Gadebusch : Hier soll der Windpark hin

Zwischen Wakenstädt, Kaeselow, Gadebusch sehen Planer einen möglichen Windpark-Standort mit neun Anlagen.  Grafik: Stepmap/svz
Zwischen Wakenstädt, Kaeselow, Gadebusch sehen Planer einen möglichen Windpark-Standort mit neun Anlagen. Grafik: Stepmap/svz

Ein erster Standortplan zeigt das 85 Hektar große Areal für neun mögliche Anlagen. Radegast-Quellen sind wenige hundert Meter entfernt

von
14. November 2014, 07:45 Uhr

Für den möglichen Windpark bei Gadebusch liegt Kommunalpolitikern erstmals ein konkreter Standortplan vor. Demnach streben Planer neun Windkraftanlagen auf einem 85 Hektar großen Areal zwischen Wakenstädt, Meierei Pokrent, Kaeselow und dem Gadebuscher Industriegebiet an. Das geht aus Unterlagen hervor, die der SVZ vorliegen. Rund 90 Millionen Euro könnte das Projekt insgesamt kosten, sollte es nahe der Radegast-Quellen realisiert werden.

Nach den Vorstellungen der Naturwind GmbH Schwerin soll durch ein kommunales Beteiligungsprojekt die Akzeptanz vor Ort erhöht werden. Demnach könnten die Kommunen Gadebusch, Pokrent und Lützow sich finanziell an einer Projektgesellschaft beteiligen. „Ziel ist, über einen Zeitraum von 20 Jahren mindestens eine Ausschüttung in Höhe von 300 Prozent des eingesetzten Kapitals zu generieren“, heißt es in Unterlagen der Naturwind GmbH. Nach deren Berechnung wären dies zwei Millionen Euro pro Gemeinde im Falle einer Ausschüttung nach zwei Jahrzehnten. Das zuvor dafür eingesetzte Kapital der Kommune würde jeweils 667 000 Euro betragen.

Ob die so genannte Potenzialfläche als Windeignungsgebiet ausgewiesen wird, ist derzeit ebenso offen wie die Zustimmung der Kommunen für ein solches Projekt. Denn der Widerstand gegen den möglichen Windpark ist groß. Das wurde in der jüngsten Finanzausschuss-Sitzung der Gadebuscher Stadtvertretung deutlich. „Wer in diesem Land seine Wurzeln hat, müsste ein Interesse daran haben, dass es attraktiv bleibt und nicht nur ein Windstromlieferant für den Süden wird“, meinte beispielsweise Robert Tiedt.

Verärgert sind Kommunalpolitiker über die Vorgehensweise der Planer. Diese suchten nicht den direkten Weg zur Stadtvertretung, sondern in zwei von vier Fraktionen. „Dieser Weg der Demokratie-Umsetzung ist verwerflich“, kritisierte Günter Blankenberg von der Gadebuscher Bürgergemeinschaft.

Ein hitziges Wortduell im Rathaus lieferten sich an dem Abend zudem der Gadebuscher Bürger Klaus Prieser und Jörg Haase von der Agrar Aktiengesellschaft. Letzteren hielt es nicht mehr auf dem Stuhl, als ihm indirekt vorgeworfen wurde, Windkraftanlagen des Geldes wegen bauen zu wollen.

Haase will im Falle eines Windpark-Baus den Gewinn der Bürger vervielfachen. „Günstigere Strompreise, Beteiligungen und Vorteile für die Stadt könnten ein Umdenken bewirken“, hofft Haase. „Auch wenn wir hier in Klein Gadebusch sitzen und meinen, wir können die Welt verändern, so gibt es übergeordnete Gesetze. Wir können keine Bürgerwehr gründen und sagen ,Alle gegen den Rest der Republik!’ Das wird nicht funktionieren“, so Haase.

Die Agrar AG könnte laut Konzept mit 20 Prozent an der Betreibergesellschaft beteiligt werden. Die Naturwind GmbH und die Energieagentur MV GmbH (mea) würde jeweils 25 Prozent halten, die Norddeutsche Energiegemeinschaft eG (NEG) zehn Prozent und die Kommunen Gadebusch, Lützow, Pokrent zusammen 20 Prozent. Kritiker des Vorhabens planen inzwischen eine Unterschriften-Sammlung gegen einen möglichen Windpark.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen