Weisse Ring : Hilfe für Menschen in Not

Martina Tegtmeier ist die neue Außenstellenleiterin des Weißen Rings e. V. für Wismar und Nordwestmecklenburg. Sie bietet Opfern von Straftaten Hilfe und Beratungen an.
Martina Tegtmeier ist die neue Außenstellenleiterin des Weißen Rings e. V. für Wismar und Nordwestmecklenburg. Sie bietet Opfern von Straftaten Hilfe und Beratungen an.

Neue Außenstellenleiterin ist Martina Tegtmeier

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11. Juli 2015, 00:39 Uhr

Im Schweriner Schloss macht sie Landespolitik, in Nordwestmecklenburg hilft sie Opfern von Straftaten: Martina Tegtmeier. Die SPD-Landtagsabgeordnete ist die neue Außenstellenleiterin des Opferhilfe-Verbandes Weißer Ring e. V. für Wismar und Nordwestmecklenburg. SVZ-Redakteur Michael Schmidt sprach mit ihr über dieses ehrenamtliche Engagement, prominente Unterstützer und Hilfsangebote für Menschen in Not.

Frau Tegtmeier, Sie sind die neue Außenstellenleiterin des Weißen Rings. Da drängt sich eine Frage auf: Wurden Sie schon einmal Opfer einer Straftat?

Martina Tegtmeier: Nein. Aber wie jeder andere Mensch habe ich schon bedrohliche Situationen erlebt. Als Jugendliche bin ich zum Beispiel verfolgt worden von Männern in einem komischen Fahrzeug. Ich konnte sie aber „abhängen“. Opfer einer Straftat wurde ich nicht.

Wie betroffen macht es Sie, dass nach wie vor ältere Menschen in das Visier von Trickbetrügern geraten?

Das macht mich sehr betroffen. Vor allem deshalb, weil Senioren oftmals ihren Spargroschen für das Leben im Alter verlieren. Sie haben keine andere Möglichkeit mehr, sich noch einmal ein kleines finanzielles Polster zu verschaffen, da sie aus dem Berufsleben ausgeschieden sind. Es ist aber auch anzumerken, dass ältere Menschen nicht öfter Opfer von Straftaten werden als jüngere. Die Statistik spricht dagegen.

Ein anderes Thema sind Wohnungseinbrüche. Was machen diese Menschen durch?

Sie erleiden mitunter ein Trauma, fühlen sich in ihrem eigenen Zuhause plötzlich unwohl, weil Fremde in ihren Sachen herumgewühlt haben. Einbruchsopfer fürchten zudem, dass die Täter wieder in ihr Haus oder in ihre Wohnung einbrechen könnten, was aber höchst unwahrscheinlich ist. Wir als Weißer Ring bieten daher auch Schulungen an, wie man sein Zuhause etwas sicherer machen kann. In Zusammenarbeit mit der Polizei organisieren wir darüber hinaus Infoveranstaltungen zum Thema Sicherheit im Alter und werden zum Beispiel am 20. Juli in Rehna und am 29. Juli in Lützow vor Ort sein.

Jahr für Jahr gibt es auch in Nordwestmecklenburg Fälle häuslicher Gewalt. Wie kann der Weiße Ring diesen Menschen helfen?

Wir können Hilfeschecks für eine vom Opfer jeweils kostenlose und frei wählbare anwaltliche und psychotraumatologische Erstberatung sowie für eine rechtsmedizinische Untersuchung ausstellen. Darüber hinaus bieten wir als Weißer Ring persönliche Beratungsgespräche an, begleiten sie auf Wunsch zu Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht. Es gibt aber auch materielle Soforthilfen zum Beispiel für den Aufenthalt in einem Frauenhaus. Die Übernahme von Anwaltskosten, insbesondere zur Wahrung von Opferschutzrechten im Strafverfahren und zur Durchsetzung von Ansprüchen nach dem Opferentschädigungsgesetz ist eine weitere Hilfsmaßnahme.

Wie gut oder schlecht funktioniert die Kriminalitätsprävention aus Ihrer Sicht in Nordwestmecklenburg?

Aus meiner Sicht sollte noch mehr Aufklärung geleistet werden. Denn die Menschen sollen wissen, dass es für sie Hilfsangebote gibt, wenn sie Opfer einer Straftat wurden. Und Tätern sollte klar sein, welche Konsequenzen ihr Handeln nach sich ziehen wird.

Der Weiße Ring hat prominente Unterstützer wie die Schauspieler Til Schweiger, Götz George oder die Sängerin Ute Freudenberg. Wen würden Sie als Unterstützer dazu holen wollen?

Ich würde mich freuen, wenn zum Beispiel alle Bürgermeister Unterstützer des Weissen Rings werden. Sie sind so eine Art Kümmerer vor Ort und können viel dazu beitragen, dass Hilfs- und Beratungsangebote bekannt und von den Menschen angenommen werden.

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