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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

26. September 2017 | 12:59 Uhr

Hoffnung für David - es geht weiter

vom

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erstellt am 22.Okt.2010 | 09:35 Uhr

Stralendorf | Fast auf den Tag genau vor einem Jahr, am 18. Oktober 2009, fand sich die Gemeinde Stralendorf zu einer großen Solidaritätsaktion für die junge Familie Schwarck zusammen, der ein Schicksalsschlag hart zugesetzt hatte. Am Ostersonntag hatte der damals 31-jährige David eine Gehirnblutung erlitten, wurde gerettet, hatte aber zunächst große Schwierigkeiten, Arme und Beine zu bewegen, saß anfangs im Rollstuhl. Das Benefizkonzert "Hoffnung für David" in der berstend vollen Dorfkirche erbrachte mehr als 2 000 Euro, viel Zuspruch für David, für seine Frau Kristina sowie für den kleinen Sohn Simon und weitere konkrete Hilfsangebote. Was ist ein Jahr danach aus David und aus den damals zugesagten Hilfen geworden?

Der Gesundheitszustand hat sich dank der Reha gebessert

Die wichtigste Frage lautet, ob der ehemalige Maler und Tapezierer wieder laufen und sich bewegen kann. Zum Glück hat sich sein Gesundheitszustand - nicht zuletzt dank der Reha und der anschließenden und wohl noch lange Zeit andauernden Physiotherapie - gebessert. Er ist schon seit Langem nicht mehr auf den Rollstuhl angewiesen, kann wieder einigermaßen laufen, unternimmt längere Spaziergänge, zur Sicherheit meist gemeinsam mit seiner Frau, und David holt inzwischen seinen Sohn aus dem Stralendorfer Kindergarten ab. Simon ist ganz stolz auf seinen Papa und weiß auch, an welche Hand er ihn bei dem gemeinsamen Nachhauseweg nehmen muss. Es ist die linke, denn die, so sagt es der Fünfjährige gewissermaßen fachmännisch, müsse doch wieder aktiviert werden.

Allerdings wissen seine Eltern, dass es zwar manchmal Wunder geben kann, dass es aber mit dem linken, eher kraftlos herunterhängenden Arm wohl nie wieder so werden wird wie vor dem Unglück. Das ist einer der wichtigsten Gründe dafür, dass David manchmal unglücklich ist und auch wütend und ungerecht gegenüber seiner Frau und gegenüber anderen Menschen, die ihm helfen wollen. Aber Wunder können auch sie nicht vollbringen. Daher kommt es in der kleinen Familie auch zu Streit. Und manchmal muss Zimmermeister Uwe Gadow, der Freund, der damals die Hilfsaktion "Hoffnung für David" ins Rollen gebracht hatte, ihn daran erinnern, was er inzwischen alles erreicht hat - von den körperlichen Fortschritten bis zum Ausbau des Hauses und der umlaufenden Flächen, die eingeebnet sind und David das Laufen erleichtern. Inzwischen ist zur großen Freude der Familie auch das Bad fertig gestellt, die Auffahrt zum Grundstück ist gepflastert und noch in diesem Jahr wollen Mitglieder des Stralendorfer Hubertusvereins den Schuppen auf Vordermann bringen, damit dort die Gartengeräte sowie das Feuerholz für den Winter eingelagert werden können.

Zu Hause fällt ihm die Decke auf den Kopf

David könnte wohl eigentlich ganz zufrieden sein, oder? Doch wie er mit einer Mischung aus Wut und Trauer sagt, falle ihm zu Hause mehr und mehr die Decke auf den Kopf. "Ich muss raus. Ich muss wieder unter Leute." Er sei es gewohnt gewesen, zu malochen. Und das fehle ihm jetzt. Er habe sogar eine regelrechte Sehnsucht nach dem Geruch der auf den Baustellen verwendeten Farben. Als er kürzlich zu einer Party bei seinem ehemaligen Chef eingeladen war, da habe er sogar ein bisschen geschnüffelt, erzählt der junge Mann lachend. Erfreulich, dass David auch wieder häufiger fröhlich sein kann. Aber mindestens ebenso häufig fällt seine Stimmung in den Keller. Das ist immer dann der Fall, wenn der EU-Rentner - die Abkürzung steht für erwerbsunfähig - über seine Zukunft und über ein Leben ohne Beschäftigung nachdenkt. Dann könnte David fast verrückt werden. Statt zu Hause herumzusitzen oder sich lediglich als "Hausmann" nützlich zu machen, möchte er wieder etwas leisten.

Und da er früher sehr gern Auto gefahren ist, würde er gern wieder am Steuer sitzen. Denn selbst wenn er die Chance auf eine geringfügige 400-Euro-Beschäftigung hätte, bliebe die Frage, wie er denn zu seiner Arbeitsstelle kommen soll. In diesem Sinne könnte sich David zum Beispiel eine Tätigkeit als Botenfahrer oder Auslieferer für Farben vorstellen. Außerdem brauche er ein Fahrzeug, damit er selber zur Physiotherapie nach Schwerin fahren könne und nicht immer seinen 82-jährigen Opa um Chauffeurdienste bitten müsse. Oft surft David an seinem PC und sucht dort nach einem bezahlbaren Traumauto, das allerdings über Automatik verfügen müsse, da er sein linkes Bein noch nicht wieder benutzen kann. Derzeit können sich die Schwarcks allerdings weder ein neues noch ein gebrauchtes Zweit-Auto leisten. Die laufenden Kosten dagegen könne man gerade noch so verkraften.

Hintergrund dieses Wunsches ist die Tatsache, dass die Krankenkasse nach Abschluss einer Kur keine Taxikosten mehr für ihn übernimmt. Dafür sei seine Behinderung nicht schwer genug, berichtet David. Daher hofft er auf einen glücklichen Zufall und auf jemanden, der ihm Mobilität und damit Flexibilität sowie Beschäftigung möglich macht. Auch seine Frau Kristina würde sich über eine solche Lösung freuen, da ihr Mann dann vielleicht bessere Laune hätte. Manchmal sei es schon "etwas schwierig", sagt sie, auch wenn sie dennoch uneingeschränkt zu ihm hält. Ihre Liebe zu David ist noch gewachsen.

Krankheit hat Willen zum Weitermachen gestärkt

Insgesamt gesehen ist der junge Mann aus Stralendorf rund anderthalb Jahre nach seinem Unglück nicht nur in seiner eigenen Wahrnehmung bedeutend ruhiger geworden. Es nimmt ihn nicht mehr so mit, wenn er manche Leute hinter seinem Rücken sagen hört, wozu braucht der denn überhaupt Unterstützung, der kann doch schon wieder ganz gut alleine laufen. Anfangs hat er sich über solche, vielleicht eher unbedachten Äußerungen geärgert, inzwischen freut er sich darüber, dass er auch in den Augen seiner Umwelt im wahrsten Sinne des Wortes Fort-Schritte macht.

Und inzwischen kann er seiner Krankheit sogar etwas Gutes abgewinnen - sie hat seinen Willen zum Weitermachen gestärkt: "Ich gebe nicht auf, auf keinen Fall. Wer aufgibt, der verliert." In diesen Sätzen schwingen sowohl Trotz als auch jede Menge Hoffnung mit. Vielleicht sogar die Hoffnung auf ein Wunder.

In zwei Monaten ist Weihnachten. Vielleicht erfüllt sich bis dahin noch manche bislang offen gebliebene Hilfszusage aus dem Herbst vergangenen Jahres? Auch das Spendenkonto ist nach wie vor geöffnet. Es läuft über Rechtsanwalt Christian Wöhlke, Stichwort "Hoffnung für David" unter der Kontonummer 31 70 04 023 bei der Deutschen Bank 24, BLZ 130 700 24.

Wer David Schwarck und seiner Familie begegnen möchte, der kann dies auch im Nordfernsehen N3 tun. Für den heutigen Sonnabend plant das Team des "Nordmagazins" (ab 19.30 Uhr) einen Fortsetzungsbeitrag über "Hoffnung für David".

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