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Neuer Nistkasten in Gadebusch : Hilfe für den Jäger der Lüfte

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Volker Barfuß lockt Wanderfalken in die Münzstadt

von
erstellt am 19.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Auf dem Dach der Gadebuscher Stadtkirche wird mit ein wenig Glück einer der schnellsten Vögel der Welt einen der imposantesten Brutplätze im Nordwesten beziehen: der Wanderfalke. Dass dies gelingen kann, dessen ist sich Volker Barfuß sicher. Der Ornithologe aus Wotenitz hat schon mal Ausschau gehalten und auf 35 Metern Höhe am Kirchturm die dafür erforderliche Nisthilfe installiert. „Es handelt sich um den 12. Nistkasten. Den 13. wollen wir in diesen Tagen in Brüel installieren“, sagt er.

Barfuß, von Beruf Reetdachdecker, klettert und schaut nicht nur gerne über die Dächer der Stadt in die Ferne. Er ist schlichtweg fasziniert von der Präzision des Jägers, seinem Erscheinungsbild mit dem gestreiften Gefieder. „Das fand ich als Kind schon imposant. Das Hobby ist geblieben und so geht es an den Wochenenden mit Spektiv und Fernglas hinaus“, erzählt der 57-Jährige.

Mit nicht weniger Begeisterung begrüßt er das Engagement der Kirchgemeinde Gadebusch, seine Bemühungen im Sinne des Artenschutzes zu unterstützen. „Die Pastorin stand dem Projekt sehr aufgeschlossen gegenüber“, sagt er. Eine echte Hilfe, denn dem Einsatz von gefährlichen Pestiziden in den 1960er und 1970er Jahren folgte das Artensterben. Heute gilt der Bestand als erholt. Experten rechnen mit 600 und 1000 Paaren deutschlandweit. „Möglicherweis gelingt uns mit der Nistkastenaktion der erste Brutnachweis in Nordwestmecklenburg“, sagt Barfuß.

Somit trägt der sanierte Kirchturm an der nordöstlichen Seite einen bislang schwer zu definierenden Kasten. An jener Stelle, wo sich einst eines der Dachfenster befand. „Da muss niemand Angst um das Bauwerk haben. Wir arbeiten mit Garantie und setzen auf Sicherheit am Denkmal“, so Reetdachdecker Barfuß.

„Wir“, das ist das Team Vater und Sohn. Kaum anders ließen sich die Projekte umsetzen: „Patrik Barfuß (27) ist von Beruf Industriekletterer.“ Er steigt hinaus auf die Dachflächen und klettert an den Gebäuden entlang.

Vor jedem Aufstieg startet in der Wotenitzer Werkstatt der Bau der Nistkästen. Detailverliebte Menschen wie Barfuß verbringen da schon mal die eine oder andere Stunde. Dafür kann sich das Resultat sehen lassen. „Wir fertigen an die jeweilige Örtlichkeit angepasste Kästen, die zehn bis 15 Jahre halten“, so der Ornithologe. Dafür zimmert er mit der erforderlichen Präzision die 80 mal 70 mal 50 Zentimeter großen Behausungen zusammen, versieht diese mit einem wetterbeständigen Aluminiumdach und fügt den „Balkon“ zur Anlandung und als Übungsgelände für Flugübungen der Jungvögel hinzu.

Erste Erfolge, die sind unter anderem am Wüstmarker Getreidespeicher sichtbar. Barfuß: „Es handelt sich um ein optimales Gebiet, denn die Flächen im Umfeld bieten mit reichlich Kleinvögeln ein gutes Nahrungsspektrum, was über Jahre den Bruterfolg sicherte.“ Wanderfalken gehen im Umkreis von zehn Kilometern auf Beutezug. „Natürlich passen auch Tauben in sein Beuteschema. Dennoch müssen Züchter nicht um ihre Tiere fürchten, denn gute Flieger können ausweichen“, meint Barfuß.

Für ihn heißt es nun abwarten, ob in den kommenden Wochen zwischen Dassow, Kalkhorst, Brüel, Neubukow und Gadebusch sich das erste Pärchen niederlässt. Einzelne Vögel wurden bereits gesichtet. Mit mehr als ein bis zwei Brutpaaren im Nordwesten rechnet der Ornithologe angesichts eines gut 20 Kilometer großen Reviers nicht.

 

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