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Ein teurer “Gruss“ in Demern : Hitlergruss: 19-Jähriger muss 300 Euro Strafe zahlen

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Amtsgericht verurteilt jungen Mann

svz.de von
erstellt am 07.Apr.2016 | 21:29 Uhr

Es wurde gefeiert, getanzt und dann eskalierte die Party. Die Herrentagsfeier im Hotel „Alter Gutshof“ in Demern im vergangenen Jahr hatte gestern für einen 19-Jährigen ein juristisches Nachspiel.

Rund 1000 Gäste verschlug es am 14. Mai 2015 nach Demern. Eine Liveband spielte, die Stimmung war ausgelassen. So schilderte es gestern im Wismarer Amtsgericht eine Zeugin. Doch dann schlug die Stimmung um. Gegen 18 Uhr kam es zu Pöbeleien und Körperverletzungen zwischen zwei Gruppen, schreibt die Polizei später in einer Meldung.

Der 19-jährige Toni B. war mit von der Partie in Demern und nach eigener Aussage betrunken, vergaß ganz augenscheinlich seine guten Manieren. Er soll „zweimal deutlich erkennbar“ den Hitlergruß gezeigt haben, steht in der Anklage. Der Staatsanwalt wirft ihm „das Verwenden von Kennzeichen einer ehemaligen NS-Organisation“ vor. Eine Straftat.

Reumütig räumte der 19-Jährige gestern den Vorfall ein. „Ich weiß auch nicht, was mich da geritten hat“, sagte er.

Wie wenig Spaß Richter Martin Meermann bei solchen Sachen versteht, wird schnell klar. „Das ist menschlich geschmacklos“, sagte er in Richtung Anklagebank. „Es ist in dieser Zeit so viel Unrecht entstanden, dass wir uns sowas heute nicht mehr bieten lassen.“ Auf richterliche Milde brauchte Toni B. kaum zu hoffen.

„Wenn man Alkohol trinkt fallen die Hemmschwellen“, sagte Meermann. Allerdings tut man betrunken nichts, was nicht „zum Instrumentarium“ gehöre, so der Richter. Soll heißen, wer sich betrunken zu solchen Gesten hinreißen lässt, sei im nüchternen Zustand auch nicht davor davor gefeit.

Die Zeugin schilderte die Situation an dem Tag. Sie habe mit Freunden getanzt, als der 19-Jährige ihr gegenüber getreten sei. „Etwa drei Meter vor mir blieb er stehen und zeigte stolz auf sein T-Shirt.“ An den Schriftzug könne sie sich nicht mehr genau erinnern, an das was folgte schon. Toni B. „begrüßte“ sie. „Er wollte mich provozieren.“ B. und die Zeugin kennen sich. Vor Gericht entschuldigte er sich bei ihr für den Vorfall. Die Zeugin nahm das an.

B. ist der Vorfall sichtlich unangenehm. Er macht zurzeit eine Ausbildung, verdient 600 Euro netto jeden Monat, seine Freundin erwartet ein Kind. Die Staatsanwaltschaft beantragt, ihn mit einer Geldstraße in Höhe von 300 Euro zu sanktionieren. Immerhin die Hälfte seines Monatslohns. Ratenzahlung nicht möglich.

„Sie haben sich noch nie etwas zuschulden kommen lassen. Sie sind kein mieser Typ und auch kein Schwerkrimineller“, sagte der Richter. Betrunken habe er offenbar einen Blackout gehabt. „Wenn Sie die 300 Euro zahlen, schließe ich die Akte“, erklärte Richter Meermann dem 19-Jährigen. Dann sei die Sache erledigt und er nicht vorbestraft. „Sie haben bis zum 31. Juli Zeit.“ Passiert das nicht, entwarf der Richter Möglichkeit Nummer zwei: „Dann mache ich sofort einen neuen Termin und sperre Sie ein. Das verspreche ich Ihnen in die feuchte Hand. Auf Wiedersehen.“ Das Urteil war gefallen.

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