Krassow : Hilfe für Unternehmer wird reduziert

Unternehmer des Kreises informierten sich über Fördermaßnahmen.  Fotos:  Christian Hehemann
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Unternehmer des Kreises informierten sich über Fördermaßnahmen. Fotos: Christian Hehemann

Neue EU-Richtlinie verändert ab dem 1. Juli die Bedingungen der Wirtschaftsförderung für Nordwestmecklenburg

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02. März 2014, 00:00 Uhr

Geld vom Staat: Auch Unternehmen in Nordwestmecklenburg profitieren von unterschiedlichsten Programmen zur Unterstützung der Wirtschaft, die von der EU, dem Bund und dem Land finanziert werden. Dirk Dönges, geschäftsführender Gesellschafter der Rehnaer Firma awek Protech, steht den staatlichen Eingriffen jedoch skeptisch gegenüber: „Ich bin überzeugt, dass ein gesundes Unternehmen keine staatliche Förderung braucht.“ Dennoch sieht er in bestimmten Situationen durchaus die Vorteile. „Wenn unerwartete Dinge geschehen oder Existenzgründer zu wenig Sicherheiten haben“, so Dönges, sei Wirtschaftsförderung sinnvoll. Er selbst habe ebenfalls eine staatliche Bürgschaft in Anspruch genommen. „Als das Unternehmen, in dem ich sieben Jahre lang als Geschäftsführer beschäftigt war, zum Verkauf stand, hatte ich die Chance, es zu übernehmen“, erzählt Dönges. Anderen Unternehmern rät er, sich zu informieren. „Es gibt einige Institutionen, die zur Verfügung stehen. Und die Hürden sind gar nicht so groß.“

Doch dies ändert sich bald. Zum 1. Juli treten auf europäischer Ebene neue Bestimmungen in Kraft. Und damit werden die Möglichkeiten für Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern, Förderungen zu erhalten, eingeschränkt. Katrin Kuchmetzki betont: „Das wird ein Einschnitt.“ Die Abteilungsleiterin Landesprogramme und Darlehen des Landesförderinstituts Mecklenburg-Vorpommern stellte im Rahmen einer Informationsveranstaltung des Unternehmerverbands der Region Nordwestmecklenburg in Krassow die wesentlichen Veränderungen vor. So stehen vor allem bei den Zuschussförderungen im Bereich der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ bereits einige, teils gravierende, Einschränkungen fest.



Mecklenburg-Vorpommern wird herabgestuft




Unter anderem beträgt das Mindestinvestitionsvolumen für Unternehmen zukünftig 50 000 Euro. „Das ist vor allem für ein kleines Unternehmen mit bis zu 49 Mitarbeitern schwierig zu stemmen“, so Kuchmetzki. Lediglich im ländlichen Raum sind Förderungen bei einer Investition ab 10 000 Euro noch möglich. Und auch die Fördersätze werden in diesem Bereich reduziert. Können kleine Unternehmen bisher mit bis zu 50 Prozent ihrer Investitionssumme unterstützt werden, verringert sich dies ab dem 1. Juli voraussichtlich auf maximal 35 Prozent. „Im neuen EU-Beihilferecht wird Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich zu anderen Regionen Europas wohl herabgestuft. Das liegt auch an einer guten wirtschaftlichen Entwicklung, die den Abstand zu den wohlhabenden Regionen reduziert hat“, erklärt Kuchmetzki.



Bemessung der Anträge ist kompliziert




Neben diesen beiden Regelungen gibt es zudem noch weitere Begrenzungen. So gilt für Arbeitsplätze, die durch die Förderung neu geschaffen werden, eine Lohnuntergrenze von 8,50 Euro. Darüber hinaus dürfen höchstens zehn Prozent der neuen Stellen Ausbildungsstellen sein. Schließlich wird ein Unternehmen nicht gefördert, wenn ausschließlich Zeitarbeiter eingestellt werden sollen. „Durch die vielen Regelungen ist die Bemessung der Anträge kompliziert geworden“, bedauert Kuchmetzki.

Und auch bei den Darlehensförderungen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ werden sich ab dem 1. Juli die Bedingungen ändern. Kuchmetzki: „Die neuen Richtlinien nach dem 30. Juni sind aber noch unklar.“

Insgesamt hat das Landesförderinstitut über hundert verschiedene Programme. Dies sei jedoch nur ein Drittel aller Förderprogramme in Mecklenburg-Vorpommern, so Kuchmetzki. Zentrale Instrumente des Instituts sind dabei Zuschüsse und Darlehen. „Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf der Wirtschaftsförderung und der Städte- und Wohnungsbauförderung. Oberstes Ziel der Wirtschaftsförderung ist dabei die Schaffung und Sicherung von Dauerarbeitsplätzen“, so die Abteilungsleiterin Landesprogramme und Darlehen, die sich darüber hinaus wünscht, dass sich die Unternehmer mehr einbringen und dem Landesförderinstitut mitteilen, was sie genau brauchen. Einen Tipp an alle Unternehmer hat Katrin Kuchmetzki aber noch: „Alle Anträge, die bis zum 30. Juni eingereicht werden, werden noch nach den alten Richtlinien bewertet.“

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