Holdorf-Meetzen und weiteren Helfern verteilte die Kommune Anfang Januar insgesamt 327 Schreiben und Fragebögen an alle Haushalte. Termin für die Abgabe der Stimmzettel war am vergangenen Mittwoch. Am Freitagabend begann im Gemeindehaus Holdorf die Auszählung.

Mit 245 Antwortschreiben liegt die Bürgerbeteiligung bei 74,9 Prozent. Von allen abgegebenen Stimmen entfielen 18 (7,4 Prozent) auf eine mögliche Fusion mit der Stadt Gadebusch, 59 (24 Prozent) auf eine Eingemeindung nach Rehna und 168 Stimmen (68,6 Prozent) auf die Eigenständigkeit der zirka 780-jährigen Kommune im Amtsbereich Rehna. Folglich wählen die Holdorf-Meetzener bei der Kommunalwahl im Mai ein weiteres Mal ihre Gemeindevertreter und Bürgermeister.

Angst vor einer Zwangseingemeindung ab dem Jahr 2019 müsse niemand haben, meint Peter Praeger: „Meines Erachtens kann die Landesregierung so etwas nicht durchziehen. Die kommunale Selbstverwaltung ist Bestandteil des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.“ Dass die Holdorfer und Meetzener gewillt sind, ihre Interessen durchzusetzen, wird aus Sicht der Gemeinde dadurch deutlich, dass nicht wenige Stimmzettel die Unterschrift der Bürger tragen.

Worte, wie „gelebte Demokratie“ machen bei der Auszählung die Runde. Davon ist auch Ralf Gottschalk als stellvertretender Bürgermeister überzeugt. Deutlich entspannt legt er einen weiteren Stimmzettel auf den Stapel pro Holdorf. „Da ist echte Mitbestimmung“, sagt auch Kommunalvertreterin Andrea Krause. Niemand müsse sich nun den Vorwurf gefallen lassen: „Uns verkauft ihr sowie so“. Jeder habe die Chance einer Beteiligung gehabt, betont Krause. Sie selbst sei immer noch „überwältigt, wie viele Menschen sich beteiligt haben“. Auch dann, wenn zirka 90 Bürger sich enthielten. „Ich bin froh, dass es so gekommen ist“, sagt der Bürgermeister. Solch eine Resonanz hätte es bei einer reinen Bürgerversammlung nicht gegeben.

Mit dem Votum wird sich die Gemeinde am 27. Januar auf ihrer nächsten öffentlichen Sitzung befassen und die Entscheidung zur Aufnahme von Gesprächen mit Rehna aufheben. Auswirkungen auf die Finanzen der 396 Einwohner zählenden Gemeinde wird die Abstimmung laut Gemeindechef Praeger nicht haben: „Ab 2015 erhält die Kommune jährlich rund 30 000 Euro aus dem Hause des Zweckverbandes Radegast.“ Dabei handelt es sich um die Zahlungen zum Mietkauf des Schlosses als Verwaltungssitz. Eine Vereinbarung, die bis zum Jahr 2034 Bestand haben wird. Darüber hinaus behalte die Gemeinde die Hoheit bei der Festlegung der Hebesätze von Grund- und Gewerbe-, als auch Hundesteuern.

Mit der Entscheidung von Holdorf-Meetzen wird die Stadt Rehna ab Mai 2014 allein um die Gebiete von Nesow und Vitense und somit auf rund 3600 Bürger anwachsen.

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