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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

22. November 2017 | 10:35 Uhr

Maskenbauer : Hering, Harlekin und Totenkopf

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Maskenbauer - Eine seltene Zunft: Lars Maué baut Masken, gehört zu den wenigen Profis weltweit in seiner Passion. Er beliefert Schauspielschulen, Theater und Opernhäuser, entwickelt die Maske je nach Rolle und Stück.

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erstellt am 27.Apr.2012 | 11:06 Uhr

Wismar | Wenn er seinem Publikum den Rücken zudreht, sich die Maske aufsetzt, einige Sekunden wartet und sich dann wieder umdreht, steht dort ein anderer Mensch. Lars Maué verwandelt sich mit jeder Maske. Wird zum zeternden Alten, zum Harlekin oder zur alten Jungfer auf dem Weg zum Kaffeekränzchen. Er wird zum personifizierten Bösen. Mit der Maske des Todes tanzt er wie ein Skelett, mit dem Schalk im Nacken.

Lars Maué baut Masken, gehört zu den wenigen Profis weltweit in seiner Passion. Er beliefert Schauspielschulen, Theater und Opernhäuser, entwickelt die Maske je nach Rolle und Stück. Aus Gesprächen werden Zeichnungen und Entwürfe, daraus entsteht ein erstes Tonmodell. Der Kunststoff-Abguss daraus ist ein Zwischenpositiv. "Zur Kontrolle, ob die Maske funktioniert", erklärt der Fachmann. Durch Ausgießen entsteht ein Gipspositiv, damit könnte Lars Maué ein oder zwei der Ledermasken machen. Dann wäre es zerstört. "Wenn ich die Maske öfter machen will, muss ich ein Positiv aus Holz machen." Mit Axt und Stechbeitel wird aus dem Klotz ein Gesicht. Das Holzgesicht als Maskenpositiv ist wie der Leisten des Schusters, den der Maskenbauer dann mit nassem Leder überzieht. Mit einem Hornhammer wird das Leder in die Form gehämmert. Mit viel Gefühl, Millimeter für Millimeter, "wie bei der Karosserie eines Autos", so Lars Maué. Erst kommt die Kunst, dann das solide Handwerk.

Lars Maué hat eigentlich Masseur gelernt, dann Kunst in Hamburg studiert und einen Abschluss auf einer privaten Schauspielschule gemacht. Ein dreiviertel Jahr hat er in Indonesien gelebt, gearbeitet und gelernt. Masken gab es immer im Leben des nun 47-Jährigen. Erst die an der Wand des Vaters, die den kleinen Jungen begeisterten. Dann die, mit denen er auf der Schauspielschule gearbeitet hat. Die ersten, die er selbst gebaut hat. Die Masken, die er in Indonesien tanzend erlebt hat.

"Masken sind ursprünglich und kraftvoll", erzählt Lars Maué, während sich sein nettes Gesicht mit der entsprechenden Maske in einen pöbelnden Fiesling. Er schlüpft innerhalb von einer Sekunde in die Rolle und erklärt, wieder als Lars: "Die Maske ist von außen lesbar und interpretierbar. Sie bündelt die Kraft des Darstellers wie mit einer Linse." Er arbeitet viel mit Halbmasken, die den unteren Gesichtsteil frei lassen. So entsteht mit dem Gesicht des Trägers eine ganze eigene Maske, eine Maskerade mit dem, was der Schauspieler spielt, wie er sich gibt und dem, wie er dank Maske wahr genommen wird.

Seit zwei Jahren lebt und arbeitet er mit seiner Familie in Wismar. Der Hamburger hat sich in die Stadt verliebt. "Ich hatte nach den ersten Tagen das Gefühl von Heimat, das hatte ich in Hamburg nie." Eine ganz große Maske würde er für Wismar gerne gestalten. Einen meterlangen, mobilen Fisch zu den Heringstagen. Die Idee dafür ist längst im Kopf. Und wäre, so wie jede Maske von Lars Maué, ein Hingucker. Mehr Infos und Masken: www. maue-masken.de.

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